# taz.de -- Klimademo in Hamburg: Raus aus der linksgrünen Bubble
> In Hamburg demonstrierten am Samstag 15.000 Menschen für die Energiewende
> und gegen Wirtschaftsministerin Katherina Reiche wegen ihres fossilen
> Kurses.
(IMG) Bild: Sehnsucht nach dem Wirtschaftsminister, der Deutschland gut durch die Energiekrise zu Beginn des Kriegs gegen die Ukraine brachte
Rund 15.000 Menschen haben am Samstag am [1][Hamburger Jungfernstieg für
die Energiewende] protestiert. Gleich zu Beginn weisen die Moderatorinnen
auf das breite Bündnis hin, das die Demonstration organisiert hat: „Wir
stehen hier nicht nur mit Klimaschützer:innen, sondern auch mit
Mieter:innen und Menschen aus der Energiebranche.“
Raus aus der linksgrünen Bubble, [2][erneuerbare Energien als Thema für
alle]: Quantitativ ging die Strategie auf. Beim letzten Klimastreik in
Hamburg im November waren es laut Fridays for Future nur etwa 1.000.
Damals war allerdings die weltpolitische Lage eine andere. Seit dem Beginn
des Irankriegs erkennen immer mehr Menschen Öl und Gas als
„Sicherheitsrisiko“, wie es Constantin Zerger von der Deutschen Umwelthilfe
in seiner Rede ausdrückt. „Eine Wärmepumpe muss nicht durch die Straße von
Hormus transportiert werden, und für Batteriespeicher und Windräder hat
noch nie ein US-Präsident einen Krieg angezettelt“, ruft er der Menge
entgegen.
Mehr noch als durch sicherheitspolitische Fragen scheinen die Menschen in
Hamburg jedoch durch ein gemeinsames Feindbild zusammenzufinden. Als Zerger
die Wirtschaftsministerin erwähnt, hallen erste Buhrufe über den Platz.
„Was haltet ihr von Katherina Reiche?“, fragt er und erntet laute Pfiffe
und „Reiche muss weg“-Sprechchöre. Aus der Menge ragen Schilder mit
Sprüchen wie „Reiche hinter Gitter“, „Die Gashexe muss weg“ oder „Kein
Profit für Reiche und Scheiche“.
## Zum ersten Mal auf einer Demo
„Ich finde, es ist höchste Zeit, dass so [3][Leute wie Reiche] keine
Politik mehr machen“, sagt Barbara Klietz. Die 61-jährige Krankenschwester
ist aus Hannover angereist. Es ist nicht ihre erste Klimademonstration,
doch dieses Mal ist etwas anders. Es seien mehr Menschen aus ihrer
Generation dabei, sagt Klietz. Tatsächlich ist das Alter der
Demonstrierenden augenscheinlich durchmischter als bei den meisten
Fridays-for-Future-Aktionen.
„Das ist meine erste Demo überhaupt“, sagt Werner Hladil, während sich der
Demozug in Bewegung setzt. Neben ihm geht Werner Bodora. Die beiden Rentner
haben sich eben erst kennengelernt, nun marschieren sie gemeinsam durch die
Mönckebergstraße. Bodora war schon einmal demonstrieren. Vor mehr als
sechzig Jahren.
Was hat die beiden heute auf die Straße gebracht? „Es ist einfach
unerträglich, zuzugucken, wie die Energiekrise mit Füßen getreten wird“,
sagt Hladil. Er selbst habe bereits 2004 seine erste Photovoltaikanlage
aufs Dach gebaut. Mittlerweile sei er in guten Monaten zu 95 Prozent
energieautark.
Geschichten wie seine hört man unter den Demonstrierenden immer wieder.
Viele, die heute zum ersten Mal auf der Straße sind, erzählen von guten
Erfahrungen mit der eigenen Wärmepumpe, dem E-Auto oder der PV-Anlage auf
dem Dach. Im Privaten ist die Energiewende längst angekommen. Zumindest bei
denen, die es sich leisten können.
Zu verdanken ist das auch Handwerkern wie Michael Hoppe. 1996 habe er seine
Ausbildung im Betrieb seines Großvaters gemacht, erzählt er auf der
Demo-Bühne. „Ich habe nicht gewusst, welche Verantwortung auf mich zukommt,
wenn ich Heizungsbauer werde.“ Bald habe er jedoch verstanden, dass Öl und
Gas endliche Ressourcen sind. „Wir wissen seit dreißig Jahren, dass wir
aufs falsche Pferd setzen“, sagt er aufgebracht, „und heute versuchen wir
das tote Pferd zu satteln, ihm einen neuen Namen zu geben und wieder in
Bewegung zu setzen.“ Noch immer heize der Großteil der Deutschen mit
fossilen Energieträgern.
Gegen Ende der Schlusskundgebung verkünden die Moderatorinnen unter dem
Jubel der Demonstrierenden, insgesamt seien 80.000 Menschen bei den
Demonstrationen in Berlin, Hamburg, Köln und München zusammengekommen.
19 Apr 2026
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## AUTOREN
(DIR) Jannik Hiddeßen
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