# taz.de -- Berlin will dritte IBA ausrichten: Bauklötzchen staunen
       
       > Internationale Bauausstellung: Was kann ein solches Format heute noch
       > bewirken? Und wer hat dabei das Sagen? Da hilft auch ein Blick nach
       > Hamburg.
       
 (IMG) Bild: Hamburg-Wilhelmsburg, ein Stadtteil, der von der IBA geprägt wurde: Ein Wandgemälde, das auf dem Energiebunker gemalt wurde
       
       Die Admiralstraße in Berlin-Kreuzberg ist für die Feierwütigen der
       Durchgang zum Glück. An lauen Sommerabenden zieht es sie vom Kottbusser Tor
       zur Admiralbrücke am Landwehrkanal. Bis in die Puppen wird zum Ärger der
       Anwohner getrunken, musiziert, gelacht. Es ist die Kehrseite einer
       wiederbelebten Innenstadt.
       
       Dass der Kreuzberger Kiez wieder voller Leben ist, geht auf die achtziger
       Jahre zurück. Ein radikales Umdenken hatte damals die Baupolitik in
       Westberlin erfasst. Statt der geplanten Kahlschlagsanierung lautete die
       Devise in Kreuzberg fortan: Lückenschließung und Instandsetzung.
       
       Verantwortlich für dieses Umdenken waren nicht nur Stadtteilinitiativen und
       HausbesetzerInnen, die sich lautstark gegen den Flächenabriss wehrten. Es
       war auch eine ungewöhnliche Zusammenarbeit mit dem Senat und dem Bezirk
       unter dem Dach einer [1][Internationalen Bauausstellung, kurz IBA].
       
       „Mit der IBA hat die Verwaltung gelernt, neue Wege zu gehen und zu
       experimentieren“, erinnert sich Franziska Eichstädt-Bohlig, Mitgründerin
       des alternativen Sanierungsträgers Stattbau und später grüne Baustadträtin
       in Kreuzberg. Für die neuen Wege gibt es seit der Internationalen
       Bauausstellung 1987 einen Begriff: behutsame Stadterneuerung.
       
       Darüber hinaus habe die internationale Aufmerksamkeit durch die
       Bauausstellung Berlin den Ruf eingebracht, wohnungspolitisch eine ganz
       besonders engagierte Stadt zu sein, sagt Eichstädt-Bohlig.
       
       Auch in der Admiralstraße ist das zu sehen. Mit dem [2][„Wohnregal“, einer
       schlichten Bebauung einer Kriegslücke], hat eine Genossenschaft gezeigt,
       dass Neubau kein Privileg für Investoren ist. Vielleicht ist das die gute
       Nachricht bei all dem sommerlichen Lärm. Die Anwohner, die genervt sind,
       sind nicht verdrängt worden. Sie sind immer noch da.
       
       ## Neue IBA mit vielen Fragezeichen
       
       Nun soll es nach der [3][Interbau im Hansaviertel 1957] und der IBA 1987
       eine neue Internationale Bauausstellung in Berlin geben. Das hat der
       CDU-SPD-Senat im März beschlossen. Der Titel der von 2034 bis 2037
       geplanten Ausstellung ist allerdings weniger griffig als damals die
       behutsame Stadterneuerung in Kreuzberg. Er lautet „Urbane Transformation
       der gebauten Stadt“.
       
       „Wir wollen Berlin national und international als Standort für
       zukunftsfähigen Städtebau positionieren“, [4][erklärte
       Stadtentwicklungssenator Christian Gaebler (SPD)] das Vorhaben. „Zentrale
       Arbeitsfelder sind der sensible Weiterbau bestehender Quartiere, der Umbau
       untergenutzter Räume und Gebäude sowie der Neubau auf bislang anders
       genutzten Flächen.“
       
       Franziska Eichstädt-Bohlig überzeugt das noch nicht so ganz. „Natürlich
       gibt es bei vielen eine große Sehnsucht, in Berlin wieder neue Wege zu
       gehen und die Themen Klima, Umbau, Boden, Entsiegelung, Wasser beispielhaft
       in Angriff zu nehmen“, sagt sie der taz.
       
       Auf der anderen Seite gebe es aber auch Verbände, die die Hoffnung hegen,
       dass die IBA ein Booster für die Bauwirtschaft wird. „Da schwelt im
       Hintergrund ein großer Machtkampf um die Ausrichtung der IBA, der noch
       nicht entschieden ist“, hat Eichstädt-Bohlig beobachtet.
       
       Die Skepsis ist nicht geringer geworden, nachdem der Senat auch verraten
       hat, wo sich die einzelnen Projekte einer neuen IBA konzentrieren könnten.
       Es ist der Berliner S-Bahn-Ring, das Scharnier zwischen der kulturell grün
       geprägten, von eben einem S-Bahn-Ring umschlossenen Innenstadt und dem eher
       von der CDU dominierten Stadtrand.
       
       Dort, wo die stadtauswärts führenden Radialen auf den Ring treffen, sieht
       Gaebler großen Transformationsbedarf. Die Rede ist dabei von einer
       „symbolischen Überwindung dieser Schwelle unterschiedlicher Lebenswelten“,
       aber auch vom Wunsch, „schlafende Riesen“ zu wecken.
       
       Ist es Zufall, dass die Berliner CDU ausgerechnet an diesen Scharnieren
       neue Hochhäuser bauen will? „Radikal vertikal – Hochhäuser als Leuchttürme
       der Stadtentwicklung“, lautet ihr [5][Plan für ein neues Hochhausleitbild]
       für Berlin. Als räumliche Schwerpunkte werden neben dem Alexanderplatz im
       Osten der Stadt und der City West auch „der S-Bahn-Ring mit großen
       überörtlichen Stadtstraßen“ genannt.
       
       Politische Unterstützung bekommt die CDU vom einflussreichen
       [6][Architekten- und Ingenieurverein (AIV]). „Besonders die geplante
       räumliche Fokussierung entlang des S-Bahn-Rings bewertet der AIV positiv“,
       teilte nach dem Senatsbeschluss Vorstand Tobias Nöfer mit. „Die Entwicklung
       dieser bestens erschlossenen Übergangsräume zwischen innerer und äußerer
       Stadt könnte dazu beitragen, bestehende Barrieren zu überwinden, Quartiere
       besser zu vernetzen und neue qualitätsvolle Lebensräume zu schaffen.“
       
       Franziska Eichstädt-Bohlig sagt dazu: „Eine IBA, die entlang des
       S-Bahn-Rings nur neue Hochhäuser bauen will, kann man in die Tonne treten.“
       Stattdessen fordert sie, ähnlich wie 1987 in Kreuzberg, das Thema Mieten
       und Bauwende in den Fokus zu rücken. „Warum macht Berlin keine
       ‚Klima-IBA‘?“, fragt sie.
       
       ## Hamburgs Sprung über die Elbe
       
       Um zu sehen, was eine IBA zum Thema Klima bewirken kann, lohnt es sich,
       [7][auf den ehemaligen Flakbunker] in der Rotenhäuser Straße in
       Hamburg-Wilhelmsburg zu steigen. Das ist ein 40 Meter hoher Betonklotz aus
       dem Zweiten Weltkrieg – so massiv, dass die Briten darauf verzichteten, ihn
       komplett zu sprengen, und nur das Innere zerstörten.
       
       Heute ist der Bunker wieder begehbar. Von seinem umlaufenden Balkon lässt
       sich der gesamte Stadtteil überschauen. Ein Teil der meterdicken Betonwand
       ist aufgeschnitten für die [8][Glasfassade eines Cafés]. Das Dach
       überspannt eine Solarthermieanlage, die Südseite ist mit Photovoltaik
       überzogen, und im Inneren befindet sich ein Wassertank mit zwei Millionen
       Litern. Er puffert das Nahwärmenetz des anschließenden Wohnviertels.
       
       Die [9][IBA Hamburg] sei ein Labor gewesen, wo sich auf engstem Raum alles
       Mögliche an Technologie ausprobieren ließ, erinnert sich Joel Schrage, der
       an der damaligen Planung beteiligt war. „Heute hat Wilhelmsburg in großen
       Teilen die Möglichkeit, regenerative Wärme zu beziehen – das wäre ohne den
       damaligen Input nicht möglich“, sagt Schrage, der heute für die kommunalen
       [10][Hamburger Energiewerke (HEnW)] ähnliche Projekte realisiert.
       
       Die IBA von 2006 bis 2013 sollte zeigen, wie eine Großstadt die
       Herausforderungen des 21. Jahrhunderts meistern kann: Neben dem Klimawandel
       gehörten dazu die Themen „Kosmopolis“, die Stadt in der Globalisierung und
       „Metrozonen“, die inneren Stadtränder.
       
       Wilhelmsburg liegt als Elbinsel zwischen der Innenstadt und Harburg,
       zwischen dem Hafen mit seinen Industrie- und Umschlagbetrieben auf der
       einen und feuchten Marschwiesen auf der anderen Seite. Der Stadtteil ist
       geprägt von Einwanderern. Hier gibt es Gründerzeitviertel ebenso wie
       Einzelhaus- und Hochhausquartiere, von denen einige vor der IBA ziemlich
       heruntergekommen waren. Eine mehrgleisige Bahnlinie, eine Autobahn und eine
       Schnellstraße durchschnitten den Stadtteil. Wer hier wohnte, verschwieg es
       bei Bewerbungen.
       
       Dass es zu der Bauausstellung kam, geht auch auf die Zivilgesellschaft auf
       der Elbinsel zurück, die sich mit dem Zustand nicht abfinden wollte. „Wir
       wollten erreichen, dass dieser Zug zum Rechtsradikalismus gebremst wird“,
       erinnert sich Michael Rothschuh, der die IBA als engagierter Bürger
       begleitet hat, mit Blick auf den damaligen Erfolg der Rechts-außen-Partei
       Rechtsstaatliche Offensive des Richters Ronald Schill. Das sei gelungen,
       wie sie auch insgesamt das Image des Stadtteils verbessert habe. „Man wird
       nicht mehr blöd angeguckt, wenn man aus Wilhelmsburg kommt“, sagt
       Rothschuh.
       
       ## Wichtig sind öffentliche Mittel
       
       Stadtplanerisch legte es die bereits im Bau befindliche Hafencity nördlich
       der Elbe nahe, diese Entwicklung nach Süden weiterzutreiben. Die Rede war
       vom „Sprung über die Elbe“, der dann als springendes Männchen auch zum Logo
       der IBA wurde. Zudem hatte der Senat bereits für das Jahr 2013 eine
       [11][Internationale Gartenschau] geplant, mit der sich eine IBA verbinden
       ließ. Trotzdem war das Projekt kein Selbstläufer. „Am Anfang gab es kaum
       Investoren, die Interesse hatten“, erinnert sich Sabine de Buhr. Sie war
       die städtebauliche Leiterin der IBA während der Projektzeit und bekleidet
       diese Funktion auch heute noch in der städtischen Projektgesellschaft, in
       die die IBA-Gesellschaft übergegangen ist.
       
       In die Bresche sprangen zunächst Bauherren wie das städtische
       Wohnungsunternehmen Saga. Mit einem Etat von 90 Millionen Euro gelang es
       der IBA-Gesellschaft aber, eine Vielzahl von Projekten anzuschieben und
       Aufmerksamkeit in den Stadtteil zu lenken. Nach eigenen Angaben hat sie
       private Investitionen im Umfang von 700 Millionen und öffentliche
       Investitionen von 300 Millionen Euro ausgelöst.
       
       „Ohne öffentliches Geld zur Qualifizierung und Förderung investiver
       Maßnahmen haben es IBAs schwer“, sagt de Buhr mit Blick auf den Etat. Uli
       Hellweg, der Kurator der Hamburger IBA, weist darauf hin, dass schon vor
       der IBA viel öffentliches Geld nach Wilhelmsburg geflossen sei. „Die
       Bauausstellung hat es aber ermöglicht, öffentliche Mittel koordiniert und
       konzentriert einzusetzen.“
       
       Aus ihrem Etat bezuschusste die IBA Extras, die sich nicht gerechnet
       hätten, etwa weil sie zu neu, zu aufwendig oder zu experimentell, sprich
       riskant gewesen wären. Zu sehen war das in der „IBA in der IBA“, einem
       Cluster experimenteller mehrstöckiger Wohngebäude. Es entstanden Häuser in
       einem See mit eigenem Bootssteg, ein Holzhaus und das Algenhaus mit einer
       Fassade aus Glasröhren mit CO2-fressenden Algen, die Wärme und Biomasse
       erzeugen, aus der wiederum Strom gemacht wird.
       
       Bei ihren Projekten versuchten die IBA-Macher jeweils mehrere Themenfelder
       abzudecken. Neben dem Energiebunker wurden für dessen Nahwärmenetz die
       alten Arbeiterhäuser eines ganzen Straßenzugs klimafreundlich saniert. Nach
       Abschluss der Arbeiten konnten die alten Bewohner zu minimal erhöhten
       Warmmieten wieder einziehen. In das Nahwärmenetz speisen die benachbarten
       Nordischen Oelwerke ihre Abwärme ein. Die Nachbarschaft der Oelwerke leide
       zwar noch immer unter deren Geruch, sagt de Buhr. Unterm Strich steht für
       sie aber ein Erfolg: „Wir haben es geschafft, dass diese Nutzungen
       nebeneinander bestehen bleiben.“
       
       Den Straßenzug am Energiebunker titulierten die Planer „Weltquartier“, weil
       hier Menschen aus 30 verschiedenen Nationen wohnten. „Das Thema
       ‚Kosmopolis‘ wurde immer im Kontext von Problemen verhandelt“, sagt
       Stadtplanerin Sabine de Buhr. „Wir haben versucht, das im Kontext von
       Stärke zu betrachten.“ Das Viertel wurde nicht nur energetisch saniert,
       sondern im Rahmen einer „interkulturellen Planungswerkstatt“ nach den Ideen
       der Bewohner umgestaltet.
       
       Mit Blick auf die multikulturelle Nachbarschaft wurde unweit des
       Energiebunkers ein Sprach- und Bewegungszentrum gebaut, basierend auf dem
       Gedanken, dass sich Sprachen in Verbindung mit Bewegung leichter lernen
       lassen. Allerdings ist das Konzept zurzeit nicht mit Leben gefüllt. Die
       Räume werden wie eine einfache Sporthalle genutzt. Etwas mehr bietet die
       [12][Tor-zur-Welt-Schule], mit der der Versuch unternommen wurde, eine
       Schule zu einem Bildungszentrum für den Stadtteil zu machen, das auch die
       Eltern anspricht.
       
       Klar ist aus Sicht ehemals Beteiligter, dass die Fokussierung auf das
       Präsentationsjahr eine besondere Dynamik erzeugt hat. „Es ist ein
       begrenzter Zeitraum, in den man ganz viel Kraft investiert“, sagt de Buhr.
       Der begrenzte Zeithorizont erzwinge eine enge Abstimmung zwischen den
       verschiedenen Akteuren und erhöhe deren Konsensfähigkeit, sagt auch
       Energieplaner Schrage. „Es wäre wünschenswert, wenn diese Art der
       Zusammenarbeit auch im Normalbetrieb funktionieren könnte.“
       
       Ohne die IBA wäre es wohl auch nicht zu einer Verlegung der Wilhelmsburger
       Reichsstraße gekommen, einer Kraftfahrstraße mitten durch den Stadtteil.
       Rechtzeitig zum Präsentationsjahr wurde das Planfeststellungsverfahren für
       eine Bündelung mit der Bahnlinie Hamburg–Hannover abgeschlossen. Zwar kam
       der Vorschlag einer Verlegung ursprünglich aus dem Stadtteil – das Ergebnis
       stieß dennoch auf Kritik. Denn statt einer Herabstufung der Schnellstraße,
       wie sie etwa Rothschuh vom Verein Zukunft Elbinsel gefordert hatte, wurde
       die verlegte Straße gemäß den heutigen Vorschriften sogar noch breiter. Im
       Gegenzug hat die Straße jedoch Platz gemacht für drei Quartiere mit 5.000
       Wohnungen.
       
       ## Wie viel Zivilgesellschaft will Berlin haben?
       
       Hamburgs ehemaliger IBA-Chef Hellweg begleitet als Vorstandsmitglied des
       [13][Werkbunds Berlin] auch die Pläne für die neue IBA in Berlin. Dort
       nämlich sieht Hellweg „große Bereiche, wo die Stadtentwicklung stockt und
       Potenziale nicht richtig genutzt werden“.
       
       Den Berliner Planern empfiehlt er, nicht nur auf Hamburg zu schauen,
       sondern auch aus den Erfahrungen der beiden Berliner Bauausstellungen zu
       lernen.
       
       Sehr wichtig für den Erfolg sei die „IBA-Governance“, also eine gute
       Entscheidungs- und Organisationsstruktur. Nötig sei auch
       Experimentierfreude und das Sicheinlassen auf die Fragen der Zeit wie
       Zirkularität und Biodiversität. Da ist Hellweg ganz bei Franziska
       Eichstädt-Bohlig.
       
       Ein gewisses Scheitern erkennt Hellweg in Hamburg bei der Aufgabe, das Erbe
       der IBA zu bewahren. „Am meisten tut mir das beim Thema erneuerbares
       Wilhlemsburg weh“, sagt Hellweg. Da wäre aus seiner Sicht mehr drin
       gewesen. Sosehr eine IBA einen Vorlauf brauche, so nötig sei daher auch ein
       Post-IBA-Prozess.
       
       Für Theresa Keilhacker ist neben der kuratorischen Leitung auch
       entscheidend, wer eigentlich die Akteure der neuen Internationalen
       Bauausstellung in Berlin sein werden. „Berlin ist eine Stadt, in der
       zivilgesellschaftliche Initiativen und Genossenschaften überaus aktiv
       sind“, sagt die ehemalige Präsidentin der Berliner Architektenkammer, die
       auch bei [14][Architects for Future] aktiv ist. „Diese Akteure müssen
       unbedingt in die Planung eingebunden werden“, fordert sie.
       
       Thematisch schlägt Keilhacker vor, das „zirkuläre Bauen“ – also die
       Wiederverwendung von Rohstoffen – zum Vergabekriterium für alle Projekte zu
       machen. Darüber hinaus müsse auch der Berliner Umgang mit Wasser stärker
       thematisiert werden. „Da geht es um Klimaresilienz durch
       Schwammstadtprojekte und die Anhebung des Grundwasserspiegels durch
       sparsameren Umgang, etwa durch Brauchwassernutzung.“ Städtebaulich müsse
       darüber hinaus der Kulturraum Wasser besser erfahrbar werden, etwa durch
       durchgängige Wege entlang der Spree und anderer Gewässer.
       
       Ob dafür der politische Wille vorhanden ist? Das Konzept, das der Senat
       beschlossen habe, schließe die Einbindung von Akteuren aus der
       Zivilgesellschaft und solche Themen nicht aus. „Es könnte aber auch in die
       andere Richtung gehen“, fürchtet Keilhacker. Skeptisch ist sie vor allem,
       weil die Finanzierung vor allem durch private Investoren erfolgen soll. Die
       aber sind, ähnlich wie die Verwaltung, weniger experimentierfreudig. Anders
       als Hamburg hat der Senat bislang nur 70 Millionen Euro für die IBA
       veranschlagt.
       
       Keilhackers Plädoyer für mehr Beteiligung von unten hat eine Initiative aus
       Berlin-Friedrichshain bereits aufgegriffen. „Das SEZ ist ein prototypischer
       Ort für die IBA“, [15][sagt der Architekt Pedro Moreira] vom
       Zusammenschluss Baustelle Gemeinwohl. „Hier kommen die Fragen, welche die
       Internationale Bauausstellung beantworten will, zusammen wie nirgendwo
       sonst in der Stadt.“
       
       Das 1981 eröffnete Sport- und Erholungszentrum (SEZ) war wie der Palast der
       Republik einst ein (beliebter) Prestigebau in der DDR mit Wellenhallenbad,
       Restaurants, Kabarett, Tanzveranstaltungen.
       
       Nach der Wende dagegen wurde es zum Spekulationsobjekt. Ein Investor kam
       den Verpflichtungen nicht nach, den in die Jahre gekommenen Komplex zu
       sanieren. Dem folgte ein langer Rechtsstreit, in dessen Folge das Land
       Berlin das Gelände zurückbekam.
       
       Ende gut, alles gut? Ganz und gar nicht, findet die Initiative, die sich
       für den Erhalt des SEZ einsetzt. Denn der Berliner Senat will es abreißen
       und stattdessen 500 neue Wohnungen bauen. Einen Teilabriss hat jüngst aber
       der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg gestoppt – wegen artenschutzrechtlicher
       Bedenken.
       
       Für die Initiative könnte der Berliner IBA-Beschluss ein Glücksfall sein.
       „Im SEZ kann die IBA Berlin als beteiligende Ausstellung eines laufenden
       Prozesses sofort Gestalt annehmen“, sagt der Architekt Florian Köhl. „Im
       Jahr 2034 wird dann ein präsentabler Höhepunkt erreicht, der als
       Publikumsmagnet im Konzept der IBA wichtig sein wird.“
       
       Sogar die Geschäftsstelle der Internationalen Bauausstellung könne im SEZ
       untergebracht werden, heißt es vonseiten der Initiative. Die wird nicht nur
       von Berlins ehemaliger Bausenatorin Katrin Lompscher (Linke) unterstützt,
       sondern auch von Theresa Keilhacker.
       
       „Wenn wir über Kreislaufwirtschaft sprechen, müssen wir beim Bestand
       anfangen“, sagt Keilhacker. „Das kann am SEZ exemplarisch gezeigt werden.“
       
       4 May 2026
       
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