# taz.de -- Neuwahl in Bulgarien gestartet: Ex-Staatschef Radew gilt als Favorit
       
       > In Bulgarien folgt eine Wahl auf die andere. Der als prorussisch geltende
       > Ex-Präsident Rumen Radew liegt in Umfragen vorne. Wird er der neue Orban?
       
 (IMG) Bild: Ein Mann gibt seine Stimme in einem Wahllokal ab. Es ist die achte Parlamentswahl in Bulgarien binnen fünf Jahren
       
       dpa | Im EU- und Nato-Land Bulgarien hat eine vorgezogene Parlamentswahl
       begonnen. Rund 6,5 Millionen Bulgarinnen und Bulgaren sind aufgerufen, bis
       20.00 Uhr Ortszeit (19.00 MESZ) ihre Stimme abzugeben. Es ist bereits die
       achte Parlamentswahl seit April 2021. In Sofia ist eine Interimsregierung
       im Amt.
       
       Klarer Favorit ist allen Prognosen zufolge eine neue Koalition namens
       Progressives Bulgarien (PB) um [1][Ex-Präsident Rumen Radew]. Der
       62-jährige Ex-General hatte der Korruption den Kampf angesagt. Er dürfte
       demnach bis zu 34 Prozent der Stimmen auf seine Koalition vereinigen.
       
       Die Neuwahl war nach Massenprotesten gegen Korruption und [2][nach dem
       Rücktritt der prowestlichen Koalitionsregierung um das konservative Bündnis
       Gerb-SDS im Dezember 2025] notwendig geworden. Gerb-SDS kommt den Umfragen
       zufolge jetzt auf höchstens 20 Prozent der Stimmen.
       
       Sowohl Radew als auch der liberal-konservative proeuropäische Verband
       PP-DB, der Umfragen zufolge mit rund 12 Prozent als drittstärkste Kraft
       abschneiden könnte, streben eine Justizreform an. Zudem wollen sie das
       Modell einer ihren Worten nach korrupten Regierungsführung von Gerb-SDS
       abbauen. Ins Parlament in Sofia dürften mindestens fünf politische Kräfte
       einziehen.
       
       ## Radew will bulgarischer Magyar sein
       
       Der frühere Kampfjet-Pilot Radew war im Januar vom Amt des
       Staatspräsidenten zurückgetreten – ein Jahr vor dem Ende seiner zweiten
       Amtszeit – um an der Wahl teilzunehmen. Als Staatsoberhaupt galt Radew noch
       als russlandfreundlich und setzte sich für einen Dialog mit Moskau ein.
       
       Als Vorbild für seine Ukraine-Politik sieht Radew jetzt den [3][Wahlsieger
       der Parlamentswahl in Ungarn, Peter Magyar]. In einem Fernsehinterview
       sagte Radew, Bulgarien werde sich, falls er Regierungschef werden sollte,
       nicht finanziell an Militärhilfen für die Ukraine beteiligen, aber
       Entscheidungen darüber nicht blockieren.
       
       Russische Zeitungen sehen Radew jedoch als den „bulgarischen Orban“. „Bei
       einem Sieg der von Radew geführten Partei wird sich der außenpolitische
       Kurs Bulgariens ändern: Sofia wird mit großer Wahrscheinlichkeit für
       Brüssel ebenso ‚unbequem‘ werden wie Budapest“, schrieb etwa die
       Tageszeitung „Nesawissimaja Gaseta“.
       
       ## Vorwurf des Stimmenkaufs und der Wahlbeeinflussung
       
       Der Wahlkampf war ebenso wie bei früheren Abstimmungen überschattet vom
       Verdacht des Stimmenkaufs. Hunderte verdächtige Personen wurden deswegen
       festgenommen. Beschlagnahmt wurden amtlichen Angaben zufolge Geldsummen im
       Gesamtwert von einer Million Euro, die für den Kauf von Wählerstimmen
       bestimmt gewesen seien. Eine Stimme soll zwischen 50 und 100 Euro kosten.
       
       Wegen Verdachts der Wahlbeeinflussung aktivierte die Interimsregierung des
       Landes das EU-System zur Bekämpfung von Desinformation und Einflussnahme
       aus dem Ausland. Beobachter der Organisation für Sicherheit und
       Zusammenarbeit in Europa (OSZE) sind vor Ort.
       
       19 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Bulgarien-streitet-ueber-die-Nato/!6022919
 (DIR) [2] /Bulgariens-Regierung-tritt-zurueck/!6137475
 (DIR) [3] /Wie-die-Opposition-Orban-besiegen-konnte/!6168144
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Bulgarien
 (DIR) Sofia
 (DIR) Europäische Union
 (DIR) Viktor Orbán
 (DIR) Wladimir Putin
 (DIR) Bulgarien
 (DIR) Bulgarien
 (DIR) Bulgarien
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Ex-Präsident Radew siegt in Bulgarien: Die EU muss sich auf einen schwierigen Partner einstellen
       
       Ex-Präsident Rumen Radew hat die Parlamentswahlen in Bulgarien klar
       gewonnen. Er ist für viele der richtige Mann, auch mit seiner
       demonstrativen Nähe zu Putin.
       
 (DIR) Parlamentswahl in Bulgarien: Die Rumen-Show
       
       Die Bulgaren wählen – zum achten Mal seit 2021. Aussichtsreichster Kandidat
       ist Ex-Präsident Rumen Radew, ein Populist und Russlandfreund.
       
 (DIR) Bulgarien in Dauerkrise: Sofia wieder kopflos
       
       Seit 2020 haben die Bulgar:innen sieben Mal gewählt. Im Frühjahr dürfen
       sie erneut an die Wahlurne. Sie sind nicht einmal mehr genervt.
       
 (DIR) Rücktritt in Bulgarien: Rumen Radew geht
       
       Der bulgarische Präsident reicht seinen Rücktritt ein. Als Gründer einer
       Partei könnte er bei den nächsten Wahlen weiter in der Politik mitmischen.