# taz.de -- Ex-Präsident Radew siegt in Bulgarien: Die EU muss sich auf einen schwierigen Partner einstellen
> Ex-Präsident Rumen Radew hat die Parlamentswahlen in Bulgarien klar
> gewonnen. Er ist für viele der richtige Mann, auch mit seiner
> demonstrativen Nähe zu Putin.
(IMG) Bild: Rumen Radew mit Unterstützer:innen im Wahlkampf
Chapeau! Rumen Radew hat [1][bei den Parlamentswahlen am Sonntag] in
Bulgarien mit seiner Parteienallianz Progressives Bulgarien, die erst
wenige Wochen alt ist, regelrecht abgeräumt.
Gründe für den Senkrechtstart des ehemaligen Luftwaffengenerals, der noch
bis vor Kurzem Präsident des Balkanstaates war, gibt es viele. Seit jeher
sind die Bulgar*innen, ständig auf der Suche nach einem Erlöser, an der
Wahlurne auch für unorthodoxe Entscheidungen offen.
## Gegen Korruption und Euro-kritisch
Seit 2021 waren sie acht Mal aufgerufen, die Nationalversammlung zu wählen.
Entsprechend hoch war wohl auch der Leidensdruck der Menschen, der
politischen Dauerkrise ein Ende zu setzen. Dafür scheint Radew
offensichtlich der richtige Mann zu sein. Korruption ist in dem ärmsten
Staat der EU ein leidiges Dauerthema. Und der ist Radew, anders als der
langjährige Regierungschef Bojko Borissow, absolut unverdächtig.
Auch seine Skepsis gegenüber Sofias Beitritt zur Eurozone am 1. Januar
2026, über den er in einem Referendum hatte abstimmen lassen wollen, dürfte
viele Wähler*innen abgeholt haben. Nicht erst seit diesem Stichtag
spüren die Bulgar*innen massive Preisanstiege schmerzhaft in ihren
Portemonnaies.
[2][Radews Affinität zu Russlands Präsident Wladimir Putin], die er auch im
Wahlkampf unverhohlen und demonstrativ zur Schau stellte, tat ein Übriges.
Seine eindeutige Positionierung gegen Militärhilfen für die Ukraine sowie
das Mantra, Bulgarien laufe Gefahr, in diesen Krieg hineingezogen zu
werden, fielen auf fruchtbaren Boden.
## Orbáns Nachfolger?
Und jetzt? Neues Spiel, neues Glück? Abwarten! Zwar stehen die Chancen gut,
dass Radew sogar eine absolute Mehrheit erreicht hat. Er könnte jedoch auf
einen Koalitionspartner angewiesen sein. Und da wird es dünn. Noch vor den
Wahlen hatte er eine Koalition mit dem proeuropäischen liberalen Bündnis
Wir setzen die Veränderungen fort – Demokratisches Bulgarien (PP-DB)
ausgeschlossen.
Am Sonntagabend hörte sich das schon etwas anders an. Zwar will auch die
PP-DB der Korruption zu Leibe rücken. Doch was die Haltung zu Russland und
dem Ukrainekrieg angeht, könnten die Positionen unterschiedlicher nicht
sein. Wie auch immer die Endergebnisse lauten werden, eins ist schon jetzt
klar: Nach der [3][Abwahl des ungarischen Regierungschefs Viktor Orbán]
muss sich die EU mit Radew jetzt auf einen schwierigen Partner in Sofia
einstellen.
20 Apr 2026
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(DIR) Barbara Oertel
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