# taz.de -- Straße von Hormus: Durchfahrt nur unter Bedingungen – und gegen Geld
       
       > Die Straße von Hormus bleibt de facto blockiert. Die Islamische Republik
       > Iran entscheidet, wer sie wo und wann passieren darf – und warnt vor
       > Seeminen.
       
 (IMG) Bild: Man kontrolliere die gesamte Straße von Hormus, behauptet dieses iranische Propagandaplakat. Ganz falsch ist das nicht
       
       Anders als von US-Präsident Donald Trump verkündet, kann von einer Öffnung
       der Straße von Hormus nicht die Rede sein. Das Marineindustrie-Newsportal
       Lloyd’s List berichtet, dass alle Schiffe, die in irgendeiner Weise mit
       Israel oder den USA verbunden sind, die Meeresenge zwischen Iran und Oman
       auch weiterhin nicht passieren dürfen. Alle anderen Schiffe müssen sich
       weiter durch die Revolutionsgarden überprüfen lassen – und „Zollgebühren“
       bezahlen. Ausgenommen sind Schiffe, die mit Ländern verbunden sind, mit
       denen Iran dazu direkte diplomatische Abkommen hat, etwa Irak, Indien und
       Pakistan.
       
       Die Drohung, Schiffe zu beschießen, die sich nicht an das Abkommen halten,
       steht weiter im Raum. Laut Lloyd’s List erreichten englischsprachige
       Funksprüche Iran Schiffe, die im Arabischen Golf auf Durchfahrt warten. Sie
       warnen sehr direkt: „Sollten Schiffe versuchen, ohne Genehmigung
       durchzufahren, werden sie zerstört.“
       
       [1][Laut Lloyd’s List] haben am Donnerstag nur sechs Schiffe die Durchfahrt
       gewagt, drei von ihnen gehören zu Iran selbst. Das ist weniger als an
       vielen Tagen [2][vor dem Beginn der sogenannten Waffenruhe am Mittwoch.]
       Bestätigung, dass die Meerenge weiterhin geschlossen ist, kommt auch aus
       den Golfstaaten: etwa von Ahmed Al-Jaber, Geschäftsführer der staatlichen
       Ölfirma der Vereinigten Arabischen Emirate ADNOC, der erklärte: „Die Straße
       von Hormus ist nicht frei befahrbar. Der Zugang wird eingeschränkt, an
       Bedingungen geknüpft und kontrolliert“.
       
       Wie hoch genau die Gebühren sind, die für die Durchquerung der Straße von
       Hormus fällig werden, ist weiter unklar. Die Financial Times berichtet etwa
       von einem US-Dollar pro Barrel Öl. Die Straße von Hormus durchfahren laut
       dem Strauss Center der Universität Texas vor allem sogenannte Very Large
       Crude Carriers (VLCC). Sie werden oft mit etwa 2 Millionen Barrel Öl
       beladen. Das entspräche also einer Gebühr von 2 Millionen Dollar pro
       Schiff.
       
       Das deckt sich mit einem Bericht von Llyod’s List von Beginn der Blockade:
       Ein Tanker zahlte damals wohl eine Gebühr von etwa 2 Millionen US-Dollar
       für die Durchfahrt durch die Straße von Hormus. Die Gebühren sollen auch
       von der Beziehung Irans zu den Ländern abhängen, mit denen die Schiffe
       verbunden sind. In welcher Währung die Zahlungen weiter abgewickelt werden
       sollen, ist ebenfalls unklar. Verschiedene Medien berichten von Zahlungen
       in chinesischen Yuan oder in Kryptowährung. Eine Zahlung von „Zollgebühren“
       an Iran ist – aufgrund der internationalen Sanktionen – für Reeder auch mit
       rechtlichen Bedenken verbunden.
       
       ## Gegen das UN-Seerechtsübereinkommen
       
       Dass Iran die Straße von Hormus trotz der derzeit geltenden temporären
       sogenannten Waffenruhe nicht geöffnet wird, ist eigentlich logisch. So
       fordert die Islamische Republik im Rahmen der Verhandlungen um einen
       dauerhaften Frieden, künftig Gebühren für die Passage von Schiffen erheben
       zu dürfen. Vize-Außenminister Kazem Gharibabdi erklärte dazu jüngst:
       Teheran bereite mit Oman ein Verfahren vor, bei dem Schiffe Genehmigungen
       zum Transit der Straße von Hormus einholen sollen.
       
       [3][Oman hat zwar bestätigt, Gespräche mit Teheran geführt zu haben.] Das
       Sultanat lehnt aber Zollgebühren explizit ab. Omans Verkehrsminister Said
       al-Maawali erklärte am Mittwoch, dass unter den geltenden internationalen
       Abkommen keine Gebühren von Schiffen, welche die Straße von Hormus
       durchfahren, verlangt werden könnten.
       
       So gibt es das [4][Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen] (UNCLOS).
       Das ist ein internationales Abkommen des Seevölkerrechts und soll alle
       Nutzungsarten der Meere regeln. Der gesamte dritte Teil des Abkommentextes
       beschäftigt sich mit internationalen Wasserstraßen – und dem Recht, sie zu
       durchfahren. Dort ist auch festgehalten, dass das Recht zur Durchfahrt
       einer Wasserstraße nicht behindert werden soll, auch Gebühren für die
       Durchfahrt an sich dürfen nicht erhoben werden. Iran hat UNCLOS zwar
       unterzeichnet, aber nicht ratifiziert. Oman hingegen hat es sowohl
       unterzeichnet als auch ratifiziert.
       
       ## Hat Iran die Straße von Hormus vermint?
       
       Selbst wenn Iran entscheiden sollte, die Straße von Hormus nicht mehr de
       facto zu blockieren – worauf derzeit wenig hindeutet –, bliebe ein Problem:
       [5][Relativ zu Beginn des Krieges hatten die USA verkündet, Boote, die wohl
       zum Legen von Minen nutzbar wären, bombardiert zu haben.] Es stand die
       Frage im Raum, ob bereits Seeminen verlegt worden waren. Genau das
       behauptet Iran nun wohl. Die den Revolutionsgarden nahestehende
       Nachrichtenagentur Tasnim hatte am Donnerstag eine Karte veröffentlicht,
       auf der eine „Gefahrenzone“ markiert ist. Der Rundfunk der Islamischen
       Republik erklärte: Wegen „möglicher Anti-Schiff-Minen“ in der Straße von
       Hormus müssten sich Schiffe an die „designierten Routen“ halten.
       
       Die in der Karte eingezeichneten Routen – eine für die Einfahrt in den
       Arabischen Golf, eine für die Ausfahrt – führt Schiffe viel näher an der
       iranischen Küste vorbei, als dies vor dem Krieg der Fall war. Bei der Route
       für die Einfahrt handelt es sich augenscheinlich um dieselbe Route, die
       Iran vor der sogenannten Waffenruhe für den Transit ausgerufen hatte. Sie
       führt zwischen den Inseln Qeshm und Larak hindurch. Auf beiden haben die
       Revolutionsgarden massive Verteidigungsstrukturen. Die Route für die
       Ausfahrt führt südlich an Larak vorbei.
       
       Wenn also Iran droht, man schließe [6][die Straße von Hormus] [7][aufgrund
       des israelischen Beschusses im Libanon] wieder, ist das eine Chimäre: Sie
       war ja nie tatsächlich geöffnet.
       
       Die Frage ist weiterhin: Wie werden die USA, aber auch die Golfstaaten auf
       diese anhaltende Situation reagieren? Derzeit hängen laut dem
       Wirtschaftsportal Bloomberg etwa 800 Schiffe im Arabischen Golf fest. Vor
       dem Krieg passierten täglich etwa 140 Schiffe die Meerenge. In diesem Tempo
       würde es also alleine fast eine Woche dauern, bis der Stau im Arabischen
       Golf wieder aufgelöst wäre.
       
       10 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://x.com/LloydsList/status/2042309960806039839?s=20
 (DIR) [2] /Waffenstillstand-im-Irankrieg/!6169170
 (DIR) [3] /Der-Iran-Krieg-und-die-Golfstaaten/!6163706
 (DIR) [4] https://www.un.org/depts/los/convention_agreements/texts/unclos/unclos_e.pdf
 (DIR) [5] /Krieg-mit-USA-und-Israel/!6161677
 (DIR) [6] /Die-Wahrheit/!6163624
 (DIR) [7] /Krieg-im-Libanon/!6169387
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Lisa Schneider
       
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