# taz.de -- Rechtsruck in Großbritannien: Der lange Schatten von Farage
> Reform UK wächst zur ernsthaften Macht heran. Wenn Labour und andere
> progressive Kräfte weiter gegeneinander arbeiten, profitiert vor allem
> Parteichef Nigel Farage.
(IMG) Bild: Nigel Farage dringt mit einfachen Botschaften aktuell durch
Bei den Wahlen am Donnerstag profilierte sich der 62-jährige
[1][Brexit-Papst Nigel Farage mit seiner Partei Reform UK so stark wie noch
nie]. Seine Ambition, bald Premierminister zu werden, wird damit immer
realistischer. Aus Sicht der EU würde Farage nahezu alle Bande mit dem
Staatenbund zerreißen. Aber auch aus der Perspektive eines Großbritanniens,
das bisher eher seine Pluralität und Offenheit feierte und selbst unter den
Tories zu einem Sozialstaat mit nationalem Gesundheitssystem sowie der
Einhaltung internationaler Abkommen und Konventionen stand, stellt dies
eine große Gefahr dar, die einen neuen Fokus in der britischen Politik
erfordert.
Die Hoffnung ist, dass von Reform UK dominierte Gemeinde- und Landräte ihre
Aufgabe schlecht machen und das Wohlwollen für Farage und seine Partei, wie
schon in der Vergangenheit, von selbst verschwindet. Dafür gibt es in
einigen Verwaltungseinheiten, in denen Reform UK bei den Kommunalwahlen
2024 erfolgreich war, bereits Anzeichen. Doch das ist keine Garantie.
Sollte dies nicht gelingen, müssen andere Wege gefunden werden, Reform UK
den Marsch in die Downing Street zu verwehren. Labour muss dringend die
versprochenen deutlichen Veränderungen und Verbesserungen auf den Tisch
legen. Die Partei muss dies mit ihrem [2][Premierminister Starmer] tun,
denn die Suche nach einem neuen Chef würde zu einem Chaos führen, das nur
Farage dienlich wäre.
Der [3][Erfolg anderer Parteien, unter anderem der Grünen], bereitet eine
Ablösung des viel zu selbstverständlich gewordenen parteilichen Duopols von
Labour und den Tories in England vor. Eine Entwicklung, die in Wales und
Schottland mit dem Erstarken der nationalistischen Parteien schon längst
stattgefunden hat. Andererseits können die beiden keltischen Landesteile
kaum auf eigenen Füßen stehen, weswegen die Unabhängigkeit auch nicht im
Mittelpunkt der Programme der Wahlsieger von Plaid Cymru und SNP stand.
Gerade ein anhaltender Zuspruch für Farage in englischen Wahlbezirken
könnte aber zur weiteren Spaltung des Vereinigten Königreichs führen.
Linke Parteien müssen sich untereinander einig werden, wer wo die beste
Option gegen Reform UK darstellt. Das britische Mehrheitswahlsystem zwingt
Wähler:innen dazu, nicht die eigenen Lieblinge zu wählen, sondern jene,
die am ehesten der schlechtesten Option den Weg versperren. Ein Kampf
verschiedener linker Parteien gegeneinander würde Reform UK nur beflügeln.
Somit kann die britische Parteienvielfalt nur unter Berücksichtigung dieser
Realität willkommen geheißen werden. Ab sofort heißt es: Verbündet euch
gegen Farage!
9 May 2026
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