# taz.de -- Internationale Bauausstellung in Berlin: Marke und Markenzeichen
> Zum dritten Mal will Berlin eine Internationale Bauausstellung
> ausrichten. Ob sie ein Erfolg wird, hängt auch davon ab, wer sie prägen
> wird.
(IMG) Bild: Hübsch saniert: Am Kreuzberger Chamissoplatz
Der „Löwe von Kreuzberg“ wurde [1][Gustav Hämer] manchmal genannt – und das
nicht nur wegen seiner Mähne. Der Löwe hat auch gekämpft. Zum Beispiel
dafür, dass nach einer Altbausanierung keiner der alten Mieter verdrängt
wurde. Hardt-Waltherr, so lautete der offizielle Vorname von Gustav, war
Geschäftsführer der [2][Internationalen Bauausstellung (IBA) von 1987]. Und
der Erfinder der „behutsamen Stadterneuerung“ in Kreuzberg.
Hämers IBA hat Spuren hinterlassen in Berlin. Was heute selbstverständlich
scheint – die Attraktivität der Gründerzeitviertel, Fördermittel für
Sanierung, Bürgerbeteiligung – geht auf die Zeit vor dem Mauerfall zurück,
in der in Westberlin kräftig experimentiert wurde.
Kreuzberg war damals Randlage. Ein Teil der Gründerzeitbauten wurde im
Krieg zerstört, dem Rest drohte – wie schon im Weddinger Gesundbrunnen –
die Kahlschlagsanierung. Erst die zahlreichen Hausbesetzungen stoppten die
Abrisspläne. Und Hämers IBA zeigte schließlich Mittel und Wege auf, die
maroden Altbauten instand zu setzen. IBA-Alt hieß dieser Teil der
Ausstellung. Ein anderer, die IBA-Neu, setzte mit dem Neubau auf den
Brachen auch architektonische Akzente.
Es ist nicht leicht zu sagen, was eine Internationale Bauausstellung
eigentlich ist. Architektonische oder städtebauliche Werkschau, Reallabor
für urbane Herausforderungen, die Suche nach Lösungen, die hinterher in
Serie gehen können. Am ehesten greifbar wird eine IBA in der Rückschau. Am
Markenkern, den sie hinterlassen hat. Gustav Hämers Marke war die Rettung
von Kreuzberg.
## Warum nicht Bauwende?
Gerne würde sich auch Berlins Stadtentwicklungssenator Christian Gaebler
mit einem Markenzeichen schmücken. Hartnäckig und meist geräuschlos hat der
SPD-Politiker in seiner Amtszeit das Ziel verfolgt, in Berlin wieder eine
IBA auszurichten. Es wäre nach der [3][„Interbau“ 1957 im Hansaviertel] und
der IBA von Hämer in Kreuzberg die dritte. Am Dienstag hat der Senat
endlich grünes Licht gegeben.
Von 2034 bis 2037 soll Berlin also wieder Ort der Debatte und der
Präsentation wegweisender Projekte werden. Nicht in der Innenstadt, sondern
dort, wo sie sich trifft mit der Außenstadt – auf beiden Seiten des
S-Bahn-Rings. So könnte die IBA auch dazu beitragen, die Spaltung der Stadt
in eine grüne Innenstadt und eine konservative Außenstadt zu überwinden.
Wäre da nur nicht dieser furchtbare Titel. „Urbane Transformation der
gebauten Stadt“ schriftet die Stadtentwicklungsverwaltung über die neue
IBA. Warum traut sie sich nicht „Bauwende“ zu sagen? Weil das zu sehr von
[4][Architects for Future], Umweltschutzorganisationen oder den Grünen
besetzt ist?
Und warum hat die SPD nichts gelernt aus dem letzten Desaster? Eine von
Rot-Schwarz geplante IBA unter dem Namen „Drinnenstadt wird Draußenstadt“
wurde 2013 gecancelt. Zu sperrig der Titel, zu wenig konkret, zu verkopft,
lauteten einige der Vorbehalte.
Hamburg hat das besser gemacht. Die Bauausstellung, mit der 2013 die bis
dahin eher vernachlässigte Elbinsel mit dem Stadtteil Wilhelmsburg ins
Schaufenster stellte, hatte eine griffige Überschrift: [5][„Sprung über die
Elbe“]. Darunter konnten sich alle was vorstellen, bis hin zu den Mahnern,
die unkten, ob der Sprung nicht etwas zu kurz geraten könnte.
Auch die Internationale Bauausstellung in Brandenburg hatte einen
einprägsamen, wenn auch etwas nostalgischen Namen. [6][Die
IBA-„Fürst-Pückler-Land“], auf der der Strukturwandel in der Lausitz
bereits erprobt wurde, bevor die Mittel vom Bund nach dem Kohleausstieg
flossen, war eine Reminiszenz an jenen „Erdbeweger“ Hermann Ludwig Heinrich
von Pückler-Muskau, der schon einmal eine Landschaft von Grund auf neu
erfunden hatte. Ohne die IBA hätte es zum Beispiel nicht das
„Besucherbergwerk“ bei Finsterwalde gegeben – [7][mit der begehbaren
Förderbrücke F60, einer der größten beweglichen Arbeitsmaschinen der Welt].
Vor allem aber war die Brandenburger IBA erfolgreich, weil an ihrer Spitze
einer stand, der sich schon zu DDR-Zeiten nichts sagen ließ. Rolf Kuhn, bis
dahin Direktor des Bauhauses in Dessau, wagte den Sprung in die Lausitz und
drückte der IBA, nicht immer zur Freude der Politik, den Stempel auf. So
wie einst sein großes Vorbild Karl Ganser, der als Chef der IBA Emscher
Park den Himmel über dem Ruhrgebiet wieder blau gemacht hat.
Keine leichte Aufgabe also liegt da vor der Findungskommission, die für die
zu gründende neue IBA-Gesellschaft in Berlin nicht nur eine kaufmännische
Leitung braucht, sondern auch jemanden wie Gustav Hämer oder Rolf Kuhn.
Und am besten natürlich eine Frau. Gut vernetzt und vertraut mit der
Aufgabe – also der Bauwende.
27 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://de.wikipedia.org/wiki/Hardt-Waltherr_H%C3%A4mer
(DIR) [2] https://www.internationale-bauausstellungen.de/geschichte/1979-1984-87-iba-berlin-die-innenstadt-als-wohnort/
(DIR) [3] https://hansaviertel.berlin/interbau-1957/geschichte-interbau-57/
(DIR) [4] https://www.architects4future.de/
(DIR) [5] https://www.internationale-bauausstellung-hamburg.de/fileadmin/Die_IBA-Story_post2013/051030_sprung_ueber_die_elbe.pdf
(DIR) [6] http://www.iba-see2010.de/
(DIR) [7] https://www.f60.de/de/die-bruecke/im-detail.html
## AUTOREN
(DIR) Uwe Rada
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