# taz.de -- Aktivist*innen über Karibik-Törn: „Wir werden weitergeben, was wir gelernt haben“
> Salomé Klein segelt mit der Climate Justice Flotilla einmal quer durch
> die Karibik. Angesteuert wird die Klimakonferenz in Santa Marta,
> Kolumbien.
(IMG) Bild: Eine nahezu CO₂-neutrale Art des Reisens, mit dem Segelboot durch die Karibik (Symbolfoto)
Während des Zoom-Interviews mit der Aktivistin Salomé Klein ist im
Hintergrund das Meer zu sehen. Durch ihre Kopfhörer rauscht der karibische
Wind. Die 37-jährige Französin segelt mit der Climate Justice Flotilla quer
durch die Karibik, mit Kurs auf die erste internationale Konferenz zum
fossilen Ausstieg in Santa Marta, Kolumbien. Die vierköpfige Crew startete
mit zwei Booten Anfang April von der niederländischen Karibikinsel Sint
Maarten. Unterwegs gabeln sie ein drittes Boot samt Besatzung auf.
taz: Frau Klein, warum glauben Sie, dass eine Segelreise gut geeignet ist,
um auf Ihre Forderungen aufmerksam zu machen?
Salomé Klein: Weil wir eine Bewegung für Klimagerechtigkeit sind, ist es
einfach notwendig, die Reise auf diese Weise zu unternehmen. Denn es ist
eine nahezu CO2-neutrale Art des Reisens. Außerdem trifft man auf diese
Weise viele Menschen, die nicht zu unserem Umfeld gehören. Wir verlassen
also unsere Bubble. Und das ist interessant, weil ich gerne mit den Leuten
spreche und erkläre, warum wir hier sind. Außerdem denke ich, dass es wegen
der Global Sumud Flotilla und anderer Flottillen so etwas wie ein Trend
ist. Hoffentlich wird diese Art des Reisens in Zukunft zunehmen.
taz: Die Reise klingt ziemlich abenteuerlich: 1.000 Seemeilen, mit
Zwischenstopps auf Bonaire, Aruba und Curaçao. Jetzt, wo Sie es bis nach
Bonaire geschafft haben, haben Sie bereits die Hälfte hinter sich. Wie
läuft’s bisher?
Klein: Diese Etappe von St. Maarten nach Bonaire war mit drei Tagen Segeln
die längste. Für einen erfahrenen Segler war es ehrlich gesagt nicht so
abenteuerlich. Denn die Winde waren wirklich gut und es ist der perfekte
Moment zum Segeln. Einer der interessantesten Aspekte der Reise war bisher
die Begegnung mit den Locals von den Inseln – Aktivist*innen, politischen
Akteur*innen oder einfach Menschen, die sich unserem Protest anschließen
wollen. Durch diese Begegnungen lerne ich echt viel. Hier zu sein ist etwas
ganz anderes, als in der Zeitung über diese Orte und ihre Verletzbarkeit
durch den Klimawandel zu lesen.
taz: Lief denn alles glatt?
Klein: Termine für Treffen und Veranstaltungen einzuhalten, ist schwer,
weil wir vom Wind abhängig sind. Wir müssen vieles verschieben. Eine
weitere Herausforderung auf der Reise ist das Zwischenmenschliche: Man muss
mit den Leuten auf dem Segelboot zurechtkommen, denn es ist wirklich ein
kleiner Raum. Diesen menschlichen Aspekt zu meistern, ist wirklich wichtig.
Im Moment sind wir zu zweit auf jedem Boot, und ich bin die einzige Frau an
Bord. Das ist ein weiterer Aspekt: Für mich ist es manchmal schwer. Als
Frau steht man hier denselben Schwierigkeiten gegenüber wie an Land, aber
noch intensiver. Denn die Segelwelt ist immer noch eine Männerwelt. Also
muss ich mir meinen Platz aktiv erkämpfen, und das kostet Energie.
taz: Die Karibik ist gerade kein besonders sicherer Ort, um mit dem
Segelboot unterwegs zu sein. Im Februar versenkte die US-Marine mehrfach
Boote, auf denen angeblich Drogen geschmuggelt wurden.
Klimaaktivist*innen mag die US-Regierung ja auch nicht besonders
gerne. Wie geht es Ihnen damit?
Klein: Wir haben eine Arbeitsgruppe für Sicherheit, die diesbezüglich eng
mit der Global Sumud Flotilla und anderen Initiativen wie der Caravana
Mesoamericana intensiv an den Sicherheitsprotokollen für die Navigation
durch die Karibik gearbeitet hat. Auch in Santa Marta haben wir ein Team,
das viel für die Sicherheit getan hat.
Außerdem arbeiten wir mit den Menschen vor Ort eng zusammen, und wenn sie
sagen, dass wir auf die Insel kommen können, vertraue ich ihnen. Sie würden
uns warnen, wenn es kompliziert oder gefährlich wäre. Ich bin schon lange
auf Reisen; und jedes Mal, wenn ich an einen Ort reisen möchte, frage ich
einfach die Locals, wie sicher es dort ist.
taz: Werden Sie auch an der Konferenz in Santa Marta teilnehmen?
Klein: Fast alle aus der Crew werde an der Konferenz teilnehmen – sie ist
ja irgendwie die Krönung unserer Arbeit. Was die offizielle Konferenz
angeht, bin ich aber nicht so optimistisch. Die Aussichten sind nicht
großartig, wenn man die harten Fakten betrachtet. Die meisten Länder kommen
ihren Verpflichtungen nicht nach. Was die finanziellen und rechtlichen
Aspekte betrifft, bin ich mir nicht sicher, ob diese Konferenz viel ändern
wird. Und natürlich wird Santa Marta nicht so groß sein wie die
UN-Klimakonferenz.
Aber vielleicht müssen wir Geduld haben. Vielleicht findet diese Konferenz
bald jedes Jahr statt, so wie der UN-Klimagipfel. Obwohl ich realistisch
auf das mögliche Outcome der Konferenz blicke, sehe ich einen Nutzen darin,
ein regelmäßiges Forum zu schaffen, das stetig das politische Momentum
aufbaut, das wir für das Aus von fossilen Energien brauchen.
Diese Hoffnung ist einer der Gründe, warum wir segeln. Aber unabhängig
davon bin ich sehr daran interessiert, die Menschen in Santa Marta zu
treffen und mir anzuhören, was sie zu sagen haben. Für mich geht es darum,
mit ihnen unsere Ideen zu diskutieren – egal, ob wir die gleichen Ansichten
teilen oder nicht. Und wir werden weitergeben, was wir während unserer
Reise gehört und gelernt haben.
24 Apr 2026
## AUTOREN
(DIR) Evke Bakker
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