# taz.de -- Ausstiegskonferenz in Kolumbien: Jenseits der UN-Klimadiplomatie
       
       > Die erste Konferenz zum Ausstieg aus Öl, Kohle und Gas ist zu Ende
       > gegangen. Eine neue Arbeitsgruppe soll Pläne entwickeln, um von fossilen
       > Brennstoffen wegzukommen.
       
 (IMG) Bild: Die erste internationale Konferenz zum Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas wird von Kolumbien und den Niederlanden ausgerichtet
       
       Ein Mädchen im Blümchenkleid ist am Ende der Star der Ausstiegskonferenz:
       Paula Padrón Ladeuth aus dem kolumbianischen Karibikdorf San Antero. Als
       Vertreterin der Kinder hat die Zehnjährige im Abschlussplenum zwischen
       vielen Politiker:innen das Wort. „Wir Kinder atmen tiefer in unserer
       Wachstumsphase. Deshalb betreffen uns fossile Treibstoffe mehr. Wir
       fordern, dass ihr uns zuhört, dass das nicht nur auf dem Papier bleibt,
       sondern Realität wird. Wir versprechen dafür, dass wir gut zur Natur sind
       und unsere Kindheit genießen.“ Ihr Arm schlägt den Rhythmus ihrer Worte in
       der Luft, sie erhält donnernden Applaus.
       
       Delegationen aus 57 Ländern, 13 Interessengruppen, mehr als 1.500 zivile
       Teilnehmer:innen haben sich bis Mittwochabend in Santa Marta getroffen,
       um den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen voranzutreiben. Die Konferenz
       „Transition Away From Fossil Fuels“ (TAF) war eine Premiere – ein Versuch,
       dort anzusetzen, wo die COPs, die Klimakonferenzen der Vereinten Nationen,
       feststecken. Immer dieselben (Öl-, Gas- und Kohle-)Länder blockieren bei
       dem Format, das von mehr als 190 Ländern Einstimmigkeit verlangt.
       
       In Santa Marta, so hatte es Kolumbien auf der Klima-COP30 im
       brasilianischen Belém vorgeschlagen, [1][sollten deshalb die
       Vorreiterländer zusammenkommen, die am Übergang arbeiten wollen].
       Mitausrichter waren die Niederlande. Offen war die Frage, was das neue
       Format bringen würde. Nicht nur die Organisation Fossil Fuel Treaty
       Initiative pochte in Santa Marta darauf, dass ein verbindlicher
       internationaler Rahmen für den Ausstieg aus fossilen Energien weiter fehlt.
       
       Ergebnis der Verhandlungen ist, eine internationale wissenschaftliche
       Arbeitsgruppe unter Leitung der Klimaforscher Carlos Nobre (Universität São
       Paulo) und Johan Rockström (Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung)
       einzurichten. Sie soll künftig Staaten bei der Energiewende unterstützen.
       Zweitens wird sich die Koalition auf drei Bereiche konzentrieren:
       umfassende nationale und regionale Ausstiegsfahrpläne; grenzüberschreitende
       Handelspolitiken und Finanzen. Stichwort: Steuern, Subventionen und vor
       allem Schulden, zum Beispiel, damit Länder nicht durch den Ausstieg tiefer
       in die Schuldenfalle geraten.
       
       ## Die Nachfolgekonferenz soll auf Tuvalu stattfinden
       
       [2][Doch dabei soll es nicht bleiben.] Die zweite Auflage der Konferenz
       wird Anfang 2027 in Tuvalu stattfinden – einem der Inselstaaten im Pazifik,
       deren Bewohner:innen schon jetzt um ihr Land fürchten. Zusammen mit
       ihren Kolleg:innen von anderen Pazifikinselstaaten warb Klima- und
       Umweltminister Maina Talia besonders aktiv in Santa Marta für einen
       Ausstieg. „Heute schreiben wir Geschichte“, sagte er. Mitausrichter wird
       Irland, ebenfalls eine Insel, wie Philip Nugent, der Generalsekretär der
       Umweltabteilung, betonte. Dringlichkeit und Solidarität zwischen Nord und
       Süd seien geboten.
       
       „Das ist nicht das Ende, sondern der Beginn einer neuen globalen
       Klimademokratie“, sagte Kolumbiens Umweltministerin Irene Vélez Torres. Die
       Aktivistin war zuvor Bergbauministerin in der ersten linken Regierung
       Kolumbiens. Präsident Gustavo Petro hatte schon im Wahlkampf auf die
       Energiewende gesetzt. [3][In der Praxis hapert die Umsetzung] – genauso wie
       beim Co-Gastgeber Niederlande, wo weiter Gas gefördert wird.
       
       Genau solche Dilemmas wolle man offen ansprechen, sagte die niederländische
       Klimaministerin Stientje van Veldhoven. „Sie alle haben betont, wie wichtig
       ein sicherer Raum für Dialog ist.“ Die Tatsache, dass eben nicht verhandelt
       würde, ermögliche eine andere Dynamik. Offen und transparent sprechen zu
       können sei wichtig – auch über Fehler, damit andere diese vermeiden
       könnten. Der Presse war der Zugang zu den Arbeitsgruppen nicht erlaubt. Das
       neue Format sei ein komplementärer Beschleuniger der UN-Klimaverhandlungen
       (UNFCCC). Für diese „offene Koalition“ wolle man jetzt mehr Länder ins Boot
       holen.
       
       30 Apr 2026
       
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