# taz.de -- Geflüchtete aus Senegal in Deutschland: „Sicher“ trotz Anti-Homosexuellen-Gesetz
> Senegal bestraft Homosexuelle mit bis zu 10 Jahren Haft. Die
> Bundesregierung sieht keinen Grund, die Einstufung als „sicherer
> Herkunftsstaat“ zu ändern.
(IMG) Bild: Proteste gegen LGBT-Rechte in Dakar im März
Die Bundesregierung hält an der Einstufung von Senegal als sogenannter
sicherer Herkunftsstaat fest, obwohl queere Personen dort immer stärker
diskriminiert werden. Daran ändert selbst [1][ein neues Gesetz] nichts, das
Homosexualität in dem afrikanischen Staat mit bis zu zehn Jahren Haft
bestraft, wie aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der
grünen Parlamentarischen Geschäftsführerin Filiz Polat hervorgeht. Senegal
müsse „umgehend“ von der Liste der sicheren Länder gestrichen werden, sagte
Polat der taz.
Die Lage für Homosexuelle ist [2][in Senegal] schon länger schwierig,
Homosexualität steht seit Jahren unter Strafe. In den letzten Wochen nahm
die Diskriminierung durch die Behörden aber noch weiter zu. Am 11. März
beschloss das Parlament ein neues Gesetz, das die Strafe für angebliche
„widernatürliche Handlungen“ auf bis zu zehn Jahre Gefängnis erhöht.
In ihrer Antwort auf Polats Anfrage verwies die Bundesregierung am 25. März
noch darauf, das Gesetz sei „bislang nicht in Kraft, sodass derzeit keine
Veränderung der Rechtslage im Sinne des § 29a Abs. 3 AsylG vorliegt.“
In der Zwischenzeit hat der Senegals Präsident Bassirou Diomaye Faye das
Gesetz aber unterzeichnet, womit es auch in Kraft getreten ist. Es gab
bereits ein erstes Urteil: In einem Vorort der Hauptstadt Dakar verurteilte
ein Gericht einen 24-Jährigen zu sechs Jahren Haft und einer Geldstrafe von
rund 3.000 Euro.
## Einstufung als sicheres Herkunftsland hat drastische Auswirkungen
Dennoch gebe es bislang keine Bestrebungen, die Einstufung als sicheres
Herkunftsland zu ändern, teilte eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums
auf eine Anfrage der taz am Mittwoch mit. Das Gesetz sei „erst kürzlich in
Kraft getreten“. Und weiter: „Die Bundesregierung beobachtet die weitere
Entwicklung in Senegal fortlaufend.“ Weitere Informationen gibt es nicht.
Polat sagte dazu: „Mit dem Gesetz hat sich die Situation queerer Menschen
in der Republik Senegal drastisch verschlechtert.“ Die Bundesregierung
dürfe „nicht länger in Kauf nehmen, dass geflüchtete LSBTIQ-Personen
dorthin abgeschoben werden“.
Die [3][Einstufung als sicheres Herkunftsland] hat drastische Konsequenzen
für Menschen, die von dort fliehen müssen. Deutsche Behörden gehen davon
aus, dass in solchen Ländern prinzipiell keine Verfolgung droht. Fast alle
Asylanträge werden deshalb als „offensichtlich unbegründet“ abgelehnt. Das
macht es sehr schwer, juristisch gegen die Entscheidung vorzugehen.
Zuletzt hat der Bundestag zudem eine Reform des Prozesses beschlossen, in
dem über die Einstufung als sichere Herkunftsstaaten entschieden wird.
Dafür soll künftig eine einfache Rechtsverordnung der Bundesregierung
genügen, ohne dass wie bisher Bundestag und Bundesrat zustimmen müssen.
16 Apr 2026
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## AUTOREN
(DIR) Frederik Eikmanns
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