# taz.de -- Superwahltag in Großbritannien: Große Zugewinne für Nigel Farages Rechtspopulisten
       
       > Bei den Kommunalwahlen in England räumt „Reform UK“ ab, die Labour-Partei
       > erleidet schwere Verluste. Premier Starmer stemmt sich gegen seinen
       > Rücktritt.
       
 (IMG) Bild: So isser: Der Vorsitzende der britischen Reform-Partei Nigel Farage bei der Stimmabgabe
       
       dpa | Massiver Druck auf den britischen Premierminister Keir Starmer: Seine
       [1][regierende Labour-Partei] hat bei der als Stimmungstest geltenden
       Kommunalwahl in England ersten Ergebnissen zufolge schwere Verluste
       erlitten. Die Rechtsaußen-Partei „Reform UK“ von Nigel Farage konnte
       hingegen deutliche Gewinne verbuchen. Die Ergebnisse dürften die
       Rücktrittsforderungen gegen Starmer befeuern, der aber als Regierungschef
       weitermachen will.
       
       Britische Medien spekulierten erneut [2][über eine mögliche Ablösung des
       Regierungschefs durch seine Partei]. Starmer sagte in einer ersten
       Reaktion, er übernehme die Verantwortung für die „harten Ergebnisse“. Er
       fügte jedoch hinzu: „Tage wie diese ändern nichts an meiner
       Entschlossenheit, den Wandel herbeizuführen, den ich versprochen habe.“
       
       Ersten Ergebnissen zufolge hat Labour unter anderem in Arbeitervierteln im
       Norden Englands schwere Verluste erlitten. Dagegen gewann die
       rechtspopulistische [3][Reform-Partei] des Brexit-Vorkämpfers Nigel Farage
       Hunderte Gemeinderatsmandate. In Newcastle under Lyme in den Midlands
       errang Reform UK sogar die absolute Mehrheit in einem Bezirksrat.
       
       Auch die Grünen hoffen auf Stimmengewinne und Hunderte von Ratssitzen in
       Ballungszentren und Universitätsstädten, was zulasten von Labour gehen
       dürfte. Die oppositionelle Konservative Partei büßte dagegen etwa 160
       Mandate ein und verliert an Boden, während die Liberaldemokraten mit
       leichten Stimmengewinnen rechnen konnten.
       
       ## In Schottland und Wales droht Labour Absturz auf Platz drei
       
       Farage von der migrationsfeindlichen Partei Reform UK sagte, die Wahlen
       hätten einen „wirklich historischen Wandel in der britischen Politik“
       gezeigt. „Wir sind hier, um zu bleiben.“ Bisher waren in England zwei
       Parteien vorherrschend, die linksgerichtete Labour und die konservativen
       Tories.
       
       In Wales könnte Labour zum ersten Mal seit der Gründung des dortigen
       Regionalparlaments vor 27 Jahren die Kontrolle über das Abgeordnetenhaus
       verlieren. Die Meinungsforscher des Instituts YouGov rechnen in Wales mit
       einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Reform UK und der Mitte-links-Partei
       Plaid Cymru, welche die Unabhängigkeit von Wales anstrebt. Auch in
       Schottland befürchtet die britische Regierungspartei ein demütigendes
       Ergebnis bei der Wahl des Regionalparlaments. Dort lag in den Umfragen die
       Scottish National Party in Führung, die sich für die Unabhängigkeit des
       Landesteils einsetzt.
       
       ## Rücktrittsforderungen werden lauter
       
       Starmer steht wegen der schwachen Wirtschaft und seines Urteilsvermögens in
       der Affäre um Ex-Botschafter Peter Mandelson in der Kritik. Seine Gegner
       betrachten die Wahlen als eine Art Referendum über den Premier. Eine
       schwere Niederlage für Labour könnte die Kritik an ihm so laut werden
       lassen, dass es zu einer Parteirevolte gegen den Premierminister kommt.
       
       Der Labour-Abgeordnete Jonathan Brash, der Hartlepool im Unterhaus
       vertritt, forderte bereits Starmers Rückzug. „Ich denke nicht, dass Keir
       Starmer diese Ergebnisse überleben sollte“, sagte er. „Wir müssen mutiger
       sein, und wir müssen weiter gehen. Und offen gesagt, wir brauchen eine neue
       Führung, um das zu erreichen.“
       
       Starmer ist mittlerweile einer der unbeliebtesten Premierminister aller
       Zeiten. Ihm ist es bislang nicht gelungen, die Wirtschaft anzukurbeln und
       den Anstieg der Lebensmittelpreise zu stoppen. Zuletzt belastete die
       Epstein-Affäre um das langjährige Labour-Schwergewicht Peter Mandelson den
       Premier zusätzlich. Starmer hatte den Parteifreund zum Botschafter in
       Washington ernannt – trotz dessen Verbindungen zum 2019 im Gefängnis
       gestorbenen US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein.
       
       ## Gerüchte um Starmer-Nachfolge
       
       Starmer war im Sommer 2024 in die Downing Street 10 eingezogen und hatte
       damit die 14 Jahre währende konservative Regierungszeit in Großbritannien
       beendet. Umfragen hatten zuletzt ein düsteres Bild für Starmer gezeichnet.
       
       In den britischen Medien kursierten schon vor den Wahlen Gerüchte, dass die
       ehemalige Vizepremierministerin Angela Rayner oder Gesundheitsminister Wes
       Streeting versuchen könnten, Starmer zu beerben. Auch der Bürgermeister von
       Greater Manchester, Andy Burnham, gilt als ein möglicher Nachfolger.
       
       Die Times hatte am Donnerstag berichtet, dass Energieminister Ed Miliband
       den Premierminister hinter verschlossenen Türen dazu gedrängt habe, einen
       Zeitplan für seinen Rücktritt nach den Wahlen aufzustellen.
       
       ## Kabinettsumbildung als Ausweg
       
       Vize-Premierminister David Lammy betonte am Freitag jedoch, dass ein
       Führungswechsel ein Fehler sei. „Man wechselt nicht den Piloten während des
       Fluges, man macht weiter“, sagte er im BBC-Radio. Er räumte ein, dass es
       „viel Frustration“ gebe, aber „manchmal werden unsere Fehler stärker
       wahrgenommen als unsere Erfolge“.
       
       Starmer will die Partei in die nächste Parlamentswahl führen, die
       voraussichtlich 2029 stattfinden wird. Daneben wird auch über eine
       Kabinettsumbildung spekuliert, um die Regierung zu stärken.
       
       8 May 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Britischer-Premier-unter-Druck/!6170826
 (DIR) [2] /Labour-Partei-in-Grossbritannien/!6110171
 (DIR) [3] /Ruecktritt-bei-Reform-UK-/!6092528
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Wahlen in Großbritannien
 (DIR) Großbritannien
 (DIR) Nigel Farage
 (DIR) Keir Starmer
 (DIR) Labour Party
 (DIR) Social-Auswahl
 (DIR) Keir Starmer
 (DIR) Wahlen in Großbritannien
 (DIR) Reden wir darüber
 (DIR) Wahlen in Großbritannien
 (DIR) Großbritannien
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Rechtsruck in Großbritannien: Der lange Schatten von Farage
       
       Reform UK wächst zur ernsthaften Macht heran. Wenn Labour und andere
       progressive Kräfte weiter gegeneinander arbeiten, profitiert vor allem
       Parteichef Nigel Farage.
       
 (DIR) Kommunalwahlen in Großbritannien: Derbe Niederlage für Labour und Starmer
       
       Die Regierungspartei verliert bei den englischen Kommunalwahlen Hunderte
       Sitze und in Wales die Regierungsmehrheit. Reform UK legt stark zu. Erste
       Labour-Parlamentarier fordern den Rücktritt des Premiers.
       
 (DIR) Regionalwahlen in Großbritannien: Das althergebrachte Parteiensystem geht unter
       
       Bei den Regionalwahlen in Großbritannien dürfte Labour seine größte
       Niederlage einfahren. Warum das nicht nur für die Partei, sondern sogar für
       Europa gefährlich ist.
       
 (DIR) Kommunalwahlen in Großbritannien: London Calling What?
       
       In London wählt die Jugend grün, die Alten rechts. So klar ist das Bild
       dann doch nicht. Ein Bezirksbesuch im linken Hackney und im konservativen
       Bromley.
       
 (DIR) Regionalwahlen in Wales: Labour-Dämmerung unter den schwarzen Hügeln
       
       Wales ist eine historische Hochburg der britischen Labour-Partei – aber das
       dürfte jetzt zu Ende gehen. Geht der Trend Richtung Eigenständigkeit?