# taz.de -- HBO Miniserie „Chernobyl“.: Aufräumen in Trümmern
       
       > Die Miniserie „Chernobyl“ geht weit über ein klassisches
       > Katastrophendrama hinaus. Gezeigt wird nicht weniger als der Untergang
       > eines Staates.
       
 (IMG) Bild: Jared Harris als Nuklearphysiker Waleri Alexejewitsch Legassow
       
       In Tschornobyl passierte 1986 die Katastrophe. Aber das Kernkraftwerk
       explodierte nicht aus dem Nichts, sondern es gab strukturelle Fehler und
       Missstände, die die Explosion überhaupt erst möglich gemacht haben. Davon
       erzählt die [1][HBO Miniserie „Chernobyl“.]
       
       Vom ersten Moment wird die Explosion des Reaktors begleitet, und obwohl man
       aus heutiger Perspektive weiß, wie tragisch die Ereignisse enden, findet
       man sich in der unmittelbaren Gegenwart der Beteiligten wieder. Zu Beginn
       versuchen etwa Feuerwehrmänner den Brand der Explosion zu löschen und baden
       dabei unwissend in radioaktiver Strahlung.
       
       Während der Protagonist, Wissenschaftler Valery Legasow, verzweifelt
       versucht, Aufmerksamkeit vom Staat zu gewinnen, zeigt sich das Problem:
       Denn eine solche Katastrophe, ein eventuell fehlerhaftes Werk oder
       fahrlässige Verantwortliche [2][durfte es in der Sowjetunion nicht geben.]
       
       So stößt Legasow, immer wieder an die Grenzen des Systems, das sich nach
       außen hin als unantastbar gibt und auf Gehorsam und Hierarchie beruht.
       
       ## Leben austauschbar
       
       Parallel dazu zeichnet die Serie das Bild einer Gesellschaft, die gelernt
       hat, unter extremen Bedingungen wie Krieg, Hungersnöten und politischen
       Umbrüchen zu existieren. Man merkt in der Serie, dass die Gesellschaft
       unter den Umständen einfach funktionieren muss und für Angst und Trauer oft
       keine Zeit ist.
       
       Das eigene Leben erscheint austauschbar gegenüber dem Allgemeinwohl. Über
       600.000 Menschen werden fast ungeschützt zur Eindämmung der Katastrophe
       eingesetzt, als Kollateralschaden. In der Serie werden diese realen
       Ereignisse in ein düsteres Setting gesetzt.
       
       In mehreren Zeitsprüngen versteht man langsam das Ausmaß der Geschichte.
       Allgegenwärtig bleibt dabei das Gefühl, gegen etwas anzukämpfen, das man
       weder sehen noch vollständig verstehen kann. Die Strahlung ist Metapher für
       eine unsichtbare Bedrohung und für ein System, das sowohl Ursache als auch
       Grund für den Fortbestand dieser Katastrophe ist.
       
       Die Serie greift somit nicht nur die Katastrophe auf, die im Nachhinein
       auch als ein Sargnagel der Sowjetunion gedeutet wird, sondern zeigt auch
       einige fundamental [3][problematische Dynamiken] dieses Staates auf.
       
       25 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.hbomax.com/shows/chernobyl/396999a6-3fff-4af3-802b-10c46d10deff
 (DIR) [2] /40-Jahre-nach-dem-Reaktorunglueck/!6171431
 (DIR) [3] /Russische-Umweltaktivistin-zu-Protest/!6172300
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Viktoria Isfort
       
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