# taz.de -- Gewalt im Westjordanland: 16-Jähriger vom israelischen Militär erschossen
       
       > Siedler greifen ein Dorf an, das anrückende Militär tötet dabei einen
       > Jugendlichen. Andernorts wird der Geschäftsführer der
       > Friedensorganisation Peace Now attackiert.
       
 (IMG) Bild: Alltag im besetzten Westjordanland: Israelische Soldaten auf Patrouille
       
       Erneut wurde am Mittwoch im Westjordanland ein minderjähriger Palästinenser
       getötet. Der Fall ereignete sich in Jaljulia, nördlich der
       De-Facto-Kapitale Ramallah; Schütze war ein Soldat des israelischen
       Militärs. Nach Angabe der palästinensischen Nachrichtenagentur „Wafa“
       wurden vier weitere Palästinenser verletzt.
       
       Zum Hergang schreibt Wafa: Israelische Siedler, geschützt durch das
       Militär, hätten in verschiedenen Dörfern, darunter Jaljulia und Sinjil,
       angegriffen. [1][Sinjil ist heute, nach einem Angriff an der nahegelegenen
       Siedlung Eli und anhaltender Siedlerattacken auf den Ort, zu großen Teilen
       eingezäunt].
       
       Die Times of Israel berichtet mit Bezug auf das israelische Militär:
       Zivilisten aus einem „illegalen Außenposten“ – also Siedler – seien „nach
       dem Diebstahl von Vieh“ in den Ort eingedrungen. Die Soldaten hätten
       eingegriffen, um eine Konfrontation zu verhindern und die Tiere und die
       Siedler aus dem Ort zu bringen. Beim Rückzug der Soldaten sei es zu
       Ausschreitungen und Steinwürfen gekommen. Die Soldaten hätten dann mit
       scharfer Munition geschossen.
       
       Wafa berichtet wiederum: Die Siedler hätten Schafe aus den
       palästinensischen Dörfern gestohlen, lokalen Berichten zufolge etwa 700
       Stück. Bewohner hätten sie dann konfroniert. Der palästinensische
       Menschrechtler und Aktivist Ihab Hassane [2][teilte auf X ein Video, das
       das Vorgehen der Siedler zeigen soll.] Zu sehen ist darauf eine Herde
       Schafe, die von einer Gruppe Männer angeführt wird, dahinter fährt ein
       gepanzertes Fahrzeug des israelischen Militärs.
       
       ## 2,4 Siedlerangriffe auf Palästinenser pro Tag
       
       Die Gewalt gegen Palästinenser hat im Westjordanland seit dem
       Hamas-Überfall am 7. Oktober 2023 und dem darauf folgenden, mit großer
       Härte geführten Krieg im Gazastreifen deutlich zugenommen. Nach Angabe des
       israelischen Militärs selbst gab es im Jahr 2025 im Schnitt 2,4
       Siedlerangriffe auf Palästinenser pro Tag. Zu diesen Angriffen zählen etwa
       Brandstiftung an palästinensischen Autos oder Häusern, Diebstahl und
       Körperverletzung.
       
       Immer wieder werden dabei auch Palästinenser von Siedlern getötet, allein
       im Jahr 2026 gab es bereits mindestens 13 Fälle. Erst Ende April wurden im
       Dorf al-Mughajir nahe Ramallah zwei Menschen erschossen, [3][darunter ein
       13-jähriger Junge auf dem Gelände seiner Schule.] Der Times of Israel
       berichteten damals Augenzeugen: Fünf Siedler, teils in ziviler Kleidung,
       teils in Uniform, hätten ihre Tiere nahe der Schule geweidet und später das
       Feuer eröffnet.
       
       Das Vorgehen von Siedlern, ihre Tiere auf oder nahe an palästinensischen
       Land zu weiden, ist mittlerweile ein bekanntes Vorgehen. Die Zahl der
       sogenannten „Farming Outposts“ wächst: Allein 2026 kamen laut der
       israelischen Friedensorganisation Peace Now 60 weitere solcher Farmen hinzu
       – mehr als eine pro Woche.
       
       Juristische Konsequenzen auf die Angriffe gibt es selten: [4][Laut der
       Organisation Yesh Din enden 94 Prozent] aller Untersuchungen von
       Siedlergewalt ohne Anklage.
       
       Die israelische Regierung teilt derweil weiter großzügig Gelder zu: An die
       völkerrechtswidrigen Siedlungen und Außenposten, die selbst nach
       israelischem Recht illegal sind. [5][Laut einem Bericht von Peace Now]
       flossen in den vergangenen Jahren umgerechnet 5,3 Milliarden Euro
       Regierungsgelder in Siedlungen und Außenposten. Das sei „ein regelrechter
       Raub öffentlicher Gelder zugunsten einer kleinen Gruppe innerhalb der
       Regierungsbasis“, so die Organisation.
       
       ## Geschäftsführer von Peace Now von Siedlern attackiert
       
       Am Donnerstag wurde der Geschäftsführer der Organisation Peace Now, Lior
       Amihai, selbst von extremistischen Siedlern angegriffen. Aufnahmen zeigen,
       wie diese Amihai schlagen und im Gesicht verletzen. Der Angriff ereignete
       sich demnach an der Ein-Samia-Quelle im besetzten Westjordanland, während
       Amihai dort mit einer Gruppe von Aktivisten der israelischen demokratischen
       Partei unterwegs war.
       
       Die Angreifer hinderten anschließend die Teilnehmer der Tour am Verlassen
       des Gebietes. Nach Angaben von Peace Now wurde die Polizei benachrichtigt,
       es seien jedoch keine Beamten geschickt worden. Später eintreffende
       Soldaten nahmen demnach die Teilnehmer wegen Verdachts auf Körperverletzung
       fest. Gegen die gewalttätigen Siedler seien hingegen keine Maßnahmen
       ergriffen worden.
       
       Mit Material der Agenturen afp und kna
       
       14 May 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Gewalt-im-Westjordanland/!6102894
 (DIR) [2] https://x.com/IhabHassane/status/2054576684980994187?s=20
 (DIR) [3] /Gewalt-im-Westjordanland/!6172672
 (DIR) [4] https://www.yesh-din.org/en/data-sheet-law-enforcement-on-israeli-civilians-in-the-west-bank-settler-violence-2005-2024/
 (DIR) [5] /Siedlerterror-im-Westjordanland/!6166649
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Lisa Schneider
       
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