# taz.de -- Extreme Regenfälle in Brasilien: Wen die Klimakrise trifft
       
       > Extreme Regenfälle rissen in einer brasilianischen Region Hügel und
       > Häuser mit. Eine Studie zeigt den Einfluss der Klimakrise – und wer
       > betroffen ist.
       
 (IMG) Bild: Einsturzgefahr in Juiz de Fora, Minas Gerais, Brasilien am 25. Februar
       
       Es war die stärkste Regenkatastrophe in der Region seit Jahrzehnten: Im
       Februar fielen im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais 752 Millimeter
       Niederschlag. 72 Menschen starben in den vier Tagen Starkregen, mehr als
       8.500 wurden wohnungslos. Brasiliens Staatspräsident Lula flog persönlich
       ein, besichtigte die Schäden und kritisierte den Gouverneur Romeu Zema
       wegen mangelnder Prävention. Nun [1][zeigt eine Studie von Wissenschaftlern
       der Forschungsgruppe World Weather Attribution]: Der Vorfall ist vermutlich
       Vorbote weiterer Katastrophen.
       
       World Weather Attribution analysiert [2][regelmäßig] den Einfluss von
       Klimaveränderungen auf [3][Extremwettervorfälle]. Im Fall des
       brasilianischen Bundesstaates Minas Gerais hatten die extremen Regenfälle
       ganze Hügel und die darauf stehenden Häuser mit sich gerissen. Nach Lulas
       Kritik an mangelnden Präventionsmaßnahmen, forderte die Opposition von der
       Regierung mehr konkrete Handlungen anstatt Ideologiestreits. Später
       bewilligte Lula Soforthilfen in Höhe von 266 Millionen Reais (gut 44
       Millionen Euro).
       
       World Weather Attribution untersuchte historische Wetteraufzeichnungen aus
       der Region und Computermodelle zur Simulation von Veränderungen im
       Regenverhalten seit dem Industriezeitalter. Die Forscher konnten zwar
       keinen zwingenden Zusammenhang der jüngsten Vorfälle mit der Klimakrise
       nachweisen, errechneten aber, dass bei der erwarteten weiteren Erderwärmung
       um 2,6 Grad Celsius bis zum Ende des Jahrhunderts ähnliche Vorfälle in der
       Region um zwischen 7 und 30 Prozent zunehmen werden.
       
       Betroffene sind, so Fredi Otto, Professorin für Klimawissenschaft am
       Imperial College London, vor allem finanzschwache Stadtteile. Bei
       Starkregen seien in der am stärksten betroffenen Stadt Juiz de Fora 140.000
       der insgesamt knapp 570.000 Bewohner gefährdet. Bei einem Boom von Zuzügen
       in den 1970er Jahren wuchsen dort vor allem an Hügeln und am Rande der
       Flussläufe neue Viertel. Gleichzeitig wich die dichte Vegetation
       zementierten Flächen, die Areale, auf denen Wasser versickern kann, wurden
       damit deutlich reduziert.
       
       So erwies sich Juiz de Fora in dem aktuellen Fall als Paradebeispiel für
       fehlende Stadtplanung und Umweltrassismus. Obwohl die Stadt führend in
       Katastrophenwarnungen ist, bekamen viele Bewohner der Risiko-Gebiete diese
       nicht oder hatten keinen Ort, an den sie fliehen konnten. „Warnungen müssen
       mit Evakuierungsplänen einhergehen“, so Otto.
       
       Minas Gerais mit Bergen von bis zu 2.800 Metern Höhe und tiefen Tälern ist
       historisch bekannt für Starkregen und prädestiniert für Erdrutsche. Neben
       der menschlichen Katastrophe ist der Regenüberfluss auch für die
       Landwirtschaft verheerend: Der Staat Minas produziert den meisten Kaffee
       Brasiliens und war gerade dabei, sich von einer schwachen Ernte in 2025 zu
       erholen. Die aktuelle Regenkatastrophe ist die stärkste unter vielen, die
       die Region seit 1979 erlitten hat. Momentan bestehen weiterhin
       Regenwarnungen. Der Katastrophenetat von Minas wurde zwischen 2023 und 2025
       um nahezu 96 Prozent gekürzt.
       
       12 Mar 2026
       
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 (DIR) Christine Wollowski
       
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