# taz.de -- KI-Chatbots vs. Suchmaschinen: Wie lange willst du noch suchen?
> Statt mit Google mühselig Quellen zu suchen, beantworten KI-Chatbots
> Fragen im Handumdrehen. Läuten sie das Ende der Suchmaschinen ein?
(IMG) Bild: i wie Information: Jede Suche beginnt mit einer Frage
Etwas im Internet suchen – dafür hat sich nicht grundlos der Begriff
„googeln“ etabliert. Heute mischt künstliche Intelligenz die
Digitalindustrie auf und könnte radikal verändern, wie wir uns im Netz
zurechtfinden. Vier Typen machen deutlich, in welche Richtung sich die Welt
der Suchmaschinen entwickelt. Hier ist der Überblick über die wichtigsten
Entwicklungen und was sie für die Nutzer:innen bedeuten.
## Der Titelverteidiger: Google läuft dem Trend voraus
Sie gleicht der Oberfläche eines Sees bei maximal leichtem Wind, so stabil
liegt sie da, eine blaue Linie. Der [1][Analysedienst Statcounter weist mit
ihr] in einem Diagramm den Anteil von Google am weltweiten
Suchmaschinenmarkt aus. Seit Beginn der Zahlenreihe im Jahr 2009 hat sich
daran nicht viel geändert: Google bringt es auf um die 90 Prozent, mal
einen Tick mehr, mal einen weniger. Die Differenzen könnten auch
Messungenauigkeiten sein.
Jedenfalls: Seit dem Aufkommen von KI-Chatbots wie ChatGPT im Jahr 2022 ist
in diesen Daten kein merkbarer Rückgang zu verzeichnen. Obwohl diese Tools
radikal verändern, wie Menschen nach Informationen suchen. Doch tut Google
viel, um seine Vormachtstellung zu halten.
Wenn gerade alle auf künstliche Intelligenz setzen, dann [2][kommt diese
auch in die Google-Suche]. Die sichtbarste Veränderung führte das
Unternehmen im vergangenen Herbst ein. In der Suchmaske, neben den
Möglichkeiten der Sprach- und Bildersuche, erschien ein weiterer Button:
„KI-Modus“. Der macht die Suchmaschine zu einem KI-Chatbot. Nutzer:innen
geben hier keine Suchwörter mehr ein, sondern schlicht ihre Fragen – und
erhalten ausformulierte Antworten.
Für Google könnte sich das auszahlen: Wenn Menschen in ihrem KI-Chat
bleiben, anstatt direkt auf den nächstbesten Link zu klicken, kann der
Konzern ihnen mehr Werbung präsentieren. Damit ist Google weiter als
OpenAI, dem Unternehmen hinter ChatGPT, das von einer stabilen
Einnahmequelle noch weit entfernt ist.
## Die Gesprächspartner: Chatbots fordern zum Fragen auf
Jede Suche beginnt mit einer Frage. Etwa: Wo ist am neuen Wohnort eine
Hausarztpraxis, die noch neue Patient:innen aufnimmt? Suchen Zugezogene
darauf Antworten im Netz, müssen sie bislang umdenken, ihre Frage in
Schlagwörter verwandeln: Mainz, Hausarzt, Neupatienten. Über Jahrzehnte
haben Suchmaschinen ihren Nutzer:innen das antrainiert. Nun versuchen
KI-Chatbots, dies wieder rückgängig zu machen.
Bei Anbietern wie ChatGPT, Perplexity, Mistral, Googles Gemini, Microsofts
Copilot, Consensus oder Apertus, um [3][nur eine Auswahl] zu nennen, geben
Nutzer:innen also ihre Frage ein – und erhalten eine Antwort in ganzen
Sätzen, statt einer Linkliste. Manche der Anbieter haben sich
spezialisiert, Consensus und Perplexity im wissenschaftlichen Bereich,
Copilot in Verbindung mit Windows und Apertus punktet als
Open-Source-Entwicklung aus der Schweiz.
Zwar präsentieren die Anbieter auch die Links zu ihren Quellen – manche
sehr dezent, andere deutlicher –, doch zeigt sich eines klar: Den
Nutzer:innen wird es leicht gemacht, die Botantworten als gegeben zu
akzeptieren und [4][nicht weiter nachzuforschen]. Dabei liefern Chatbots
ständig falsche Informationen und berufen sich auf nicht existente Quellen.
Verlage und andere Anbieter von Inhalten im Netz fürchten zudem, dass
künftig immer weniger Menschen den Weg auf ihre Seiten finden werden. Aus
gutem Grund: Am Ende einer Antwort bieten Chatbots die Möglichkeiten,
weiterzufragen, damit Nutzende möglichst lange dranbleiben.
## Die Invasiven: Agenten können Ihr Leben regeln
Was, wenn Nutzer:innen gar nicht mehr selbst suchen müssten? Als der
Entwickler Nick Davidov kürzlich den Computer seiner Frau aufräumen sollte,
beauftragte er den [5][KI-Agenten] Claude Cowork. Dieser gehört zu einer
recht jungen Spielart von künstlicher Intelligenz, die komplexe Aufgaben
erledigen kann, wie Webseiten erstellen oder eben PCs aufräumen.
Dafür benötigen sie Berechtigungen, etwa Zugriff auf Ordner sowie Lösch-
und Schreibrechte. Davidovs KI-Agent jedenfalls machte einen Fehler – und
löschte kurzerhand einen guten Teil der Fotos von dessen Frau:
Erinnerungsbilder, Urlaubsfotos – weg.
Es sind spektakuläre Fälle wie dieser, mit denen die Technologie derzeit
Schlagzeilen macht. Dennoch nimmt ihre Verbreitung zu. Menschen nutzen sie
für die Feierabendplanung, zur Kommunikation mit Unternehmen oder für ihre
Einkäufe. KI-Agenten nehmen den Nutzer:innen dabei zahlreiche
[6][Entscheidungen] ab, für die sie sonst eine Suchmaschine verwendet
hätten: Wo kaufe ich am besten einen Gebrauchtwagen? Was ist der günstigste
Flug am Tag X nach Y und wie ist das Wetter dort? Welches Restaurant eignet
sich für ein romantisches Dinner zu zweit?
Doch ergeben sich aus ihrer Nutzung zahlreiche Risiken, allen voran die
Haftungsfrage: Wer zahlt, wenn der KI-Agent das falsche Auto kauft, das
Konto leerräumt oder gegen Gesetze verstößt? Bei den Fotos von Davidovs
Frau ist es immerhin gut ausgegangen: Der Entwickler konnte mit einer
Recovery-Funktion die meisten wieder herstellen.
## Die Unabhängigen: Ecosia will eine Alternative sein
Wenn Politiker:innen in den vergangenen Jahren über die europäische
Technologiebranche sprachen, dann forderten sie stets: Das nächste Google
müsse aus Europa kommen. Googles Suchmaschine stand dabei als Chiffre für
eine bahnbrechende technologische Entwicklung. Ein europäisches Google ist
noch nicht in Sicht. Dabei bräuchte es das heute mehr denn je.
Europas digitale Infrastruktur ist in weiten Teilen von den USA abhängig.
Trumps zweite Amtszeit verschärft die Lage. Er könnte, so die wachsende
Befürchtung in Europa, die Dienste der Tech-Konzerne hierzulande aus
politischen oder ökonomischen Gründen einschränken oder verbieten.
Nutzer:innen sind zudem den Standards und Algorithmen der
Tech-Unternehmen ausgeliefert und kommen nicht umhin, sie mit ihren Daten
zu trainieren.
Aber es tut sich auch etwas: Ein eigener Suchindex soll der [7][digitalen
Unabhängigkeit von den USA] einen Schub geben. Ähnlich einem Katalog aller
Inhalte im Internet bildet ein Suchindex die Basis einer jeden
Suchmaschine. Einen solchen Index baut die deutsche Suchmaschine Ecosia
derzeit gemeinsam mit ihrem französischen Partner Qwant auf. Bei Qwant
kommen die französischen Ergebnisse bereits aus dem eigenen Index, bei
Ecosia sollen in diesen Wochen die ersten Ergebnisse auf Deutsch ebenfalls
aus der eigenen Sammlung folgen.
Wer also in Zukunft Google, Microsofts Bing oder ChatGPT nicht mit den
eigenen Gedanken und Daten füttern will, hat so eine Alternative.
20 Apr 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://gs.statcounter.com/search-engine-market-share
(DIR) [2] /Kuenstliche-Intelligenz-als-Suchmaschine/!6020570
(DIR) [3] /ChatGPT-Gemini-DeepSeek-6-Chat-Bots-in-der-Charakteranalyse/!6126586
(DIR) [4] /Kuenstliche-Intelligenz-versus-Menschen/!6134586
(DIR) [5] /Bot-Treffpunkt-Moltbook/!6154428
(DIR) [6] /Kuenstliche-Intelligenz-Das-Ende-des-Internets-und-die-Entkernung-der-Demokratie/!6155291
(DIR) [7] /Digitale-Souveraenitaet/!6126518
## AUTOREN
(DIR) Svenja Bergt
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