# taz.de -- Korruptionsvorwürfe gegen Nigel Farage: Steht der Reform-UK-Chef vor dem Absturz?
> Nigel Farage soll hohe Zahlungen aus verschiedenen Quellen angenommen
> haben. Daran sei nichts politisch, alles nur privat von Freunden, sagt
> er.
(IMG) Bild: Imageverlust derzeit noch unklar: Nigel Farage bei einer Veranstaltung Ende Juni in London
Offiziell hätte er nichts falsch gemacht, alles, worüber man spreche, seien
persönliche Geldgeschenke von Freunden für seinen persönlichen Gebrauch
gewesen, bevor er Unterhausabgeordneter des südostenglischen Wahlkreises
Clacton wurde. Ungefähr das hat der [1][Parteichef der britischen rechten
Partei Reform UK, Nigel Farage], in den letzten Tagen immer und immer
wieder wiederholt.
Seit dem 13. Mai läuft bei der Überprüfungsstelle für parlamentarische
Standards, einer Einrichtung des britischen Parlaments, eine Untersuchung
gegen den bekannten Brexitverfechter, ausgerechnet in der Zeit des [2][10.
Jahrestags] des Referendum-Jubiläums.
Untersucht wird bisher, ob ein Betrag in Höhe von umgerechnet 5,85
Millionen Euro, die Farage vom in Thailand lebenden Kryptowährungsmillionär
Christopher Harborne Anfang 2024 erhalten hatte, dem Parlament gegenüber
hätte deklariert werden müssen. Laut Farage war es das persönliche Geschenk
eines Freundes in Anerkennung für seinen historischen Brexit-Einsatz. Er
habe das Geld für seine persönliche Sicherheit verwendet.
Laut den Parlamentsstandards müssen Abgeordnete alle finanziellen
Interessen und Vergütungen aus dem Jahr vor Eintritt ins Unterhaus
offenlegen, mit Ausnahme von Geschenken von Familie und Freunden für
persönliche Zwecke. Genau Letzteres behauptet Farage – ob dem so ist, wird
nun geprüft.
## Hohe Internetwetten in Kryptowährung
Doch am Sonntag verdoppelten sich Farages Probleme. Ein Exposé des
investigativen Teams der britischen Zeitung Sunday Times berichtet von
Beträgen, die Farage vom 32 Jahre alten Aristokraten George Cottrell
erhalten haben soll. Der ist seit dem Brexit-Referendum ein enger
Vertrauter Farages und fast überall mit dabei. Cottrells Mutter war kurz
die Freundin des heutigen Königs Charles, sein Vater Mark besuchte das
schottische Internat Gordonstoun gemeinsam mit dem Königsbruder Andrew.
Cottrell experimentierte laut Sunday Times mit Kryptowährung und dem
Darknet und verspielt oft Summen in Wetten. Bei einem gemeinsamen Besuch
einer Trump-Wahlveranstaltung mit Farage in den USA wurde Corttell im Juli
2016 von den dortigen Behörden festgenommen und von einem Gericht 2017
wegen Geldwäsche für den Drogenhandel verurteilt.
Aufgrund eines Deals mit der Staatsanwaltschaft wurde jedoch der Umfang
seiner Strafe im Gegenzug zu einem Schuldeingeständnis auf nur acht Monate
verkürzt. Nach seiner Freilassung soll Cottrell laut Sunday Times mit der
Offshore-Wettplattform Tether.bet verbunden gewesen sein. Bei dem
Unternehmen wiederum soll auch Christopher Harborne einige Anteile haben.
Cottrell behauptet, er sei lediglich Kunde der Plattform gewesen.
Die Sunday Times behauptet, dass Farage von Cottrell kostenlose Dienste
erhalten haben soll, darunter auch die Unterkunft in einem Haus Cortells in
London in den zwölf Monaten, bevor Farage Unterhausabgeordneter wurde. Dazu
hatte Farage gegenüber dem Parlament keinerlei Angaben gemacht.
Farages Angaben nach sei er zu diesem Zeitpunkt kein politischer Vertreter
eines Wahlkreises gewesen und die Dienste eines Freundes hätten ihm
persönlich und zu nicht politischen Zwecken gegolten. Nur zwei von Cottrell
gesponserte Reisen im Wert von knapp 30.000 Euro wurden deklariert.
Sollte die Überprüfungsstelle nach Abschluss ihrer Untersuchungen anderer
Meinung sein, könnte Farage strafsuspendiert werden, was wiederum zu einer
Nachwahl führen könnte. Ob und wie stark die Affären Farages Image als
Anwalt der kleinen Leute gegen die Finanz- und Regierungseliten schaden,
dürfte sich zuerst bei der Manchester Bürgermeisterwahl am 30. Juli zeigen.
Noch liegt Farages Partei in den Meinungsumfragen knapp vorne.
5 Jul 2026
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