# taz.de -- Straße von Hormus: Warum Iran am meisten unter der Schließung leiden könnte
       
       > Die Mullahs scheinen mit der Schließung der Straße von Hormus einen
       > Trumpf zu haben. Doch das könnte ihr ökonomischer Sargnagel werden.
       
 (IMG) Bild: Irans Ölförderung muss mit veralteter Technik arbeiten. Das erhöht die Risiken eines Förderstopps an einzelnen Bohrlöchern
       
       Wieder Schüsse an der [1][Straße von Hormus]. Wenige Stunden war am Freitag
       die Durchfahrt durch die Meerenge zwar frei. Irans Außenminister Abbas
       Araghtschi hatte dies als Entgegenkommen für den Waffenstillstand zwischen
       Israel und der Hisbollah im Libanon verfügt. Zwei Dutzend Tanker und
       Containerschiffe machten sich auf zur Durchfahrt. Doch nicht einmal einen
       Tag später stoppten die iranischen Revolutionsgarden dieses Zugeständnis
       und verfügten eine erneute Schließung – da die USA ihrerseits die Blockade
       iranischer Häfen nicht aufgehoben hätten.
       
       Zwei Tanker, die trotzdem passieren wollten, wurden laut Agenturberichten
       von iranischen Kanonenbooten beschossen. Die anderen Schiffe drehten bei.
       Alles auf Halt. Nervenkrieg am Golf. Teheran hat nach Ansicht von immer
       mehr internationalen Geopolitik-Fachleuten mit der Kontrolle über den
       iranischen Abschnitt der Meerenge einen Trumpf in der Hand.
       
       Doch Milizen und Mullahs können ihn nicht lange ausspielen, wenn die USA
       weiter iranische Häfen abriegeln. Dann würden die iranischen Machthaber
       selbst zu einem der größten Opfer ihrer eigenen Politik, belegen Analysen.
       
       Denn nach Meinung des Botschafters der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE)
       in Berlin, Ahmed Alattar, könne Iran nur zehn Tage lang einen
       Ölexport-Stopp durchhalten. Sollte die US-Blockade, die iranische
       Ölausfuhren stoppt, „bis in den Mai hinein andauern, müsste die Fördermenge
       erheblich reduziert werden“, sagte auch Richard Bronze von der
       Consultingfirma Energy Aspects.
       
       ## Irans Öllager füllen sich bedenklich
       
       Die USA hatten am 13. April damit begonnen, den Schiffsverkehr in und aus
       den iranischen Häfen zu blockieren. Dadurch entfallen Ölexporte von 1,8 bis
       2 Millionen Barrel pro Tag an iranischem Rohöl. Chinesische Raffinerien
       nehmen etwa 90 Prozent der persischen Ölexporte ab. Seit Beginn der
       Blockade seien schon acht mit Iran in Verbindung stehende Öltanker
       abgefangen worden, berichtete das Wall Street Journal.
       
       Das Problem, das jetzt auf Iran zukommt: Ölspeicher im Land können laut
       Energy Aspects noch etwa 30 Millionen Barrel lagern. Wenn die Exporte
       gestoppt werden aufgrund der US-Blockade, hätte das Land also noch 16 Tage
       Zeit, bevor die Lagerkapazitäten erschöpft sind. Andere Öl-Fachleute geben
       dem Land ein paar Tage mehr.
       
       [2][Iran hat daher ein großes Interesse, Ölproduktion und -ausfuhr
       aufrechtzuerhalten]. Denn die Ölfelder des Landes sind deutlich älter als
       die in den Nachbarländern: Mehr als 70 Prozent sind länger als 50 Jahre im
       Betrieb, einige sogar seit den 1940er Jahren. Ihr Druck – also die
       Förderfähigkeit – ist deutlich abgefallen. In den VAE sind nur 30 Prozent
       der Ölvorkommen über 50 Jahre lang ausgebeutet worden. Iranische Ölanlagen
       sind nach Analystenberichten auch technisch deutlich veraltet, da sie wegen
       langjähriger Sanktionen kaum modernisiert werden konnten.
       
       In der Folge bräuchte Irans Staatsölkonzern NIOC „drei bis vier Jahre, um
       die Förderung wieder hochzufahren“, sagte Alattar. Saudi-Arabien und die
       VAE bräuchten dafür laut unabhängiger Analysebüros nur einige Wochen bis
       Monate, falls die Ölförderung einzelner Bohrlöcher auf Tage oder Wochen
       heruntergefahren werden muss.
       
       ## VAE-Botschafter sieht Iran mit dem Rücken zur Wand
       
       In Iran besteht sogar die Gefahr, aufgrund des Alters der Felder und der
       Technik den Förderdruck gar nicht mehr aufbauen zu können – also ohne
       vollkommen neue, moderne, westliche Fördervorrichtungen die Ölproduktion
       gar nicht mehr wieder anfahren zu können.
       
       Das setze Teheran erheblich unter Druck, betont Alattar. Das Land verliere
       schon jetzt „Einnahmen in Höhe von 400 Millionen Dollar täglich. Iran ist
       innenpolitisch schon jetzt in erheblichen Schwierigkeiten“, so der
       Botschafter. Die US-Blockade habe so „die Voraussetzung geschaffen, Iran an
       den Verhandlungstisch zu bringen“. Militärisch, wirtschaftlich und
       außenpolitisch seien die Kosten für das Regime „enorm“.
       
       Allerdings auch für die Weltwirtschaft: Schon jetzt sind 14,2 Millionen
       Barrel pro Tag durch Kriegsschäden oder Förderstopps weggefallen, haben die
       Finanzmarktfachleute von Standard & Poor’s errechnet. Die Rohölförderung
       der dem Ölkartell Opec angehörenden Staaten ist laut der führenden
       Rohstoffanalysefirma Platts auf das niedrigste Niveau seit 1989 gefallen.
       
       Und die volle Wiederherstellung des Vorkriegsniveaus dürfte laut Fatih
       Birol, dem Chef der Internationalen Energieagentur IEA, zwei Jahre dauern –
       wenn der Krieg vorbei und die Straße von Hormus [3][wieder frei passierbar
       ist], durch die ein Fünftel der globalen Öl- und Gastransporte fährt.
       
       19 Apr 2026
       
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 (DIR) Mathias Brüggmann
       
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