# taz.de -- Papst-Rede in Spanien: Standing Ovations für den Papst
       
       > Leo XIV. hat im spanischen Parlament vor einer wachsenden Militarisierung
       > und KI in Waffensystemen gewarnt. Auch in Richtung Europa hat er klare
       > Worte gefunden.
       
 (IMG) Bild: Standing Ovations für den Papst nach der Rede von Leo XIV. im spanischen Parlament
       
       Papst Leo XIV. hat im spanischen Parlament vor einer zunehmenden
       Militarisierung und dem [1][Einsatz künstlicher Intelligenz in
       Waffensystemen gewarnt.] Es sei „besorgniserregend, dass sich an
       verschiedenen Orten der Welt, auch in Europa, die Aufrüstung erneut als
       fast unvermeidliche Antwort auf die Instabilität der internationalen Lage
       darstellt“, sagte der Papst am dritten Tag seines Spanien-Besuchs.
       
       Die Welt befinde sich in einer „tiefen geistigen und kulturellen Krise“,
       die sich in Gewalt, Polarisierung und gegenseitigem Misstrauen äußere. Das
       Oberhaupt von 1,4 Milliarden Katholiken forderte deshalb mehr Orientierung
       an Diplomatie und Völkerrecht. Aufrüstung und Kriege seien keine Lösung.
       
       Wahre Sicherheit entstehe durch Gerechtigkeit, Dialog, die Achtung des
       Völkerrechts und eine Politik, die das Wohl der Menschen über
       Kriegsinteressen stelle, sagte der 70 Jahre alte US-Amerikaner. [2][Mit
       Blick auf die militärische Nutzung künstlicher Intelligenz betonte er,
       Entscheidungen über Leben und Tod dürften niemals automatisierten Systemen
       überlassen werden.]
       
       ## Papst fordert humane Migrationspolitik
       
       Mit Verweis auf seine jüngst veröffentlichte Enzyklika „Magnifica
       humanitas“ betonte Leo, technologische Entwicklung sei niemals neutral. Sie
       nehme „die Züge derjenigen an, die sie konzipieren, finanzieren, regulieren
       und nutzen“. Entscheidend sei, welchen Platz der Mensch in politischen und
       wirtschaftlichen Entscheidungen einnehme.
       
       Leo sprach auch die „tragische Migrationskrise“ an. Die Situation von
       Migranten und Flüchtlingen erfordere eine Politik, die den Menschen in den
       Mittelpunkt stelle und Fluchtursachen bekämpfe. Diskriminierung aufgrund
       von Herkunft, Religion, Sprache oder sozialer Lage verletze den Grundsatz
       der gleichen Würde aller Menschen.
       
       Das Thema sei keine bloße demografische oder wirtschaftliche Frage, sondern
       vor allem eine moralische und rechtliche Herausforderung für die
       internationale Gemeinschaft. Der Papst forderte sichere und legale
       Zugangswege sowie eine stärkere Bekämpfung der Fluchtursachen. Zum
       Abschluss seines Spanien-Besuchs will er auf den Kanarischen Inseln
       Migranten treffen.
       
       ## Minutenlange Standing Ovations
       
       Zudem warnte Leo vor gesellschaftlicher Polarisierung und rief zu mehr
       Respekt im politischen Diskurs auf. Unterschiede dürften nicht zur
       Abwertung politischer Gegner führen, sondern müssten demokratisch
       ausgehandelt werden.
       
       Nach der Rede erhielt der Papst minutenlangen Applaus, begleitet von
       „Bravo“- und „Viva“-Rufen. Die Standing Ovations hätten laut Medien sieben
       Minuten gedauert. Kommentatoren des Senders RTVE und weiterer Medien
       bezeichneten den Auftritt als „historisch“ und verwiesen auf die erste Rede
       eines Papstes im spanischen Parlament. Zudem habe Leo gezeigt, dass er den
       Kurs seines Vorgängers Franziskus fortsetzen wolle und klare Worte zu den
       drängendsten Problemen der Gegenwart finde, hieß es.
       
       ## Missbrauch in der Kirche soll entschlossener bekämpft werden
       
       Nach dem Auftritt im Kongress [3][verurteilte der Papst Leo XIV. die
       zahlreichen Fälle von sexuellem Missbrauch] in der katholischen Kirche bei
       einem Treffen mit spanischen Bischöfen als „Plage“. Er forderte mehr
       Entschlossenheit bei der Bekämpfung dessen, was er auf dem Flug nach Madrid
       bereits als „offene Wunde“ der Kirche bezeichnet hatte. Anschließend traf
       er in der Apostolischen Nuntiatur in Madrid sechs Missbrauchsopfer zu einem
       einstündigen Gespräch. Dabei habe er den Betroffenen mit „Zuneigung und
       Aufmerksamkeit“ zugehört und ihnen „seine Nähe sowie die der gesamten
       kirchlichen Gemeinschaft“ zugesichert, teilte das Presseamt des Vatikans
       mit.
       
       Zum Abschluss des letzten Tages nahm Leo an einem Großtreffen der Kirche
       von Madrid im Fußballstadion Santiago Bernabéu teil. Nach Angaben der
       Organisatoren kamen dort mehr als 70.000 Gläubige aus Pfarreien,
       kirchlichen Bewegungen und religiösen Einrichtungen der Region zusammen. Es
       gab Gebete, Glaubenszeugnisse, eine Präsentation religiöser Figuren der
       Region und viel Musik. Der Papst war sichtlich gut gelaunt und rief
       lächelnd: „Heute hat die Kirche von Madrid ein Traumtor für die Ewigkeit
       geschossen.“ Am Dienstag fliegt er nach Barcelona, der zweiten Station
       seines Spanien-Aufenthalts. (dpa)
       
       9 Jun 2026
       
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