# taz.de -- Neubau in Berlin: Nur beim Ziel einig
> Die Linke legt ein Konzept für mehr bezahlbaren Neubau vor.
> Stadtentwicklungssenator Christian Gaebler (SPD) hat andere Ideen.
(IMG) Bild: Gegen Kräne ist niemand. Die Frage ist: Was bauen sie, wo, für wen und für wie viel Miete?
Die einen wollen das Wohnungsproblem mit Neubau lösen, die anderen mit
Regulierung, so lautet einer der weit verbreiteten, und von den Parteien
selbst befeuerten Mythen der Berliner Politik. Zumindest programmatisch
lässt sich das nicht halten. Während sich etwa die [1][SPD in ihrem
Wahlprogramm durchaus Gedanken über Regulierung macht] und ähnlich wie
Grüne und Linke auf Sozialquoten für private Vermieter setzt, hat die Linke
am Dienstag ihr Konzept für eine Ankurbelung des Neubaus vorgelegt.
„Natürlich brauchen wir mehr neue Wohnungen, aber nicht jeder Neubau
hilft“, so Spitzenkandidatin Elif Eralp.
Ziel der Partei ist es daher, den Bau von dauerhaft bezahlbaren Wohnungen
durch die landeseigenen Wohnungsunternehmen deutlich anzukurbeln, auf 7.500
pro Jahr. Im vergangenen Jahr stellten die Unternehmen 4.700 Wohnungen
fertig, etwa die Hälfte davon Sozialwohnungen. Gelingen soll die Steigerung
durch eine neue Projektentwicklungsgesellschaft mit 50 Angestellten, die
die Kapazitäten der sechs kommunalen Gesellschaften bündelt. Statt der
bislang parallelen Beauftragung privater Bauherren können dann mit der
Bauwirtschaft Rahmenverträge über serielle Baulösungen geschlossen werden.
Mit Holzmodulbauten vor allem in den neu geplanten Stadtquartieren sollen
so schnell Tausende neue Wohnungen entstehen.
Die Wohnungsbaugesellschaften sollen den Neubau anders als bislang nicht
mehr aus ihren Mieteinnahmen stemmen müssen, sondern durch die
kreditfinanzierte Zufuhr von Eigenkapital über 1,6 Milliarden Euro
jährlich. „Der Druck, die Mieten zu erhöhen, soll rausgenommen werden“, so
Eralp. Im Neubau werden durchschnittliche Mieten von 8 Euro pro
Quadratmeter angestrebt.
Gespart werden soll dagegen bei den Zuschüssen für den Bau von
Sozialwohnungen durch Private, [2][für die der Senat jährlich insgesamt 1,5
Milliarden bereitstellt], allerdings mit dem Manko, dass diese Wohnungen
nach 30 Jahren aus der Sozialbindung fallen. In Berlin stehen derzeit nur
noch rund 80.000 Sozialwohnungen zur Verfügung, bei mehr als einer Million
Haushalte mit Anspruch auf einen Wohnberechtigungsschein.
## Gaebler widerspricht
Stadtentwicklungssenator Christian Gaebler (SPD) zeigte sich wenig
beeindruckt vom Vorstoß der Linken. Er kenne das Konzept im Detail nicht,
sagte er darauf angesprochen in der Pressekonferenz nach der Senatssitzung,
aber viel sei ja schon angeklungen. „Das meiste davon passiert sowieso, das
machen die landeseigenen Gesellschaften und das Land Berlin“, sagt er. Als
deren Neubauziel für dieses Jahr gab Gaebler 6.500 Wohnungen an, 1.000
weniger als beim Ziel der Linkspartei.
Er würde sich aber wünschen, dass die Linke nicht nur sage, „wie bauen zu
organisieren ist, sondern wo gebaut werden soll“, sagte der Senator. Hier
erlebe er – weniger von der jeweiligen Linkspartei vor Ort, sondern von
deren Landesebene – Widerstand. Da heiße es oft: „Hier nicht oder so nicht
oder nicht so viel.“ Als Beispiel nannte Gaebler das Großprojekt
Elisabeth-Aue und Nachverdichtung in Marzahn.
Zur Forderung nach einer Dachgesellschaft der sechs landeseigenen
Wohnungsunternehmen sagte er: „Wenn ich einen Zentralrat für schnelles
Bauen gründe, dann mag sich das bei dem einen oder der anderen in
Erinnerung rosig darstellen, aber in der Praxis hat sich das meist nicht
bewährt.“
Selbst stellte der Senator den Entwurf eines Einfacher-bauen-Gesetzes vor.
Es soll [3][das seit einem Jahr geltende Schneller-bauen-Gesetz] ergänzen:
Das erste vereinfacht Verfahrensschritte und Anträge, das zweite soll
Vorgaben und Standards erleichtern und absenken. So soll beispielsweise
nicht mehr in der Bauordnung vorgeschrieben sein, dass es in Neubauten eine
Abstellkammer geben muss. Die Mindestraumhöhe in Dachgeschossen muss zudem
nur noch 2,20 Meter betragen. Zu dem neuen Gesetzentwurf gehört auch eine
Änderung beim Denkmalschutz, wo seltener Genehmigungen nötig sein sollen.
Schneller bauen will auch die Linke, wenn auch nicht durch die Beschneidung
von Mitbestimmung oder Umweltstandards, so der mietenpolitische Sprecher
Niklas Schenker. Es sei aber nicht zielführend, wenn die Aufstellung von
Bebauungsplänen acht Jahre dauere. Die [4][Linken-Gesamtstrategie] brachte
er auf den Punkt: „Wir wollen die öffentlichen Unternehmen steuern, die
großen enteignen und die kleinen regulieren.“
12 May 2026
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