# taz.de -- Wegen des Irankriegs: Kolumbiens Umweltministerin begrüßt Niedergang der Fossilen
       
       > In Kolumbien treffen sich Regierungen, um schnell aus Öl und Gas
       > auszusteigen. Unterstützung bekommen sie von einer bekannten
       > Energieagentur.
       
 (IMG) Bild: Die kolumbianische Ministerin Irene Vélez Torres hofft auf neue internationale Bündnisse für erneuerbare Energien
       
       Der globale Klimaschutz erhielt am Freitag einen unerwarteten Schub: Fatih
       Birol, Chef der Internationalen Energieagentur (IEA), erklärte, der Krieg
       in Iran habe den Markt für fossile Brennstoffe irreparabel zerstört.
       
       „Der Schaden ist angerichtet“, sagte Fatih Birol dem britischen
       [1][Guardian]. Die durch den Krieg verursachten Unterbrechungen der Öl- und
       Gasversorgung und daraus resultierende Preisspitzen bei Energie,
       Düngemitteln und anderen lebenswichtigen Gütern würden die Länder für immer
       von fossilen Brennstoffen abbringen. Und sie zu erneuerbaren Energien und
       anderen sichereren und erschwinglicheren Energiequellen hinführen.
       
       „Der Krug ist zerbrochen – es wird sehr schwierig sein, die Scherben wieder
       zusammenzusetzen“, sagte Birol. „Diese Krise wird dauerhafte Folgen für die
       globalen Energiemärkte haben.“ Die Voraussagen der IEA werden von
       Energieunternehmen und Investoren weltweit herangezogen, um langfristig zu
       planen.
       
       ## Die US-Regierung wird sich über Birol ärgern
       
       „Ich bin sehr froh, dass Birol das sagt“, sagte die kolumbianische
       Umweltministerin Irene Vélez Torres. In der kolumbianischen Stadt Santa
       Marta treffen sich am Dienstag und Mittwoch Vertreter*innen von über 60
       Regierungen, darunter auch der deutschen, um einen globalen Plan zur Abkehr
       von Öl, Gas und Kohle zu entwickeln – den Haupttreibern [2][des immer
       gefährlicher werdenden Klimawandels].
       
       „Das stimmt mich optimistischer dahingehend, was unsere Konferenz erreichen
       kann“, fügte Vélez hinzu. „Scheinbar erkennen viele, dass fossile
       Brennstoffe keine Energiesicherheit bieten können. Sie sind knapp und diese
       Knappheit [3][kann sogar herbeigeführt werden]. Unsere Energiesouveränität
       und unser Überleben verlangen den Umstieg auf andere Energiequellen.“
       
       Obwohl Birol schon mehrfach erklärt hatte, dass die stark sinkenden Preise
       für erneuerbare Energien den „Anfang vom Ende des Zeitalters der fossilen
       Brennstoffe“ einläuten, hat er den absehbaren Niedergang von Öl, Gas und
       Kohle selten so unverblümt dargestellt.
       
       Weiter verärgern wird das wahrscheinlich die Regierung von US-Präsident
       Donald Trump. US-Energieminister Chris Wright [4][forderte] im Februar,
       dass die IEA einen jährlichen Bericht einstellt, der darlegt, wie Länder
       klimaneutral werden können. Ansonsten würden die USA, die rund 14 Prozent
       zum Jahresbudget der IEA beitragen, die Organisation verlassen.
       
       ## Vélez: „Die Konferenz hört auf die Wissenschaft“
       
       Die von Kolumbien und den Niederladen organisierte Konferenz in Santa Marta
       bringt Regierungen vieler der größten Volkswirtschaften der Welt sowie
       Hunderte Wissenschaftler*innen, Aktivist*innen,
       Wirtschaftsvertreter*innen und Gesandte indigener Völker zusammen.
       Die Pläne für die Konferenz gewannen nach dem jüngsten UN-Klimagipfel im
       November neue Dringlichkeit, als sich die Regierungsvertreter*innen
       wegen des herrschenden Konsensprinzips [5][nicht auf die Ausarbeitung von
       Plänen für den Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas einigen konnten.]
       
       Im Gegensatz zu den UN-Klimagipfeln höre die Konferenz in Santa Marta „auf
       die Wissenschaft“ statt auf „Desinformation und Lobbyarbeit“, behauptete
       Vélez. In Santa Marta warnte Johan Rockström vom Potsdam-Institut für
       Klimafolgenforschung, dass die Erwärmung des Planeten bereits „Kipppunkte
       überschreitet, die die menschliche Gesellschaft noch zu unseren Lebzeiten
       untergraben werden“.
       
       Rockström und Carlos Nobre, leitender Wissenschaftler am Nationalen
       Institut für Amazonasforschung in Brasilien, haben ein Gremium von
       Wissenschaftler*innen zusammengestellt; das soll Regierungen beraten,
       welche Maßnahmen am besten geeignet sind, um aus Kohle, Öl und Gas
       auszusteigen. „Eine kritische Masse von 30 Ländern ist bereits dabei, ihre
       Volkswirtschaften zu dekarbonisieren. Das zeigt, dass es machbar ist“,
       sagte Rockström. „Wir sind nicht hier, um neue Klimawissenschaft zu
       etablieren, sondern um eine bessere und schnellere Politik von Regierungen,
       Unternehmen und anderen Interessengruppen zu ermöglichen.“
       
       Die Konferenz in Santa Marta, die am 29. April endet, sei nur ein erster
       Schritt, sagte Vélez. Auf einer Folgekonferenz sollen Pläne ausgearbeitet
       werden, wie Länder, Regionen und Wirtschaftssektoren fossile Brennstoffe
       hinter sich lassen können. Und zwar ohne Arbeitnehmer, Unternehmen und
       Regierungen zu schädigen, die derzeit für Arbeitsplätze, Gewinne und
       Steuereinnahmen auf fossile Brennstoffe angewiesen sind.
       
       Die Ergebnisse der Konferenz in Santa Marta werden auch in die Beratungen
       des nächsten UN-Klimagipfels einfließen, der im November in der Türkei
       stattfindet. Doch nach Jahren des „Drucks und der Vetos“ von Ölstaaten,
       „die sich dagegen wehrten, dass wir über den Ausstieg aus fossilen
       Brennstoffen sprechen“, sagte Vélez, „haben wir hier nun ein Bündnis, das
       bereit ist, zu handeln“.
       
       Dieser Artikel wurde im Rahmen der Kooperation zwischen dem Projekt
       „[6][Covering Climate Now]“ und der taz veröffentlicht. Aus dem Englischen
       übersetzt von Jonas Waack.
       
       27 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.theguardian.com/environment/2026/apr/24/global-oil-crisis-changed-fossil-fuel-industry-for-ever-iea-chief-fatih-birol
 (DIR) [2] /Klimakatastrophen-2025/!6141769
 (DIR) [3] /Bundeswehr-in-der-Strasse-von-Hormus/!6170361
 (DIR) [4] https://www.nytimes.com/2026/02/19/climate/us-tells-international-energy-agency-to-drop-its-focus-on-climate-change.html
 (DIR) [5] /UN-Klimakonferenz-enttaeuscht/!6131803
 (DIR) [6] https://coveringclimatenow.org/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Mark Hertsgaard
       
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