# taz.de -- Deutsche Autoindustrie: Sprit-Schock verschärft Konflikte in der Autobranche
       
       > Die Autoindustrie kriselt. Eine neue Studie zeigt nun, wie Konzerne sogar
       > die Tarifpartnerschaft infrage stellen, um Profite hochzuhalten.
       
 (IMG) Bild: Schon beim Streik der IG Metall 2018 standen die Zeiger auf kurz vor zwölf – bald können die Konflikte noch schärfer werden
       
       Der [1][Irankrieg] droht Folgen für die deutsche Tarifpartnerschaft zu
       haben. „Der Energiepreisschock durch den Irankrieg wird Auswirkungen auf
       die Automobilbranche haben. Es drohen Reallohnverluste“, sagt der
       Arbeitssoziologe Stefan Schmalz von der Universität Jena der taz. Seine
       Kollegin Karla Zierold ergänzt: „Durch die Inflation sind Streiks und
       Konflikte zu erwarten. Wahrscheinlich wird die nächste Tarifrunde
       konfrontativer geführt werden.“
       
       Tatsächlich hat sich das Klima in der Automobilindustrie seit dem Beginn
       des Irankriegs schon verschlechtert, wie eine Umfrage des Münchner
       Ifo-Instituts ergab. Demnach sank der Stimmungsindikator im März von minus
       15,7 auf minus 18,7 Punkte, wie das Forschungsinstitut am Dienstag
       mitteilte.
       
       Neben der Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump und anderer
       geopolitischer Spannungen leiden die deutschen Autobauer vor allem unter
       eigenen Versäumnissen. Sie haben zu lange auf das Geschäft mit
       Verbrennermotoren gesetzt und haben deswegen im wachsenden Elektromarkt mit
       stärkerer Konkurrenz – vor allem aus China – zu kämpfen.
       
       Die steigenden Preise an der Zapfsäule drohen ihre Lage aus zweifacher
       Sicht zu verschärfen: Zum einen treiben sie [2][die Inflation]
       voraussichtlich nach oben und drücken damit auf die Kaufkraft und Kauflaune
       der Verbraucher*innen. Zum anderen machen sie den Energieverbrauch eines
       Verbrennerautos im Vergleich zu Elektroautos teurer. Nach Angaben des
       Kraftfahrtbundesamtes wurden hierzulande im März mehr E-Autos als Benziner
       neu zugelassen.
       
       ## Konfrontatives Krisenmanagement
       
       Um die Profite hochzuhalten, scheinen die Autobauer zunehmend die
       Prinzipien der Tarifpartnerschaft infrage zu stellen. Dies geht aus
       [3][einer Studie] hervor, die die beiden Forschenden Schmalz und Zierold
       für das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut der
       gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung erstellt haben. Demnach fällt das
       derzeitige Krisenmanagement in der Branche sehr viel konfrontativer und
       konfliktiver aus als in der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 oder der
       Coronakrise 2020.
       
       „Auf eine sinkende Profitabilität im Sektor reagiert die Mehrzahl der
       Hersteller mit Stellenabbau und auch Werkschließungen, um Lohnkosten zu
       reduzieren und ihre Renditen zu steigern“, schreiben Schmalz und Zierold in
       ihrer Studie, für die sie das Krisenmanagement der Jahre 2024 und 2025 der
       111 größten in Deutschland ansässigen Autobauer und Zulieferbetriebe
       auswerteten. In verschiedenen Fällen sei dabei auch ein Angriff auf
       existierende tarifliche Standards erfolgt, bei dem übertarifliche Zulagen
       reduziert oder vollständig abgeschafft werden.
       
       [4][Die IG Metall] antwortete der Studie zufolge oftmals mit Streiks und
       Protesten, was in der Regel zu Zugeständnissen der Arbeitgeber führte.
       Schmalz und Zierold warnen, dass bei dieser „Konfliktpartnerschaft“
       zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite „in den kommenden Jahren der
       Konflikt weiter in den Vordergrund und die Partnerschaft in den Hintergrund
       rücken könnte“. Dies bedeute für die IG Metall, dass weitere Abwehrkämpfe
       jenseits der großen Tarifrunden drohten.
       
       9 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /-Nachrichten-im-Irankrieg-/!6169385
 (DIR) [2] /Oelpreisschock-in-Deutschland/!6167003
 (DIR) [3] https://www.econstor.eu/bitstream/10419/339610/1/1967625808.pdf
 (DIR) [4] /IG-Metall/!6148695
       
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 (DIR) Simon Poelchau
       
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