# taz.de -- Streit zwischen Trump und Leo XIV.: Der Papst bleibt stabil
       
       > US-Außenminister Marco Rubio besucht Papst Leo XIV., um im Streit mit
       > Präsident Donald Trump die Wogen zu glätten. Der Abschluss ist frostig.
       
 (IMG) Bild: Frostiger Besuch: US-Außenminister Marco Rubio bei seiner Ankunft in der Privatbibliothek des Papstes
       
       Wenigstens eines hatten Papst Leo XIV. und US-Außenminister Marco Rubio
       nach ihrem Gespräch am Donnerstag im Vatikan gemein: Beide schauten
       freudlos, ja verkniffen fürs offizielle Foto in die Kamera, ohne auch nur
       den leisesten Hauch eines Lächelns. Dabei hatte es im Vorfeld in
       zahlreichen Medien geheißen, die Begegnung diene vor allem dazu, die
       [1][Wogen zwischen Donald Trump und Leo] zu glätten.
       
       Dafür, dass diese Wogen sich auftürmten, hat Trump in den letzten Wochen
       mit seiner wie üblich schnörkellosen Kommunikation gesorgt. Losgelegt hatte
       er im April mit einem Post auf seiner Haus-Plattform Truth Social mit dem
       Vorwurf an den Papst, der sei „schwach an der Front der Kriminalität“ und
       „äußerst schlecht auf dem Feld der Außenpolitik“. Kurz darauf legte er
       nach: „Papst Leo hat irrige Dinge gesagt. Er war sehr konträr dem
       gegenüber, was ich gerade gegenüber Iran tue, und man kann keinen Iran mit
       Atomwaffen hinnehmen.“
       
       Schon deshalb könne er, Trump, sich beim Papst für seinen Post nicht
       entschuldigen. Damit war der erste Punkt des von Trump angezettelten Krachs
       benannt: Iran. Hinzu kommt ein weiterer Feldzug, der der US-Administration
       gegen die irregulären Immigrant*innen, gegen die „vielen Kriminellen, denen
       gestattet wurde, in unser Land zu kommen“. Jetzt aber gelte wieder „Recht
       und Ordnung, und er [der Papst] schien damit ein Problem zu haben“.
       
       Dann behauptete Trump auch noch, der US-Bürger Robert Francis Prevost müsse
       „mir dankbar sein, wäre ich nicht im Weißen Haus, dann wäre Leo nicht im
       Vatikan“. Vor akkurat einem Jahr übrigens zum Papst gewählt, ganz so, als
       habe die katholische Weltkirche sich höflich vor dem US-Präsidenten
       verneigen wollen. Und als wäre das noch nicht genug, legte The Donald mit
       einem [2][Social-Media-Meme nach, das ihn selbst jesusgleich zeigte], wie
       er einen siechen Mann per Handauflegen heilt. Der Post löste weltweit auch
       in konservativ-katholischen Kreisen Empörung aus und war schnell wieder
       gelöscht.
       
       ## Haben sich nicht viel zu sagen
       
       „Höflich, aber bestimmt“ würde man wohl den Ton nennen, in dem Papst
       Prevost auf die Trump-Breitseiten antwortete. „Ich bin kein Politiker, ich
       spreche vom Evangelium und ich werde weiter das Wort gegen den Krieg
       erheben“, erklärte er im April und fügte hinzu, er habe „keine Angst“ vor
       Trump und er habe auch „keine Absicht, mit ihm in eine Debatte
       einzutreten“. Ganz nebenher warf er dem US-Präsidenten vor, „das Evangelium
       zu missbrauchen“.
       
       Wogen zu glätten gab es also reichlich, doch noch am Vorabend der
       Rubio-Reise teilte Trump erneut aus, mit den Worten, „ob es dem Papst
       gefällt oder nicht, Iran darf keine Atomwaffen besitzen“. Prevost aber
       macht einfach weiter, beginnend bei der Feststellung, er lasse sich gern
       kritisieren, aber nur „auf Grundlage der Wahrheit“ – schlicht, weil er
       iranischen Atomwaffen nie das Wort geredet hatte.
       
       Und auch auf dem Feld der Immigration zeigte Leo Trump die kalte Schulter.
       Gerade erst ernannte er mit Evelio Menjivar-Ayala ausgerechnet einen Mann,
       der im Jahr 1990 im Kofferraum eines Autos „illegal“ in die USA eingereist
       war, zum Bischof einer US-Diözese.
       
       Und wer Hoffnungen hegte, der US-Papst könne doch zum 250. Jubiläum der USA
       am 4. Juli in seine Heimat reisen, sieht sich enttäuscht: Jenen Tag wird
       der Heilige Vater ausgerechnet auf [3][Lampedusa] verbringen, einem der
       Immigrations-Hotspots Italiens und Europas.
       
       Genug Gesprächsstoff hatten Prevost und Rubio also allemal, von Iran über
       die Migrant*innen bis zu [4][Kuba], einer Insel, die dem aus einer
       exilkubanischen Familie stammenden, katholischen US-Außenminister besonders
       am Herzen liegt.
       
       Doch am Ende fiel das Kommuniqué des US-Außenministeriums äußerst dürr aus.
       „Die Begegnung hat die soliden Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten
       und dem Heiligen Stuhl sowie ihren gemeinsamen Einsatz zur Förderung des
       Friedens und der Menschenwürde unterstrichen“, heißt es dort nur. Mit
       anderen Worten: Die beiden hatten viel zu bereden – am Ende aber einander
       nicht viel zu sagen.
       
       7 May 2026
       
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