# taz.de -- Leo XIV. im Streit mit Trump: Der Antiimp-Papst
       
       > Trump regt sich über den Papst auf, dabei ist der doch US-Amerikaner. Und
       > etwa auch ein radikaler Linker, gegen imperialistischen Krieg und
       > Präpotenz?
       
 (IMG) Bild: ER ist Papst: Ein KI-generiertes Bild des US-Präsidenten, veröffentlicht im letzten Jahr auf seinem Kanal Truth Social
       
       Ich hätte nicht gedacht, dass ich das mal schreibe – als überzeugte
       Ex-Katholikin. Aber kaum jemand hat derzeit ein stabileres Twitter-Game als
       der Papst. [1][Leo XIV.] haut dieser Tage einen Banger nach dem anderen
       raus. Donald Trump und seine MAGA-Anhängerschaft hassen den Pontifex dafür,
       Internet-Linksradikale feiern ihn, als wäre er der neue Lenin. Und ich
       frage mich: Darf ich als Linke jetzt wirklich den Papst gut finden? Sollte
       ich meinen – lange! – überfälligen Kirchenaustritt vielleicht doch noch ein
       paar Jahre verschieben?
       
       An Gründonnerstag schrieb der Papst: „Die imperialistische Besatzung wird
       von innen heraus unterbrochen. Die Gewalt, die bis heute Gesetz ist, wird
       entlarvt.“ Auf X zirkulierte daraufhin ein Meme, auf dem der Papst Lenins
       Was tun? gen Himmel streckt – jenes Werk, in dem der russische Revolutionär
       postuliert, der Kampf gegen Imperialismus und Kapitalismus müsse stets im
       eigenen Land geführt werden.
       
       Auch das Thema Armut will Leo ganz in linker Tradition bei der Wurzel
       packen. Diese Wurzel globaler Ungleichheit seien nicht fehlende Ressourcen,
       so der Papst auf X, sondern die ungleiche Verteilung von Vermögen. „Der
       Papst sagt, die Produktivkräfte sind entwickelt, aber die
       Produktionsverhältnisse sind noch nicht nachgezogen – wir sind bereit für
       den Sozialismus“, interpretierte die deutsche Marxistin Bafta Sarbo die
       Worte des Kirchenoberhaupts.
       
       ## Irgendwo muss man ja anfangen
       
       Na ja gut, mit ein bisschen Umverteilung hätten wir noch keinen Sozialismus
       erreicht. [2][Aber irgendwo muss man ja anfangen.]
       
       In Fragen von Krieg und Frieden vertritt Papst Leo XIV. ebenfalls
       deutlichere Positionen als so manche „linke“ Partei – und scheut offenbar
       auch den Konflikt mit den Mächtigen nicht. Innerhalb weniger Minuten schoss
       er am Samstag gleich zweimal gegen Trumps Kriegspolitik, indirekt, aber
       unmissverständlich: „Gott segnet keine Kriege. Wer ein Jünger Christi ist,
       steht niemals auf der Seite derer, die gestern das Schwert ergriffen haben
       und heute Bomben abwerfen.“ Ein klarer Seitenhieb gegen den US-Präsidenten,
       der immer wieder behauptet, in Gottes Gnade zu handeln.
       
       Trump fühlte sich offenbar angesprochen. Auf Truth Social folgten zunächst
       verbale Attacken, anschließend ein KI-generiertes Bild, das ihn selbst als
       Jesus zeigt, der einen Kranken segnet – im Hintergrund: US-Flagge,
       Kampfjets und Engel in Kampfmontur.
       
       Natürlich: Ein paar pointierte Posts verwandeln die katholische Kirche noch
       lange nicht in eine revolutionäre Kraft. Die Institution bleibt [3][geprägt
       von Machtmissbrauch, Misogynie] und einem über Jahrhunderte angehorteten
       Reichtum. Wer in ihr eine verlässliche Verbündete im Kampf gegen Faschismus
       und Imperialismus sucht, dürfte am Ende ähnlich enttäuscht werden wie vom
       Staat.
       
       Aber bis dahin können sich Linke zumindest aus strategischer Sicht darüber
       freuen, wenn der Papst unter seiner Millionen-Followerschaft linke
       Talking-Points normalisiert.
       
       Mein Austritt aus der Kirche bleibt trotzdem überfällig. Davon hält mich
       allein meine irrationale Angst vor Behördengängen ab.
       
       13 Apr 2026
       
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