# taz.de -- Kompliziertes Buchen von EU-Reisen: Auf der schiefen Bahn
       
       > Ein Ticket für eine Zugfahrt durch die EU zu kaufen, ist komplizierter,
       > als einen Flug zu buchen. Das zeigt eine neue Studie.
       
 (IMG) Bild: Buchungssysteme laufen oft noch nicht so stramm wie diese Passagiere am Gare de Lyon in Paris
       
       Komplizierte Buchungssysteme halten Menschen davon ab, internationale
       Strecken mit der Bahn zurückzulegen. Das zeigt eine am Dienstag
       veröffentlichte Studie von [1][Transport and Environment (T&E)]. Die
       unabhängige Vereinigung setzt sich für nachhaltigen Verkehr ein und
       repräsentiert 57 Mitglieder aus rund 24 Ländern.
       
       Die Studie betrachtet 30 der meistgenutzten Flugrouten in der EU, und
       prüft, wie einfach sich die entsprechenden Zugrouten buchen lassen. Bei 20
       Prozent der Reisen bot kein Bahnbetreiber ein Ticket für die gesamte
       Strecke an. Auf weiteren 27 Prozent der Strecken konnten Fahrgäste solche
       Tickets nur bei einem der beteiligten Betreiber kaufen. Bei einer
       Stichprobe mit 50 internationalen Strecken zeigten sich ähnliche Tendenzen.
       
       Weitere Probleme: Bahnbetriebe bieten oft keine Vergleichspreise von
       anderen Anbietern an, wodurch Reisende oft höhere Preise bezahlen als
       notwendig. Im Schnitt kostet es laut Studien außerdem 70 Prozent mehr Zeit,
       einen Zug zu buchen als einen Flug. Eine Umfrage zeigte, dass komplizierte
       Buchungssysteme 61 Prozent der Menschen dazu veranlassten, eine Reise per
       Bahn nicht anzutreten.
       
       Die undurchsichtigen Bahnbuchungssysteme ziehen laut T&E rund 157.000 Flüge
       innerhalb der EU nach sich – und damit Emissionen von 1,9 Megatonnen CO₂.
       „Viel zu häufig bereitet die Buchung von emissionsarmen, internationalen
       Zugreisen Reisenden Kopfschmerzen“, sagt Georgia Whitaker von T&E.
       
       ## Buchungssysteme endlich heraus „aus der Steinzeit“ holen
       
       Wie schlägt sich Deutschland bei den internationalen Buchungen? Die
       Deutsche Bahn (DB) erklärte auf Anfrage der taz, sie habe durch die
       Einführung eines technischen Moduls bereits für vereinfachte
       Buchungsprozesses gesorgt. Seit Auslandsfahrkarten direkt über die
       digitalen Vertriebskanäle erhältlich sind, habe es einen Verkaufszuwachs
       von 75 Prozent gegeben.
       
       „Kund:innen können Verbindungen zwischen Rom und Neapel, Toulouse und
       London oder sogar von Barcelona am Mittelmeer bis Narvik am Polarkreis mit
       wenigen Klicks in einem Vorgang buchen“, so ein DB-Sprecher. In der Praxis
       war das allerdings nur bedingt umsetzbar. Ein Test zeigte, dass viele
       dieser Verbindungen auf bahn.de nicht buchbar waren. Eine Erklärung dazu
       ging bei der taz bis Redaktionsschluss nicht ein.
       
       T&E forderte die EU-Kommission auf, die Buchungssysteme endlich „aus der
       Steinzeit“ zu holen. Konkret sollen Bahnbetreiber dazu verpflichtet werden,
       Fahrkarten anderer Betreiber zu fairen Bedingungen anzubieten. Unabhängige
       Plattformen sollen außerdem Fahrkarten von Betrieben unter fairen
       Bedingungen verkaufen.
       
       EU-Kommissionspräsidentin [2][Ursula von der Leyen hatte selbst im Herbst
       2025 eine Initiative vorgeschlagen], mit der Europäer*innen mit einem
       einzelnen Ticket international reisen können und gleichzeitig
       fahrgastrechtlich abgedeckt sein sollen. Der Vorschlag für das neue
       Ticketsystem soll am 13. Mai veröffentlicht werden.
       
       22 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.transportenvironment.org/articles/flawed-booking-systems-are-preventing-passengers-from-travelling-by-rail-t-e-analysis
 (DIR) [2] https://transport.ec.europa.eu/news-events/news/commission-launches-call-evidence-revision-rail-passenger-rights-2025-07-28_en
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Evke Bakker
       
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