# taz.de -- Verwaltungsreform in Berlin: Und sie regt sich doch
> Der schwarz-rote Senat bringt Bewegung in die Verwaltungsreform, auf die
> es schon Abgesänge gab. Nächste Woche könnte ein weiterer Schritt folgen.
(IMG) Bild: Finanzsenator Stefan Evers (CDU) sieht im jüngsten Senatsbeschluss einen wichtigen Schritt für die Verwaltungsreform
Ist es das jetzt? Ist diese jüngste Festlegung des schwarz-roten Senats,
ist dieses sperrige Etwas namens „Konnexitätsausführungsgesetz“ nun der
entscheidende Schritt bei der Berliner Verwaltungsreform? Auf ein nahes
Ende des bisherigen „Behörden-Ping-Pongs“ hoffte der Tagesspiegel schon,
bevor Finanzsenator Stefan Evers (CDU) am Dienstag vor Journalisten eine
Antwort liefern soll. Die fällt zwiespältig aus: Ja, das nun im Senat
Vereinbarte sei für die Verwaltungsreform „ein wesentlicher Baustein“, sagt
Evers, setzt dann aber hinterher: „… aber sicher nicht der einzige“.
Fast zehn Monate ist es her, dass das Abgeordnetenhaus [1][Gesetze und
Verfassungsänderungen zu einer Verwaltungsreform beschlossen hat], die
zuvor folgenlos über zwei Jahrzehnte in der Diskussion war. An der Reform
beteiligt hatten sich auch die Oppositionsfraktionen von Grünen und
Linkspartei. Sie gilt als Schlüssel zur Lösung vieler Berliner Probleme,
von schnelleren Ansiedlungen hin zu mehr Wohnungsbau. „Moderner, schlanker
und ressourcenschonender“ soll die Verwaltung arbeiten, formuliert es Evers
am Dienstag nach der Senatssitzung.
Ein Schritt auf diesem Weg soll also das sein, was sich hinter dem
Konnexitätsprinzip verbirgt, das laut Evers bis zum Sommer im
Abgeordnetenhaushaus Gesetz werden soll: Senatsverwaltungen sollen den
Bezirken nur dann zusätzliche Aufgaben zuweisen können, [2][wenn sie dafür
auch das nötige Geld zur Verfügung stellen]. „Wer bestellt, soll auch
zahlen“, übersetzt Evers.
Das soll auf zweifache Weise helfen: Zum einen sollen die Bezirke damit
überhaupt in der Lage sein, das Erwartete zu liefern. Zwar gibt es auch
schon jetzt über nachträgliche Korrekturen ursprünglicher Finanzplanungen
ergänzende Zahlungen aus dem Landeshaushalt. Aber das Ganze von vorneherein
mit einem Preisschild zu versehen, gilt als nachhaltiger. Zum anderen soll
es auch den Senatsverwaltungen deutlicher als bisher vor Augen führen,
welche – finanziellen – Folgen eine Entscheidung hat, die sie den Bezirken
auferlegen.
## Nächster Schritt: Katalog der Zuständigkeiten
Möglicherweise schon nächste Woche könnte der Senat einen weiteren
wichtigen Baustein für die Verwaltungsreform beschließen. Senatssprecherin
Christine Richter bestätigte laufende Gespräche über einen
Zuständigkeitskatalog, der genau festlegen soll, ob die Landes- oder die
Bezirksebene für eine Aufgabe zuständig ist. Bislang streiten beide Ebenen
dazu oft und das gleich doppelt: bei attraktiven Punkten darüber, wer
Vorrang hat, bei lästigen, wer eine Aufgabe erledigen muss. Richter mochte
sich allerdings nicht darauf festlegen, dass der Senat diesen Katalog
definitiv nächste Woche beschließt.
Die beiden Beschlüsse – zum Konnexitätsprinzip und zum Katalog – kommen zu
einem Zeitpunkt, da manche nicht mehr auf Fortschritt bei der
Verwaltungsreform hatten hoffen mögen. „Kai Wegners Verwaltungsreform
scheint auf den letzten Metern zu scheitern“, [3][orakelte
Grünen-Fraktionschef Werner Graf] vor gut einem Monat. Das machte er daran
fest, dass die treibende Kraft der Reform, die parteiübergreifend
geschätzte zuständige Staatssekretärin Martina Klement (CSU), [4][ihren Job
gegen den der Wirtschaftsministerin] in der neu formierten rot-schwarzen
brandenburgischen Landesregierung eintauschte.
Aus der Berliner Wirtschaft gibt es Applaus für die zum jetzigen Zeitpunkt
unerwartete Bewegung beim Thema Verwaltungsreform. Die Einigung im Senat
sei „endlich einmal eine gute Nachricht aus der Politik für die Berliner
Wirtschaft“, kommentiert fast zeitgleich zu Evers via Presseerklärung der
Präsident der Industrie- und Handelskammer, Sebastian Stietzel. Damit stehe
eine weitere wichtige Säule der Reform. Er mahnte aber auch mit Blick auf
die Abgeordnetenhauswahl am 20. September, es nicht dabei zu belassen:
„Dieses Mammutprojekt erfordert weiterhin hohes Engagement – nicht nur bis
zu Wahl.“
14 Apr 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Verwaltungsreform/!6093215
(DIR) [2] /Berliner-Verwaltungsreform/!6039122
(DIR) [3] https://gruene-fraktion.berlin/pressemitteilungen/schwarz-rot-wer-politisch-in-seinem-leben-noch-etwas-vorhat-verlaesst-das-sinkende-schiff/
(DIR) [4] /Regierungsbildung-in-Potsdam/!6162474
## AUTOREN
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