# taz.de -- Kritik an Reiches Heizungsgesetz-Reform: Klimaschädlich – und teuer für Mieter
       
       > Wirtschaftsministerin Reiches Heizungsgesetz-Reform begrabe Klimaziele im
       > Gebäudesektor, so Umweltschützer. Mieter müssten für Biomethan mehr
       > zahlen.
       
 (IMG) Bild: Teure Produktion: Mais für eine Biogasanlage
       
       Umweltschützer haben Wirtschaftsministerin Katherina Reiches (CDU) Vorlage
       für eine Reform des [1][Heizungsgesetzes] scharf kritisiert. „Der
       Referentenentwurf begräbt die Klimaziele im Gebäudesektor“, sagt Mira
       Jäger, Energieexpertin von Greenpeace, der taz am Mittwoch. Zudem blende er
       „erhebliche wirtschaftliche Risiken für Verbraucher:innen aus“, so der
       WWF Deutschland. Der Bund für Umwelt und Naturschutz sieht ihn als
       „klimapolitische Bankrotterklärung“.
       
       Der Entwurf würde vor allem die Vorgabe aus dem aktuellen Gesetz streichen,
       dass bei neuen Heizungen in der Regel mindestens 65 Prozent erneuerbare
       Energien eingesetzt werden müssen. Diese Klausel können meist nur
       Wärmepumpen erfüllen. Die nun weiterhin erlaubten Öl- und Gasheizungen
       müssen aber ab Januar 2029 mindestens 10 Prozent der Wärme mit
       klimafreundlicheren Brennstoffen wie Biomethan, Bioöl oder Wasserstoff etwa
       aus Ökostrom erzeugen. Ab 2030 soll der Anteil mindestens 15 Prozent, ab
       2035 mindestens 30 Prozent und ab 2040 mindestens 60 Prozent betragen.
       
       Selbst wenn man wie Reiches Ministerium „Bio“-Brennstoffe aus Pflanzen für
       „kohlendioxidneutral“ hält, könnte also auch ab 2040 zu 40 Prozent mit
       klimaschädlichen, fossilen Energieträgern wie Erdgas geheizt werden. Dabei
       hat Deutschland sich das Ziel gesetzt, ab 2045 klimaneutral zu
       wirtschaften. Dieses Datum verschweigt der Referentenentwurf, bekräftigt
       aber, die Klimaschutzziele würden gelten. Ein klimaneutraler Gebäudebestand
       bleibe ein leeres Versprechen, „wenn die Bundesregierung gleichzeitig die
       Leitplanken entfernt“, sagte dazu Jörg-Andreas Krüger, Präsident des
       Naturschutzbunds (Nabu).
       
       Für die Umweltverbände ist aber nicht die Lösung, 100 Prozent
       „Bio“-Brennstoffe vorzuschreiben. Denn Greenpeace-Expertin Jäger betont:
       „Diese Brennstoffe sind nicht klimaneutral.“ Zum Beispiel die
       [2][Umwandlung des Grundstoffes Biogas in Biomethan], das in Gasnetze
       eingespeist werden kann, koste Energie. Biogas wird meist aus Mais
       gewonnen, dessen Anbau laut Nabu ebenfalls beträchtliche Emissionen
       verursacht. Jäger ergänzt, dass klimaschädliches Methan bei Transporten
       ungenutzt in die Atmosphäre entweiche.
       
       ## Zu wenig Äcker für Energiepflanzen
       
       Die Umweltschützer sehen ebenfalls Risiken für die Biodiversität, wenn
       immer mehr Raps und Mais für die Energiegewinnung angebaut werden. „Wir
       haben auch gar nicht die Flächen, um das alles zu produzieren, ohne dann in
       krasse Konkurrenz auf den Flächen zum Beispiel zur Nahrungsmittelproduktion
       zu kommen“, so die Greenpeace-Mitarbeiterin.
       
       „Wer heute auf Biomethan setzt, weil das Gesetz es als sichere Option
       verkauft, kann morgen in einer Kostenfalle sitzen – [3][als
       Eigentümer:in genauso wie als Mieter:in]“, warnt der WWF. „Der
       Entwurf verschweigt systematisch, was steigende Biomethanpreise und
       mangelnde Verfügbarkeit für Millionen Haushalte bedeuten.“
       
       Schon heute ist Biomethan teuer: Nach Berechnungen des Vergleichsportals
       Verivox kosten Tarife mit mindestens 10 Prozent Biogasanteil derzeit rund
       1,05 Cent je Kilowattstunde mehr als Erdgas. Für eine Familie im
       Einfamilienhaus mit einem Gasverbrauch von 20.000 Kilowattstunden fielen
       Mehrkosten von rund 210 Euro pro Jahr an. Das entspreche einem Aufschlag
       von rund 10 Prozent auf die heutigen Gaskosten. Wenn der Bioanteil wie von
       Reiche geplant noch höher ist, würde er wohl noch teurer.
       
       Der Entwurf sieht zwar vor, dass die Vermieter die Mehrkosten der
       Biogas-Beimischung je zur Hälfte tragen. Aber in der Erläuterung steht,
       dass diese Verteilung „nur bis zu einem Anteil des biogenen Brennstoffs von
       maximal 30 Prozent am insgesamt verbrauchten Brennstoff greift“. Wenn dann
       ab 2040 mindestens 60 Prozent Biobrennstoff beigemischt werden muss, zahlt
       der Mieter also mehr als die Hälfte.
       
       ## Greenpeace: Wärmepumpe langfristig günstiger
       
       Auch deshalb plädiert Jäger weiter dafür, Wärmepumpen zu bevorzugen. Diese
       seien zwar teurer in der Anschaffung, aber durch die niedrigeren
       Verbrauchskosten am Ende doch günstiger.
       
       Das Wirtschaftsministerium zeigt sich von der Kritik unbeeindruckt. Sein
       Entwurf sorge dafür, „dass die Mieter vor überhöhten Nebenkosten infolge
       des Einbaus einer unwirtschaftlichen Heizung geschützt sind“, schreibt es
       in dem Entwurf. Das „Heizungsgesetz“ der Ampelkoalition habe „zu Konflikten
       geführt“ und sich als „zu komplex und wenig praktikabel“ erwiesen.
       
       Der Entwurf wird nun im Kabinett abgestimmt und geht dann ins Parlament.
       
       6 May 2026
       
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 (DIR) Jost Maurin
       
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