# taz.de -- Artemis 2: Der Mond im Mann
       
       > Nach 54 Jahren fliegen Menschen wieder zum Mond. Doch wir sollten uns von
       > den spektakulären Bildern nicht trügen lassen. Dabei gewinnt nur ein
       > Mann.
       
 (IMG) Bild: Die Crew der Artemis 2 auf dem Weg zum Mond
       
       Was für schöne Bilder! Wir sehen eine fröhliche Besatzung, wunderbare
       Aufnahmen vom Mond und von der Erde, auch ein paar lustige Selfies der vier
       Astronauten der [1][Artemis 2] sind dabei. Sie wollen zeigen: Wir haben
       aber mal so richtig Fun!
       
       Klar, die Freude ist groß. Es ist der erste bemannte Mondflug seit Apollo
       17 im Jahr 1972. Anders als damals ist jedoch [2][keine Landung auf dem
       Mond geplant.] Also auch kein Ausstieg, kein Spaziergang, keine Wanderung.
       
       Näher als 6.400 Kilometer kommt man dem Erdtrabanten bei diesem insgesamt
       neun Tage dauernden Ausflug nicht, jedoch brummt man auch an der Rückseite
       des Mondes vorbei. Das macht die Weltraumspritztour zu dem bemannten Flug
       mit der jemals größten Entfernung zur Erde.
       
       Doch während wir mit kindlicher Freude ins All blicken, freut sich
       besonders ein mondsüchtiger US-Präsident über die Umrundung.
       
       ## Eis am Südpol
       
       Doch fangen wir vorne an: Die Reise hat das Ziel, sich den Südpol des
       Mondes anzuschauen. Denn es ist die einzige Region, wo Wassereis
       nachgewiesen wurde, was vor allem für diejenigen Kinder von Bedeutung ist,
       die sich kein Milchspeiseeis leisten können.
       
       Die tiefen Krater auf der Südseite ermöglichen zum einen das Vorkommen von
       Wassereis, doch auf der anderen Seite herrscht hier das ganze Jahr über
       Sonneneinstrahlung. Und das wäre theoretisch relevant für die
       Energiegewinnung, gerade wenn, wie es aussieht, die Straße von Hormus noch
       länger gesperrt bleiben sollte.
       
       Donald Trump trieb schon in seiner ersten Legislaturperiode die Entwicklung
       des Artemis-Projekts voran. Und zwar als reine Notlösung. Denn sein
       ursprüngliches Ziel, eine bemannte Reise zum Mars, war bis Ende 2024,
       seiner zum damaligen Zeitpunkt anschließenden geplanten zweiten Amtszeit,
       nicht realisierbar.
       
       Na dann eben zum Mond – scheißegal, ist auch rund, irgendwo am Himmel, und
       fängt ebenfalls mit M an. Zusätzliche Mittel dafür sollten einem
       Förderprogramm für einkommensschwache Studenten entnommen werden. Das
       Vorhaben wurde wieder einkassiert, da 2019 noch ein paar demokratische
       Strukturen funktionierten.
       
       ## Alle schmeißen zusammen
       
       Denn was der teure Spaß überhaupt soll, haben sich außer ein paar
       Wissenschaftsnerds und verrückten Diktatoren schon immer alle gefragt.
       Solarpaneele in der Wüste kommen billiger, und wahrscheinlich sogar Wasser
       aus der Wüste.
       
       Die US-Weltraumbehörde Nasa bezahlt nun mal den Löwenanteil, auch wenn die
       Europäer, Japaner und Kanadier mitbeteiligt sind. Wenn die nur Mond hören,
       würden sie wohl auch mit Putin fliegen.
       
       Jetzt ist Trump wieder da. Was er auf dem Mond will? Vermutlich das
       Übliche; eine Mischung aus Irrsinn, frühkindlichen Träumen und erratischen
       Allmachtsfantasien: Käsegewinnung, den Mann im Mond entführen und ohne
       Anklage einsperren, seinen eigenen Namen unsterblich machen, von den
       Epstein-Files, den Kriegsverbrechen und generell dem allumfassenden
       Losertum ablenken, und dann noch irgendwas Siebtes, was auf der
       Pressekonferenz keiner verstanden hat.
       
       Erst mit Artemis 4 sollen im Jahr 2028 wieder Menschen per Landefähre auf
       dem Mond aussteigen. Da sich der König sicher noch die eine oder andere,
       nach jetziger Gesetzeslage illegale, zusätzliche Amtsperiode gönnen wird,
       wird er auch das noch von seinem Thron aus miterleben, gewindelt und
       gesalbt.
       
       ## Nicht nach Trumps Geschmack
       
       Wie wir längst gelernt haben, kann man alles, was Trump will, automatisch
       und unbesehen in die Tonne kloppen. Also eigentlich auch diese Mondmission.
       Trotzdem, oder gerade deswegen, wundert man sich, wie man es nun geschafft
       hat, alles, was Trump hasst und verachtet, in diese eine Mondrakete zu
       schmuggeln: So ist ein Kanadier dabei, eine Person of Color und eine Frau.
       Da fehlt jetzt im Grunde nur noch eine Dragqueen, eine Klimaaktivistin und
       jemand von der Antifa.
       
       Ende der Woche soll die bunte Crew wieder auf der Erde landen – wir drücken
       der Besatzung auf jeden Fall bis dahin weiter die Daumen.
       
       7 Apr 2026
       
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