# taz.de -- Debatte im Abgeordnetenhaus: Zu früh gemeckert
> Die Opposition wollte den Hundt-Rauswurf mit Stillstand bei der
> Verwaltungsreform verbinden. Doch gerade nun machte der Senat einen neuen
> Schritt.
(IMG) Bild: Regierungschef Kai Wegner (CDU), der zuletzt eher angeschlagen wirkte, machte am Donnerstag im Plenarsaal einen munteren Eindruck
Grüne und Linke hatten sich ihre Strategie für die Sitzung des
Abgeordnetenhauses am Donnerstag nachvollziehbar zurechtgelegt: Sie wollten
den Abgang von Kurzzeit-Staatssekretär Matthias Hundt (CDU) mit Kritik an
der Verwaltungsreform verknüpfen, für die Hundt in seiner 69-tägigen
Amtszeit zuständig war. Das sollte Regierungschef Kai Wegner (CDU) nur
dreieinhalb Monate vor der Parlamentswahl am 20. September gleich doppelt
treffen: Er hatte Hundt [1][ohne ausreichende Prüfung] zum
Digitalisierungschef (CDO) gemacht – und die Verwaltungsreform ist sein
Kernprojekt.
„Nach dem desaströsen Abgang des CDO Hundt: Stillstand bei
Verwaltungsreform und Digitalisierung“, sollte nach dem Willen der beiden
Oppositionsfraktionen das Thema der Aktuellen Stunde überschrieben sein.
Das beantragten sie Montag – doch just am Dienstag beschloss Wegners
schwarz-roter Senat einen weiteren zentralen Baustein der Reform, die er
mit Hilfe von Grünen und Linken [2][im Juni 2025 in der Landesverfassung
verankern] konnte.
Der neue Schritt besteht in einer Verordnung zu einem Aufgabenkatalog für
die Berliner Verwaltung. Schlicht gesagt soll die regeln, wer wofür
verantwortlich ist. Die Zahl der Aufgaben selbst, das ist von Wegner am
Donnerstag im Plenarsaal des Parlaments zu hören, schrumpfte bei dieser
Durchsicht von rund 4.000 auf 2.500, weil es zuvor viele
Mehrfachzuständigkeiten gab.
Richtig viel zu meckern gibt es deshalb an diesem Donnerstagvormittag nicht
mehr, schließlich hatten Grünen und Linke ja selbst mitgeholfen, die zuvor
zweieinhalb Jahrzehnte lang bloß diskutierte Reform im Grundzug zu
beschließen. CDU-Fraktionschef Dirk Stettner hat noch den
„Stillstand“-Vorwurf vor Augen, als er Richtung Grüne sagt: „Das haben wir
gemeinsam hinbekommen, warum reden Sie’s dann schlecht?“ Dabei macht das
Grünen-Fraktionschef Werner Graf gar nicht, er lobt stattdessen. „Was
bisher geschafft wurde, verdient wirklich Anerkennung“, sagt Graf und
bezieht das ausdrücklich auch auf den Regierungschef von der CDU.
## „Das Amt einem Hochstapler überlassen“
Aber auch ohne Stillstand in jenem Feld, in dem der entlassene
Staatssekretär Hundt noch mindestens bis zur Wahl hätte wirken sollen,
liefert sein Abgang ausreichend Ansatzpunkte für Kritik an Wegner. Die
Berufung – über die Hundt gesagt haben soll, man sei sich nach 15 Sekunden
einig gewesen – „hätte nie so durchgewunken werden dürfen“, sagt Graf.
Linksfraktionschef Tobias Schulze, der nach ihm am Mikro steht, legt noch
eins drauf: „Sie haben ein so wichtiges Amt offenbar einem Hochstapler und
Blender überlassen.“
Kaum weniger kritisch hakt auch Wegners Koalitionspartner SPD nach, wie der
Regierungschef den im Nachhinein dafür wenig qualifiziert erscheinenden
Hundt ins Amt holen konnte. „Diese Frage müssen Sie sich gefallen lassen,
und Sie müssen darauf zeitnah eine Antwort geben“, hält ihm der
SPD-Verwaltungsexperte Lars Rauchfuß vor. Der widerspricht Wegner zudem bei
seiner Begeisterung über die Verwaltungsreform: Die sei eben noch nicht
geglückt. Für Rauchfuß hat man „einen Anfang hinbekommen“.
Wegner als Schlussredner sieht das anders: „Wir sind richtig weit
gekommen.“ Eine Aufgabenkritik, die Graf und Schulze zuvor gefordert haben,
stehe an, und einen Schlusspunkt könne es sowieso nicht geben, weil
Verwaltung sich immer weiter entwickeln müsse. Den Ärger um seinen
Ex-Staatssekretär – die Dresdner Staatsanwaltschaft ermittelt im Kontext
der Insolvenz einer Firma Hundts – lässt er in seiner Rede völlig außen
vor.
Äußern muss sich Wegner dazu trotzdem. Denn die Grünen-Fraktion hakt in der
folgenden Fragstunde nach. Welche Kriterien es denn nun für Hundts
Ernennung gegeben habe und was der tatsächliche Grund für seine Entlassung
gewesen sei, will sie wissen. Wegner will sich zum einen auf seine
Einschätzung verlassen haben. Zum Rauswurf sagt er, „dass das
Vertrauensverhältnis nachhaltig gestört war“.
Ungefragt gibt der Regierungschef dann noch zu verstehen, dass es auch ihm
nicht gefallen haben soll, dass rund 50.000 Euro Übergangsgeld Hundts
Entlassung begleiten: „Leider gelten [3][die beamtenrechtlichen Regeln].“
4 Jun 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Wegners-fehlendes-Haendchen-fuer-Personal/!6182245
(DIR) [2] /Verwaltungsreform/!6093215
(DIR) [3] https://gesetze.berlin.de/bsbe/document/jlr-BeamtVGBEV16P47a
## AUTOREN
(DIR) Stefan Alberti
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