# taz.de -- LGBTQ-Rechte in Senegal: „Homosexuelle werden in diesem Land nicht mehr atmen können“
       
       > Senegal hat die Strafen für Homosexualität drastisch verschärft. Ein
       > neues Gesetz sieht bis zu zehn Jahre Haft für „widernatürliche
       > Handlungen“ vor.
       
 (IMG) Bild: In Senegal wird hart gegen Homosexualität vorgegangen: Die Abgeordneten freuen sich über die neue Strafverschärfung
       
       Mit 135 Ja-Stimmen, drei Enthaltungen und null Gegenstimmen hätte das
       Ergebnis der Parlamentsabstimmung am späten Mittwochabend wohl kaum
       eindeutiger ausfallen können. Im westafrikanischen Senegal soll
       Homosexualität künftig mit bis zu zehn Jahren Haft bestraft werden können.
       Damit verdoppelt sich das Strafmaß. Zuvor waren gleichgeschlechtliche
       Beziehungen mit ein bis fünf Jahren strafbar.
       
       Auch sieht das Gesetz zum Verbot „widernatürlicher Handlungen“ eine
       Erhöhung der Geldstrafen auf 2 bis 10 Millionen CFA-Francs (etwa 3.000 bis
       15.000 Euro) vor, gegenüber den bisher geltenden 100.000 bis 1.500.000
       CFA-Francs (rund 150 bis 2.300 Euro). Auch die „Förderung und Finanzierung
       von Homosexualität“ kann künftig strafrechtlich verfolgt werden. Darunter
       fällt unter anderem aufklärende Arbeit von Menschenrechtsorganisationen
       oder Zivilgesellschaft.
       
       ## Fast täglich neue Verhaftungen
       
       Um in Kraft zu treten, bedarf es nun nur noch der Unterschrift von
       [1][Präsident Bassirou Diomaye Faye]. Damit hat das Land in Rekordzeit den
       Gesetzentwurf zur Unterdrückung von LGBTQ ratifiziert. Premierminister
       Ousmane Sonko hatte den Vorschlag gerade mal am 24. Februar ins Parlament
       eingebracht. Sonko, der politische Kopf der Regierungspartei Pastef, hatte
       sich bereits früher offen homophob geäußert. Während das Gesetz über
       „widernatürliche Handlungen“ auch Nekrophilie und Zoophilie einschließt,
       konzentriert sich die öffentliche Debatte in Senegal hauptsächlich auf
       Homosexualität.
       
       Seit der Festnahme von einer Gruppe von Männern, darunter zwei lokale
       Prominente, Anfang Februar, ist das Thema brisanter denn je. Seither kommt
       es im ganzen Land zu Verhaftungen, fast täglich berichtet die lokale Presse
       über neue Fälle. Auch in der Parlamentsdebatte, die sich am Mittwoch über
       Stunden zog, zeigte sich das aufgeheizte Klima: „Homosexuelle werden in
       diesem Land nicht mehr atmen können. Homosexuelle werden in diesem Land
       keine Meinungsfreiheit mehr haben“, erklärte die Abgeordnete der
       Regierungspartei Pastef, Diaraye Bâ, unter Beifall.
       
       ## Klima der Angst
       
       Stimmen, die sich öffentlich für LGBTQ-Rechte aussprechen, sind nicht zu
       finden. Selbst die drei Abgeordneten, die sich bei der Abstimmung lediglich
       enthielten – Thierno Alassane Sall, Abdou Mbow und Thérèse Faye – sehen
       sich heftiger Kritik ausgesetzt. Die Nachrichtenseite Seneweb titelte etwa:
       „Die drei Abgeordneten, die nicht abgestimmt haben, sind bekannt.“
       
       Zugleich breitet sich im Land unter der LGBTQ-Gemeinschaft ein Klima der
       Angst aus. Viele Websites von senegalesischen LGBTQ-Gruppen, die zuvor
       offen gearbeitet hatten, sind deaktiviert und Menschenrechtsorganisationen
       berichten, dass die Zahl an LGBTQ-Personen, die im Ausland Schutz suchen,
       seit Anfang Februar merklich gestiegen ist. „Senegal ist nicht das einzige
       afrikanische Land, dass in den letzten Jahren Gesetze gegen Homosexualität
       verabschiedet hat“, sagt [2][Matt Beard von der Organisation All Out].
       
       Im Unterschied [3][zu Ländern wie Uganda, was 2023 eines der schärfsten
       Gesetze weltweit verabschiedet hatte], würde die internationale
       Aufmerksamkeit bisher vergleichsweise gering ausfallen. „Das hat direkte
       Auswirkungen auf die LGBTQ-Gruppen in Senegal, die bisher nur wenig Schutz
       erfahren“, so Beard. Obwohl das Gesetz offiziell noch nicht in Kraft ist,
       seien die Auswirkungen bereits jetzt deutlich spürbar.
       
       ## Vermeintlich „senegalesische Werte“
       
       In der Regierungspartei Pastef wird die Verschärfung des Gesetzes als Teil
       eines größeren politischen Projekts präsentiert, nämlich die Verteidigung
       „senegalesischer Werte“ gegen vermeintlichen kulturellen Einfluss aus dem
       Westen. Die Initiative wird als Beitrag zu einem „Erwachen“ Senegals und
       Afrikas gegen Neokolonialismus und kulturellen Imperialismus dargestellt.
       Ein Narrativ, das vor allem Premierminister Ousmane Sonko seit Jahren
       pflegt.
       
       Insbesondere im Wahlkampf 2024 setzte Sonko stark auf die Betonung
       nationaler Souveränität und die Loslösung von der ehemaligen Kolonialmacht
       Frankreich. Dass er nun als treibende Kraft hinter der Verabschiedung des
       Gesetzes steht, wird als Teil der Einlösung von Pastefs Wahlversprechen
       gesehen.
       
       12 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Senegals-Linksregierung-stellt-Plaene-vor/!6059250
 (DIR) [2] https://action.allout.org/en/m/783d433d/
 (DIR) [3] /Antihomosexualitaetsgesetz-in-Uganda/!6155429
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Helena Kreiensiek
       
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