# taz.de -- Prozess gegen Palästina-Gruppe: „So, und jetzt räumen wir den Saal“
> Fünf Aktivist:innen sollen eine israelische Rüstungsfirma in Ulm
> sabotiert haben. Nach zwei Verhandlungstagen ist die Anklage noch immer
> nicht verlesen.
(IMG) Bild: An Verhandlungstag zwei wurde die Anklageschrift immer noch nicht verlesen
So zäh geht es vor Gericht nur selten zu: Auch am zweiten Verhandlungstag
gegen fünf propalästinensische Aktivist:innen am Montag vor dem
Landgericht Stuttgart wurde die Anklage nicht verlesen. Stattdessen ließ
die Vorsitzende Richterin erneut den Gerichtssaal räumen. Den Beschuldigten
wird zur Last gelegt, im [1][vergangenen September] bei dem israelischen
Rüstungsunternehmen Elbit in Ulm eingebrochen zu sein und einen
Millionenschaden verursacht zu haben.
Es war von Beginn an eine aufgeheizte Stimmung am Montagmorgen im
Hochsicherheitsgebäude Stuttgart-Stammheim. Als die Verhandlung mit über
eineinhalb Stunden Verspätung begann, machte sich das überwiegend
Palästina-solidarische Publikum umgehend bemerkbar. Beim Eintreten der
Verfahrensbeteiligten stimmte es einen Kanon über Olivenbäume und
Widerstand an. Das führte zu einer ersten Ermahnung seitens der
Vorsitzenden Richterin.
## Verfahren dreht sich im Kreis
Wie am ersten Verhandlungstag saßen die fünf Aktivist:innen am Montag
getrennt von ihren Verteidiger:innen hinter einer kugelsicheren
Glasscheibe. [2][Die Staatsanwaltschaft wirft den 25- bis 40-Jährigen
Landfriedensbruch, Sachbeschädigung und die Mitgliedschaft in einer
kriminellen Vereinigung] – der Organisation [3][Palestine Action Germany]
vor. Über Mikrophon und Kopfhörer sollen sie mit ihren Anwält:innen
kommunizieren. Vertrauliche Kommunikation sei so nicht möglich, hatte die
Verteidigung bereits zu Prozessauftakt beklagt und aus Protest den Saal
verlassen. Auch damals wurde die Verhandlung daraufhin unterbrochen.
Und weiterhin scheint man sich im Kreis zu drehen: Die Diskussion um die
Zulässigkeit der Anträge nahm erneut überhand. Die Verteidigung
insistierte, dass ihre Anliegen unverzüglich geklärt werden müssten, weil
ansonsten kein faires Verfahren gewährleistet sei. Die Staatsanwaltschaft
und die Richterin widersprachen. Die Strategie der Vorsitzenden Richterin,
das Verfahren zu beschleunigen, indem sie Anträge der Verteidigung erst
nach der Anklage zulässt, scheint nicht aufzugehen.
„Wir hätten all diese Formalien in zwei Stunden klären können, wenn Sie
unsere Anträge zulassen würden. Die ganzen Verzögerungen sind tatsächlich
Ihre Verantwortung“, wirft Rechtsanwalt Benjamin Düsberg der Vorsitzenden
Richterin im Gerichtsaal vor. „Aber sie scheren sich keinen Deut um die
Rechte der Angeklagten.“ Daraufhin gibt es lauten Applaus aus dem Publikum,
das zum überwältigenden Großteil aus Unterstützer:innen der
Angeklagten besteht. Die Vorsitzende Richterin antwortet: „So, jetzt wird
der Saal geräumt.“
## Anträge per Fax am Freitagabend
Doch nicht nur Publikum und Verteidigung trugen zu dem schleppenden Ablauf
bei. Die Verhandlungsunterbrechungen waren jedes Mal deutlich länger als
geplant. Hintergrund ist auch, dass das Gericht der Verteidigung die
Sitzungsanträge erst am Freitagabend – per Fax – zugesendet hat. Zu dieser
Zeit waren die Kanzleien der Verteidiger:innen jedoch nicht mehr
besetzt. So musste auch dafür spontan mehr Zeit eingeräumt werden. Für zwei
Angeklagte aus Irland und England gab es zudem nur eine Dolmetscherin.
Nachdem schlißelich am Montag um 16.20 Uhr nach der Räumung des Saals die
Verhandlung fortgesetzt wird, ist aus der über [4][100 Seiten umfassenden
Anklageschrift] noch immer kein Wort verlesen worden. Die Vorsitzende
Richterin verweist darauf, dass es offensichtlich noch großen
Besprechungsbedarf gebe und beendet den Verhandlungstag. Am 20. Mai soll es
den nächsten Versuch geben.
12 May 2026
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## AUTOREN
(DIR) Minh Schredle
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