# taz.de -- „Artemis 2“ erfolgreich beendet: Zurück auf der Erde – und nun?
> Die „Artemis 2“-Crew ist nach zehn Tagen im All wieder zurück auf der
> Erde. Was hat die Mission – außer einem neuen Rekord – eigentlich
> gebracht?
(IMG) Bild: Astronaut Victor Glover ist einer der Ersten, der die Rückseite des Mondes mit eigenen Augen gesehen hat. Und?
Mit der „Artemis 2“-Mission sind zum ersten Mal seit 1972 Menschen zum Mond
geflogen. Zwar landeten sie dort nicht, legten aber eine historische
Rundreise von 1.123.500 Kilometern zurück. Mit einer Distanz von 406.000
Kilometern entfernten sich die vier Besatzungsmitglieder [1][weiter von der
Erde als irgendein Mensch zuvor]. Am Freitagnachmittag Ortszeit landeten
sie wie geplant im Pazifik vor Kalifornien. Aber wozu war das ganze gut?
Laut einer Sprecherin der European Space Agency (ESA) ging es bei der
[2][„Artemis 2“-Mission] weniger um wissenschaftlichen Fortschritt, sondern
eher um die Symbolkraft des Projekts. Das eigentliche Ziel sei gewesen, zu
zeigen, dass auch europäische Institute wettbewerbsfähig sind und an einem
neuen „Space Race“ teilnehmen können.
Das konnte die europäische Raumfahrtbranche problemlos unter Beweis
stellen. Immerhin war Deutschland mit dem in Bremen gebauten Europäischen
Servicemodul (ESM) die buchstäblich treibende Kraft des Raumschiffs: Es
stellt Antrieb, Temperatur und Strom für das Raumschiff Orion bereit und
versorgt die vierköpfige Besatzung obendrein mit Luft und Wasser.
Die Deutsche Luft und Raumfahrtgesellschaft (DLR) hingegen betrachtet die
Mondmission nicht nur als symbolischen Erfolg, sondern als wichtigen
Schritt für die Wissenschaft. Bei der ersten Mondreise vor über 50 Jahren
sei es natürlich vor allem um einen [3][politischen Wettlauf] gegangen, so
ein DLR-Sprecher.
Dennoch: Während der Artemis-Mission seien zahlreiche wissenschaftliche und
medizinische Tests durchgeführt worden. Außerdem hätten die
Astronaut:innen die „legendäre dunkle Seite des Mondes“ betrachtet und
kartiert. Dabei sollten unter anderem Vorkommen von Wasser und Wassereis
sowie mögliche Änderungen seit der letzten Betrachtung der Mondrückseite
erfasst werden. Auch ein südkoreanischer Satellit durfte per Anhalter mit
ins All und wurde von dort aus gestartet.
## Der Blick aus dem Vorgarten des Universums
Doch der Sinn der Mondmission geht laut DLR noch über diese
wissenschaftlichen Experimente und Beobachtungen hinaus: „Es ist so, dass
man auf dem Mond bleiben und dauerhaft Fuß fassen will“, erklärt Volker
Schmid, Berater der Vorstandsvorsitzenden in Raumfahrtbelangen des DLR. Und
um das zu ermöglichen, sei „Artemis 2“ eine Mission von unersetzlichem
Wert.
Mit dem Flug habe man nicht nur die Steuerung und Flugbahn des Schiffs
getestet, sondern auch die Lebenserhaltungssysteme an Bord. „Man hat
geschaut, wie es sich in der Kapsel so lebt“, erklärt Schmid. Auf der
„Artemis 2“ habe die Toilette beispielsweise nicht richtig funktioniert.
„So was kann man nur im Flug testen“, sagte Schmid, der dreimal die Leitung
von ISS-Experimenten übernahm.
„Der Mond ist ein Rückblick in die Erdgeschichte“, erklärt Schmid.
Forscher:innen gehen davon aus, dass der Mond aus einem Teil der Erde
besteht, der durch einen Meteoriteneinschlag ins All geschleudert wurde.
Mehr über ihn herauszufinden, bedeute auch, mehr über unseren eigenen
Planeten zu lernen, sagt Schmid. Außerdem eigne sich der Mond gut, um zu
forschen. Vom Mond, sozusagen „aus dem Vorgarten des Universums“ von der
Erde aus betrachtet, könne man nicht nur tiefer in den Kosmos schauen,
sondern auch leichter Missionen Richtung Mars starten. Auch wenn das
momentan noch etwas nach Science Fiction klinge, so Schmid.
## Ein Ritt auf einem „Feuerball“
Gegen 2 Uhr am Samstag deutscher Zeit landete das Raumschiff im Pazifik in
der Nähe von San Diego. Der Wiedereintritt in die Atmosphäre und die
Landung waren laut Expert:innen der riskanteste Teil der Mission – und
zwar nicht nur, weil es bei dem unbemannten Probeflug „Artemis 1“ im Jahr
2022 Probleme mit dem Hitzeschild gab.
Die Raumkapsel traf mit 32-facher Schallgeschwindigkeit auf die
Erdatmosphäre. Dabei war der Hitzeschild Temperaturen von 2.760 Grad
Celsius ausgesetzt – etwa halb so heiß wie die Sonne. Kein Wunder also,
dass US-Astronaut Victor Glover den Landeanflug durch die Atmosphäre vorher
als Ritt auf einem „Feuerball“ bezeichnete. Dieser war sogar von der Erde
aus am Himmel zu sehen. Die Astronaut:innen wurden mit einem
bereitstehenden Schiff eingesammelt.
Transparenzhinweis: Dieser Artikel wurde bereits Freitagnachmittag
veröffentlicht. Wir haben ihn nach der erfolgreichen Landung entsprechend
aktualisiert.
10 Apr 2026
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## AUTOREN
(DIR) Evke Bakker
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