# taz.de -- Aktivisten vor Gazas Küste: Israel fängt Gazaflotilla vor Griechenland ab
> Israels Militär entert Schiffe von Gaza-Hilfsflotte in internationalen
> Gewässern. Kontrollen im Gazastreifen werden auf zwei Drittel des Gebiets
> ausgedehnt.
(IMG) Bild: Die Gaza-Hilfsflotte hätte den Gazastreifen am Wochenende erreichen sollen
Israelische Soldaten haben einen Teil einer internationalen
Solidaritätsflotte auf dem Weg in den Gazastreifen aufgebracht. Die 58
Schiffe befanden sich nach Angaben von Aktivisten der „Global Sumud
Flotilla“ in der Nacht auf Donnerstag westlich der griechischen Insel Kreta
in internationalen Gewässern. Israels Außenministerium bestätigte, mehr als
zwei Dutzend Boote abgefangen und rund 175 Aktivisten festgenommen zu
haben. Gut 30 Boote setzten ihre Fahrt laut GPS-Daten zunächst fort.
Kurz vor dem Zugriff hatte am Mittwoch das israelische Sicherheitskabinett
getagt. Hinter der Entscheidung, die Flotte frühzeitig rund 1.000 Kilometer
von der Küste des Gazastreifens zu stoppen, dürfte die Erfahrung vom
vergangenen September stehen. Damals war eine Flotte mit Hunderten
Aktivisten und einer symbolischen Menge an Hilfsgütern bis auf 70 Seemeilen
an den von Israel seit 2007 vom Meer abgeriegelten Gazastreifen
herangekommen. Dem Boot „Mikeno“ war es gelungen, sich Gaza bis auf wenige
Kilometer zu nähern.
Die Flotte hätte den Gazastreifen am Wochenende erreichen sollen. An Bord
befanden sich laut den Organisatoren vor dem Zugriff mehrere Hundert
Menschen, darunter eine Schwester des irischen Präsidenten. Die Aktivisten
warfen Israel die „rechtswidrige Festsetzung von Menschen auf hoher See“
vor und sprachen von „Piraterie“.
„Humanitäre Hilfe zu blockieren und jene anzugreifen, die versuchen, sie zu
liefern, sind Verstöße gegen humanitäres Völkerrecht“, sagte Pujarini Sen
von Greenpeace an Bord der „Arctic Sunrise“, mit der die Umweltorganisation
die Flotte begleitet. Die internationale Gemeinschaft müsse angesichts „des
Genozids an den Menschen in Gaza handeln“.
## Israel beruft sich auf seine Antiterrorgesetze
Israels Außenminister Israel Katz rechtfertigte das Vorgehen unter Berufung
auf israelische Antiterrorgesetze. Demnach sei die Beschlagnahmung von „für
ernste terroristische Straftaten vorgesehenes Eigentum“ gestattet, so Katz.
Nach der Abfangaktion postete das Außenministerium allerdings zunächst
statt etwaigen Waffenfunden Bilder von Kondomen und einem Plastiktütchen,
das angeblich Drogen enthalten soll. In der Vergangenheit hatte Israels
Regierung mutmaßliche Verbindungen einzelner Organisatoren der Flotilla zur
Hamas und der Muslimbruderschaft angeführt, um die gesamte Aktion als „von
der Hamas gesteuert“ zu diskreditieren.
Vor dem Zugriff hatte Israel die Aktivisten laut einer veröffentlichten
Audioaufnahme per Funk aufgefordert, abzudrehen oder ihre Hilfsgüter im
israelischen Hafen Ashdod abzuladen. Die Zustellung von Hilfsgütern sei
„durch etablierte und anerkannte Kanäle möglich“, hieß es dort.
Tatsächlich bleibt Israel aber entgegen eigener Angaben der für die
Verwaltung der besetzten Palästinensergebiete zuständigen Cogat-Behörde
hinter seinen Verpflichtungen gemäß der Waffenruhe von vergangenen Oktober
zurück. [1][Seit Oktober wurden mehr als 800 Palästinenser in Gaza von
Israels Militär getötet.] Mitarbeiter von Hilfsorganisationen berichten von
nicht öffentlichen und sich immer wieder ändernden Listen sogenannter
Dual-Use-Güter, die Israels Behörden unter Berufung auf Missbrauch durch
die radikalislamische Hamas nicht in den Küstenstreifen lassen.
Zudem verweist Israel mit Blick auf ein vereinbartes Minimum von 600
Hilfslieferungen pro Tag nach Gaza häufig auf Transporte des privaten
Sektors. [2][Hilfsorganisationen kritisieren, die Lieferungen privater
Händler entsprächen häufig nicht dem humanitären Bedarf.] Von 60.000
temporären Wohneinheiten ist bisher keine einzige in Gaza angekommen, wo
ein Großteil der rund zwei Millionen Bewohner in Zelten unter
unmenschlichen Bedingungen lebt. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen
wirft Israel in einem am Dienstag veröffentlichten Bericht vor, die
Wasserversorgung in Gaza systematisch als Druckmittel gegen die Bevölkerung
zu verwenden.
## Hamas und Israels Armee weiten jeweils Kontrolle aus
Die Hamas weigert sich ihrerseits, ihren Teil der Vereinbarung zu erfüllen
und ihre Waffen abzugeben und hat in weiten Teilen des nicht von der
israelischen Armee kontrollierten Gebietes wieder die Kontrolle übernommen.
Indes schafft Israels Armee weiter Fakten: An Hilfsorganisationen
ausgegebene Karten zeigen eine Ausweitung der israelischen Kontrollzone um
rund 11 Prozent. Die bestehende „gelbe Linie“, entlang der Israel bereits
mehr als die Hälfte des Gebietes kontrolliert, wird darin um eine neue
„orange Linie“ ergänzt, innerhalb der Hilfsorganisationen ihre Bewegungen
mit der Armee koordinieren müssen.
Zivilisten sollen davon nicht betroffen sein, doch seit Mitte März wurden
zwei Mitarbeiter von der UN-Kinderhilfsorganisation Unicef und einer der
Weltgesundheitsorganisation in dieser Zone getötet. Bewohner berichten der
Nachrichtenagentur Reuters gegenüber von einem Rückgang von
Hilfslieferungen in der orangen Zone.
De facto weitet Israel seine Kontrolle damit auf knapp zwei Drittel des
Küstenstreifens aus. Israels rechtsextremer Finanzminister Bezalel Smotrich
hat sich wiederholt für eine Vertreibung der palästinensischen Bevölkerung
aus Gaza ausgesprochen.
30 Apr 2026
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