# taz.de -- Streit um Foto im Westjordanland: Zu echt für die Diplomatie
> Israels Botschafter nennt ein Magazincover mit einem israelischen Siedler
> „manipulativ“. Dabei zeigt das Foto schlicht die Realität im
> Westjordanland.
(IMG) Bild: Bewaffnete israelische Kolonist*innen mögen es nicht negative dargestellt zu werden, so wie hier wenn sie von palästinensischem Land verwiesen werden
Das Titelblatt des italienischen Wochenmagazins L’Espresso vom 10. April
hat es in sich. „Der Missbrauch“ steht da, in fetten Großbuchstaben, dazu
der kurze Text: „Die Annexion Jordaniens, unter Komplizenschaft der
Soldaten mit [1][den Siedlern]. Gaza ausgelöscht. Der Vormarsch im Libanon.
Die Grenze zu Syrien verletzt. Der Krieg gegen Iran. Ethnische Säuberung
und Massaker. So verleiht die zionistische Rechte Großisrael Form.“
In sich hat es aber auch das Foto auf dem Titel. Da steht ein junger
[2][israelischer Siedler], in Militäruniform, sein Gesicht zur Grimasse
verzerrt, der hinüberschaut zu einer ebenso jungen Palästinenserin, die
ihrerseits konsterniert dreinblickt.
Zu viel war es für Israels Botschafter in Rom, Jonathan Peled. Auf X
schrieb er: „Wir verurteilen entschieden den manipulatorischen Missbrauch,
der auf dem Titelblatt des L’Espresso stattfindet. Das Bild verzerrt die
komplexe Realität, mit der Israel leben muss, und unterstützt Stereotype
und Hass. Verantwortlicher Journalismus muss ausgewogen und korrekt sein“.
Botschafter Peled verschweigt, was denn da verzerrt worden sein soll –
außer dem verzerrten Gesicht des Siedlers, für dessen Mimik allerdings der
Fotograf Pietro Masturzo nichts kann. Masturzo meldete sich am
darauffolgenden Montag mit einem Instagram- und Facebookpost zu Wort, in
dem er auch schreibt, im Internet sei insinuiert worden, das Bild sei mit
KI erstellt worden, und dann die Details der Aufnahme berichtet.
## An der Ernte gehindert
Gemacht habe er das Foto am 12. Oktober 2025 in dem [3][auf der Westbank]
gelegenen palästinensischen Dorf Idhna. Jener 12. Oktober hätte dort der
erste Tag der Olivenernte werden sollen. Gekommen sei die palästinensische
Eigentümerfamilie des Olivenhains, dazu Nachbarn, aber auch internationale
Aktivist*innen sowie Journalist*innen, unter anderem von der New York
Times.
Als die Ernte beginnen sollte, sei eine Gruppe bewaffneter Siedler
aufgetaucht, teils – so wie der Fotografierte – in Armeeuniform, dazu
„echte“ (so Masturzo) Soldaten, die die Palästinenser*innen an der
Ernte gehindert hätten.
Masturzo erklärt auch die Grimasse des Siedlers, und er belegt seine
Darstellung mit einem knapp einminütigen Video der Szene. Der Israeli habe
den Ruf imitiert, mit dem die palästinensischen Hirten ihre Schafherden
beisammenhalten, „und sich so an die Palästinenser gewandt, als wären sie
seine Tiere“.
Was verzerrend an dem Foto sein soll, bleibt deshalb das Geheimnis des
israelischen Botschafters, der auch zu den gut dokumentierten dutzendfachen
Siedlerübergriffen auf der Westbank bis hin zu regelmäßig ungesühnt
bleibenden Morden an Palästinenser*innen schweigt. Und der mit seiner
Position allein bleibt. Auch die traditionell Netanjahu-freundlichen
Zeitungen der italienischen Rechten sprangen ihm diesmal nicht bei.
Das mag auch mit der sich abzeichnenden Kurskorrektur der italienischen
Regierung unter Giorgia Meloni zu tun haben. Ihr Außenminister Antonio
Tajani fand am Montag klare Worte gegen die israelischen Angriffe auf
Libanons Zivilbevölkerung – mit der Folge, dass der italienische
Botschafter in Tel Aviv umgehend ins dortige Außenministerium einbestellt
wurde. Am Dienstag gab Meloni bekannt, dass ihre Regierung die Verlängerung
des italienisch-israelischen Verteidigungsabkommens aussetzt.
15 Apr 2026
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