# taz.de -- Krater „Carroll“ auf dem Mond: Diese entsetzliche Lücke
       
       > Die Artemis-II-Crew hat einen Mondkrater nach der verstorbenen Frau des
       > Astronauten Reid Wiseman benannt. Das ist schön – und verkleinert den
       > Gender-Crater-Gap.
       
 (IMG) Bild: Der Nasa-Astronaut Reid Wiseman sieht aus dem Hauptkabinenfenster des Orion-Raumschiffs auf den Mond
       
       Krater lassen sich auf zweierlei Weise betrachten: als Zeugnis einer
       enormen Wucht, eines Einschlags, der Energie freisetzt und sich für immer
       in das getroffene Objekt einschreibt. Oder als Leere, Lücke, Sinnbild für
       Abwesenheit.
       
       Der Krater, den die Artemis-II-Crew in dieser Woche nach der verstorbenen
       Ehefrau des Besatzungsmitglieds Reid Wiseman benannte, hat einen
       Durchmesser von 2,7 Kilometern und liegt auf der Grenze zwischen Vorder-
       und Rückseite des Mondes. Bei „Carroll“ handele es sich um einen
       „leuchtenden Punkt“, der manchmal von der Erde aus sichtbar sei, sagte
       Astronaut Jeremy Hansen Anfang der Woche [1][in einem Telefonat mit dem
       Kontrollzentrum in Houston]. Während er beim Sprechen immer wieder ins
       Stocken geriet, wischten sich seine links, rechts und über ihm schwebenden
       Kolleg:innen Reid Wiseman, Christina Koch und Victor Glover Tränen aus
       dem Gesicht.
       
       Carroll Wiseman starb 2020 mit 46 Jahren an Krebs. Ihr Mann, der nun einer
       von vier Menschen ist, die sich so weit von der Erde fortbewegt haben, wie
       nie jemand zuvor, bezeichnet die Zeit seit dem Verlust als größte
       Herausforderung seines Lebens.
       
       Die Benennung des Kraters ist genau genommen nur ein Antrag, am Schluss
       entscheidet die Internationale Astronomische Union (IAU). Und die sagt
       besser Ja, nicht nur, weil es eine schöne Geschichte ist, sondern auch, um
       eine andere Lücke – nennen wir sie den Gender-Crater-Gap – minimal zu
       verkleinern. Denn wie viele der etwa 1.600 nach Menschen benannten
       Mondkrater sind noch mal weiblich?
       
       Ach ja, richtig, 33. So wenige, dass man sie hier alle aufzählen könnte,
       aber bleiben wir bei einer Auswahl: Marie Curie und Lise Meitner, die
       spätantike Philosophin Hypatia und Astronominnen wie Caroline Herschel,
       Williamina Fleming und Henrietta Swan Leavitt.
       
       Doch kein Grund, sich zu beschweren, gibt es doch einen Himmelskörper,
       dessen Krater fast ausschließlich Frauen würdigen. Na klar. Es ist die
       Venus. Hier befinden sich unter anderem Kleopatra, Maria Stuart, Florence
       Nightingale, Frida Kahlo, Jane Austen, Maria Callas, Virginia Woolf und
       Emily Dickinson. Auf dem Merkur wiederum liegen die „Künstler und
       Schriftsteller“, was an der Stelle nicht weiter gegendert werden muss, weil
       die Frauen ja auf ihrem Frauenplaneten sind. Beethoven, Rembrandt, Dickens
       und Tolstoi bleiben unter sich.
       
       Schwerer als Frauen hat es bei der IAU übrigens nur die Popkultur. Von
       Spock bis Skywalker: Alles, was Spaß macht, kratert, sehr weit draußen,
       [2][auf dem nichtmalrichtigen Planeten Pluto].
       
       18.84°N 86.83°W, das sind „Carrolls“ Koordinaten. Die Crew hat den Mond
       mittlerweile hinter sich gelassen, der Krater bleibt. In der Nacht von
       Freitag auf Samstag sollen Hansen, Koch, Glover und Wiseman zur Erde
       zurückkehren.
       
       10 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.youtube.com/watch?v=DYzyn5T5-Aw
 (DIR) [2] /Auf-der-Suche-nach-Planet-9/!5390089
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Leonie Gubela
       
       ## TAGS
       
 (DIR) wochentaz
 (DIR) Mond
 (DIR) Gender
 (DIR) Namen
 (DIR) Astronaut
 (DIR) Raumfahrt
 (DIR) Reden wir darüber
 (DIR) Raumfahrt
 (DIR) talkshow
 (DIR) Raumfahrt
 (DIR) wochentaz
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Artemis 2: An der Realität vorbeigeflogen
       
       Rund 90 Milliarden US-Dollar kostete die Reise zum Mond. Das ist dreimal so
       viel, wie man bräuchte, um für ein Jahr den Welthunger zu stoppen.
       
 (DIR) Artemis 2: Der Mond im Mann
       
       Nach 54 Jahren fliegen Menschen wieder zum Mond. Doch wir sollten uns von
       den spektakulären Bildern nicht trügen lassen. Dabei gewinnt nur ein Mann.
       
 (DIR) „Artemis 2“ auf dem Rückflug: Einmal um den Mond und zurück
       
       Die „Artemis 2“-Crew entfernt sich weiter von der Erde als je Menschen
       zuvor und umrundet den Mond. US-Präsident Trump lädt sie ins Weiße Haus
       ein.
       
 (DIR) Geopolitik im Weltraum: Die dunkle Seite
       
       Ab dem 1. April soll die Artemis-II-Mission den Mond umrunden. Die USA
       wollen ihre Vormachtstellung im All sichern, doch China holt auf.