# taz.de -- US-Handelspolitik: Brüssel schweigt zu Trumps Zolldrohungen
> Der US-Präsident Donald Trump hat wieder mit höheren Autozöllen gedroht.
> Das könnte vor allem die hiesigen Autobauer treffen. Doch Merz
> beschwichtigt.
(IMG) Bild: Trump hält sich nicht an die Absprachen
Die EU stellt sich auf eine neue handelspolitische Kraftprobe mit
[1][US-Präsident Donald Trump] ein. Im Mittelpunkt stehen diesmal deutsche
und europäische Autos. Trump hat damit gedroht, die US-Zölle für Pkw aus
Europa von bisher 15 auf 25 Prozent zu erhöhen. Dieser Zollsatz ist so
hoch, dass der Autohandel praktisch zum Erliegen käme. Entsprechend hart
fallen die Reaktionen aus.
„Das Verhalten von Präsident Trump ist schlichtweg inakzeptabel“, sagte
Bernd Lange, Chef des Handelsausschusses im Europaparlament. Auf Trumps
„Willkür“ müsse die EU entschlossen reagieren, fordert der SPD-Politiker
Lange. Denkbar wäre etwa, das neue Instrument gegen wirtschaftliche
Zwangsmaßnahmen zu nutzen. Diese sogenannte Handels-Bazooka macht
Gegenzölle und Marktbeschränkungen möglich.
Noch weiter geht Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für
Wirtschaftsforschung (DIW). „Trump ist im Augenblick innenpolitisch
schwach, daher ist dies der Zeitpunkt, um mit Gegenzöllen und insbesondere
durch die Besteuerung von US-Tech-Unternehmen Nachteile auszugleichen“,
sagte Fratzscher dem Handelsblatt. Für Digitalzölle sprechen sich auch
Linke und Grüne im EU-Parlament aus.
Die Zölle würden besonders die bereits kriselnde deutsche Autoindustrie
treffen. Doch [2][Kanzler Friedrich Merz] versucht angesichts Trumps neuer
Drohungen zu beschwichtigen: „Ich sage mal, er wird ungeduldig, weil wir
jetzt im August letzten Jahres eine Verabredung getroffen haben mit
Amerika, dass wir ein Zollabkommen machen“, sagte Merz am Sonntag in der
ARD-Sendung Caren Miosga. „Und auf der europäischen Seite werden immer
wieder neue Bedingungen formuliert, und wir haben es nicht unterschrieben.“
## Brüssel ist zurückhaltend
Zurückhaltend gibt sich auch die EU-Kommission, die in der europäischen
Handelspolitik den Takt vorgibt. Sie hat zwar bereits ein ganzes Paket an
möglichen Gegenmaßnahmen vorbereitet. Die „schwarze Liste“ enthält
US-Exporte im Wert von 93 Milliarden Euro. Allerdings schreckt
Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen davor zurück, ihre
„Folterinstrumente“ einzusetzen.
Offiziell hat die EU-Kommission die Drohungen noch nicht kommentiert,
verlautete die Brüsseler Behörde bisher lediglich. Für von der Leyen ist
die neue Drohung mit der Zollkeule auch eine persönliche Niederlage. Sie
hatte im Sommer 2025 den sogenannten „Turnberry-Deal“ mit Trump
abgeschlossen, der einen Zollsatz von 15 Prozent vorsah.
Mit diesem Deal werde Sicherheit und Verlässlichkeit im transatlantischen
Handel geschaffen, versprach die CDU-Politikerin. Offensichtlich hat sie
sich getäuscht. Trump hält sich nicht an die Absprachen. Die Politik der
Beschwichtigung, die von der Leyen und Merz gemeinsam verfolgt hatten, ist
gescheitert. Es gibt aber noch ein anderes Problem.
Die EU hat den „Turnberry-Deal“ nämlich noch nicht abschließend
ratifiziert. Das Europaparlament hat zwar mittlerweile nach einigem Hin und
Her grünes Licht gegeben, doch hat es dafür Bedingungen gestellt. Dazu
zählt eine sogenannte Sunset-Klausel. Diese besagt, dass der Deal
automatisch am 31. März 2028 ausläuft. Vor allem aber haben die
Abgeordneten ihre Zustimmung an die Forderung geknüpft, dass das Abkommen
ausgesetzt wird, wenn Trump erneut dagegen verstößt.
## Berlin will Eskalation vermeiden
Genau dieser Fall ist nun eingetreten. Allerdings sind die Bedingungen des
Europaparlaments noch nicht in Kraft getreten; die Verhandlungen mit den
EU-Staaten laufen noch. Ausgerechnet Deutschland lehnt die Forderungen des
Parlaments zum größten Teil ab. Berlin drängt auf eine schnelle Umsetzung,
um eine „Eskalation“ zu vermeiden, wie es in einem internen „Drahtbericht“
aus Brüssel heißt.
Doch genau diese Eskalation könnte nun eintreten. Wenn Trump seine Drohung
wahr macht und die Autozölle auf 25 Prozent erhöht, schlägt für die
[3][Europäische Union] die Stunde der Wahrheit. Wieder einmal. Und wieder
einmal ist sie zerstritten.
4 May 2026
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