# taz.de -- Oliver Hardts Ausstellung in Frankfurt: Politischer Fortschritt verläuft nie linear
> Wie fragil sind Kultureinrichtungen, wenn der Staat interveniert? Das
> fragt der Künstler Oliver Hardt in seiner Ausstellung im Frankfurter Art
> Space Synnika.
(IMG) Bild: Besucher:innen im National Museum of African American History and Culture, Szene aus dem Film „The Black Museum“ von 2018
„Internal Review“ nennt der Künstler, Autor und Filmemacher Oliver Hardt
seine Ausstellung im Frankfurter Ausstellungsraum Synnika. Der befindet
sich im Bahnhofsviertel in einem selbstverwalteten Hausprojekt, im Schatten
der spiegelverglasten Banktürme. Man könnte an diesem Ort meinen, der Titel
„interne Überprüfung“ spiele auf einen korrupten Immobiliendeal an, aber
hier geht es um US-amerikanische Kulturpolitik, ihren radikalen Kurswechsel
seit den 2000er Jahren und die aktuelle Situation in Deutschland.
Im Mittelpunkt der Schau steht der Dokumentarfilm „The Black Museum“. Über
fünf Jahre hinweg hat der in Frankfurt lebende Oliver Hardt, der sich schon
lange mit Schwarzer Kultur und US-Themen auseinandersetzt, die Entstehung
des Smithsonian National Museum of African American History and Culture,
kurz NMAAHC, in Washington begleitet. Der 52-minütige Film verbindet
Interviews mit Mitarbeitenden und Besuchenden mit Ansichten der
außergewöhnlichen [1][Museumsarchitektur von David Adjaye]. [2][Das 2016 an
der National Mall Washingtons eröffnete Haus tritt als ein einzigartiger
Ort hervor], der von dem Anliegen getragen ist, die Gewaltgeschichte der
Schwarzen Bevölkerung in den USA sichtbar zu machen, um zu einem
demokratischen Zusammenleben in der Gegenwart beizutragen.
Bei Synnika hängt dem Film die gerahmte Kopie des präsidialen Dekrets 14253
vom März 2025 gegenüber, das den Titel „Restoring Truth and Sanity to
American History“ trägt. [3][Trump ordnet darin] eine ausschließlich
positive Darstellung der US-amerikanischen Geschichte an. Damit richtet er
sich gegen Häuser wie das NMAAHC. Unmittelbar daneben hängen die beiden
administrativen Verfügungen von August und Dezember 2025 zur Umsetzung des
Dekrets. Eines davon trägt im Betreff den titelgebenden Begriff „Internal
Review“.
Sorgsam in eine Nische eingerückt, präsentiert Hardt weitere Exponate aus
der Entstehungszeit des Museums. Unerbittlich führen sie vor Augen, wie
radikal sich die politische Kultur in den USA in den vergangenen zwei
Jahrzehnten geändert hat. Darunter sind drei Videoaufzeichnungen von Reden
des Ex-Präsidenten Barack Obama. Der hatte sich zusammen mit seiner Frau
noch für gesellschaftlichen Zusammenhalt eingesetzt. Obama würdigt die
Erfolge des Civil Rights Movement, auch das NMAAHC, und er erinnert an die
Rückschläge, die die Bewegung immer wieder zu verkraften hatte. Politischer
Fortschritt, so wird deutlich, verläuft nie linear.
Von den USA schlägt Hardt den Bogen auch zur Situation in Deutschland: In
schwarzen Pressemappen versammelt er Dokumente über Eingriffe in die
hiesige Kunst- und Kulturfreiheit. Auch das Wahlprogramm einer vom
Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuften Partei aus
Sachsen-Anhalt ist dabei, die nach dem Vorbild Trumps neue Vorgaben für
öffentliche Bauten fordert. Wie fragil sind Kultureinrichtungen, wenn der
Staat interveniert, lautet die eigentliche Frage der Ausstellung.
„Internal Review“ kann als politische Landschaft im Futur Zwei verstanden
werden: Hardt führt mit dem NMAAHC vor Augen, wie langfristig für
demokratische Projekte gekämpft werden muss und wie schnell sie von rechten
Kräften unter Druck gesetzt werden können. Gleichzeitig ist „Internal
Review“ als Aufforderung zu verstehen, diesen Entwicklungen entschieden
entgegenzutreten.
Im Modus des Futur Zwei wird [4][Trumps Dekret 14253] nur noch ein
schäbiger Tiefpunkt rechter Kulturpolitik in den USA gewesen und die
MAGA-Bewegung lediglich zu einer Schautafel im NMAAHC geworden sein.
Deutschland und Europa werden eine autoritäre Wende erfolgreich abgewehrt
und stattdessen Strategien für künstlerische Freiheit und demokratische
Vielfalt entwickelt haben. Aber – das macht die Ausstellung auch klar – die
Zeit dafür läuft schon.
15 May 2026
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## AUTOREN
(DIR) Ursula Grünenwald
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