# taz.de -- Indigene stoppen Ausverkauf der Natur: Amazonas-Flüsse bleiben staatlich
       
       > Mit privatisierten Wasserstraßen wollte Brasiliens Regierung Unternehmen
       > helfen – und den eigenen Finanzen. Wie Proteste von Indigenen gewirkt
       > haben.
       
 (IMG) Bild: Hat seine Meinung geändert: Präsident Luiz Inácio Lula da Silva, hier bei einem Treffen mit Indigenen während der COP30, 2025
       
       Indigene zelebrierten vor dem Sitz des Agrokonzerns Cargill im
       brasilianischen Santarém am Montag ein Ritual, als sie von einer Nachricht
       überrascht wurden: Präsident Lula da Silva hatte das Dekret mit der Nummer
       12.600/2025 zurückgezogen, das mehrere Amazonas-Flüsse in das nationale
       Programm für „Entstaatlichung“ aufgenommen hätte.
       
       Das Programm war bereits 1990 eingeführt worden und sollte die
       Regierungsverantwortung auf wesentliche Bereiche konzentrieren und die
       Staatsfinanzen durch Privatisierungen sanieren. Die Ausweitung auf Flüsse
       sollte den Transport von Produkten des Agrobusiness und des Bergbaus
       erleichtern.
       
       Bis zu 1.200 Indigene hatten seit Wochen vor dem Cargill-Gebäude campiert,
       um [1][gegen das Gesetz zu protestieren]. Der Konflikt hatte sich zuletzt
       verschärft, als sie per Gerichtsbeschluss vertrieben werden sollten.
       Stattdessen besetzten sie das Büro von Cargill und blockierten mehrere
       Fähren, die auf dem Tapajos-Fluss Körner transportierten.
       
       Vor allem prangerten die Indigenen an, dass sie nicht – wie gesetzlich
       vorgeschrieben – angehört worden waren und dass die sozialen und
       ökologischen Folgen des Gesetzes verheerend sein würden. Das Dekret sollte
       unter anderem die Vergabe von Konzessionen – also Nutzungsrechten – an
       Privatunternehmer zum Gebrauch der Flüsse für Frachttransport ermöglichen.
       Dazu wären umfangreiche Drainagearbeiten und Felssprengungen erfolgt, die
       ganze Flussläufe verändern könnten. Mit der Annullierung des Dekrets werden
       bereits beauftragte Baggerarbeiten in den Flüssen Tapajos, Madeira und
       Tocantins mit sofortiger Wirkung gestrichen.
       
       ## Proteste schon bei der Weltklimakonferenz
       
       Das Projekt der Privatisierung von Wasserstraßen für eine bessere Logistik
       im Agrobusiness hatte bereits [2][auf der Weltklimakonferenz COP30 im
       November] für Protest gesorgt. Damals war den Indigenen eine Anhörung
       zugesichert worden. Doch dann beauftragte Präsident Lula Drainage-Firmen,
       ohne dass Anhörungen stattgefunden hätten oder eine Umweltgenehmigung
       erteilt worden wäre.
       
       Zuständige Behörden wie das Umweltsekretariat Semas warnten vor Folgen wie
       einer Versandung des Flussbettes, Veränderung der Wasserqualität sowie vor
       dem Risiko der Nahrungsmittelunsicherheit für Indigene und Flussanrainer
       aufgrund eines verminderten Fischbestandes.
       
       Nachdem Lula nun den Protesten nachgegeben hatte, beeilte sich Guilherme
       Boulos, Leiter des Präsidialbüros, zu erklären: „Es gab eine legitime
       Mobilisierung der indigenen Völker in Bezug auf dieses Dekret, und die
       Regierung Lula hat die Fähigkeit zuzuhören und gegebenenfalls
       Entscheidungen zurückzunehmen, wenn das nötig ist.“
       
       Der [3][Indigenenrat von Tapajós und Arapiuns] feierte den Erfolg in
       sozialen Medien. „Dieser Erfolg ist das Ergebnis der vereinten Kräfte der
       indigenen Völker, der Flussanrainer und der traditionellen Gemeinschaften“,
       heißt es dort. „Unsere Flüsse sind keine Ware, sie sind Leben Kultur und
       Zukunft.“
       
       24 Feb 2026
       
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 (DIR) Christine Wollowski
       
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