# taz.de -- Japanischer Jung-Komponist in Berlin: Balancierend oszillieren
       
       > Zwischen synthetisch-Artifiziellem und beiläufigem Naturalismus klingen
       > die Töne von Yuri Umemoto. Am Samstag lud das CCA ihn in die
       > Gedächtniskirche.
       
 (IMG) Bild: „Concerts“ – Yuri Umemoto mit Ozgur Kaya (Cello) und Weronika Weiss (Violine), präsentiert von CCA Berlin und INOUWA
       
       Eigentlich könnte es losgehen: Die Violinistin Weronika Weiss und der
       Cellist Ozgur Kayahabe sitzen einander mit frisch gestimmten Instrumente
       gegenüber. Alle aus der langen Schlange am Einlass haben am Samstag einen
       Platz in der Kapelle der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche gefunden. Schön
       auch, dass es eine improvisierte Bar gibt, es ist sehr warm hier.
       
       Einzig die Hauptperson fehlt: Es heißt, der Komponist Yuri Umemoto, gerade
       von einem der Initiatoren dieses ostersamstäglichen Nachmittagskonzert als
       „prodigy“ – „Ausnahmetalent“ – beschrieben, verspätet sich etwas. Nun, der
       Musiker aus Tokio ist gerade auch wirklich busy. Als Stipendiat an der
       Akademie Schloss Solitude arbeitet der 23-Jährige an einer Oper: dem
       Anime-Musiktheater crypt_, das im Mai bei der Münchener Biennale
       uraufgeführt wird.
       
       Wenig später weht der zierliche Mann herein: Monchichi-Frisur, silberne
       Kette über weißem Hemd, das nach Haute Couture aussieht, aber wohl eher
       Cosplay-Welten entstammt; dazu eine lässige Hose und Boots mit vergilbtem
       Union-Jack-Aufdruck. Schwuppdiwupp lässt er sich in einen Schneidersitz auf
       den Boden fallen und beginnt zu dirigieren, so versunken wie fokussiert.
       
       Zunächst stehen sieben kurze Stücke auf dem Programm, für jeden Wochentag
       eines. Darüber konnte sich das Publikum in der Wartezeit schlaumachen. Zu
       jedem Tag steht auf Zetteln, die in der Kapelle ausliegen, ein paar Worte.
       Beim Sonntag etwa: „He’s covering his ears/ Shut up, it’s too loud“; am
       Dienstag dann „They’re feeding/ They’re feeding/ Yeah, they are feeding on
       the floor“. Gemeint sind damit übrigens Tauben – was man aber nur erfährt,
       wenn man sich die Fotos aus [1][Umemotos Webseite] anschaut.
       
       ## Zwischen Künstlichkeit und Naturalismus
       
       Derartige Alltagsfragmente hat Umemoto in musikalische Motive übersetzt.
       Für alle zu hören sein werden sie [2][auf dem Album „Concerts“], das im
       Juni beim Brüsseler Label und Künstlerkollektiv Isengard erscheint. Heute
       ist also Livepremiere. Eingespielt wird eine Stimme aus dem Computer, die
       diese Momentaufnahmen mantrenartig englisch und japanisch singsprecht.
       
       Hört sich ganz schön KI-generiert an. Nach dem Konzert erklärt der Künstler
       auf Nachfrage jedoch, die Stimme gehöre einer Schulfreundin, er habe sie
       nur etwas hochgepitcht. Das Balancieren zwischen artifiziell anmutenden
       Welten und beiläufigem Naturalismus fügt sich in Umemotos Ästhetik, die
       zwischen Ambient, Neuer Musik, Klassik und Popkultur oszilliert;
       stilprägend für ihn ist die Otaku-Kultur, die sich als nerdige Leidenschaft
       für Manga, Videospiele, Anime, aber auch Computertechnik beschreiben lässt.
       
       Was die Musiker:innen heute auf die Bühne bringen – auch Umemoto wird
       sich zum Konzertfinale ans Klavier setzen – klingt jedoch eher nach
       munterer Klassik als nach experimentellen Klangwelten und wirkt zudem
       ziemlich zugänglich. Für produktive Irritation sorgt vor allem die
       kindlich-naive Stimme.
       
       Auf die Beine gestellt hat dieses erfrischend eigenwillige Konzert [3][das
       Berliner CCA – Center for Contemporary Art]. Muss man sich merken, dass
       dieser an der Gedächtniskirche ansässige Kunstort nicht nur sehenswerte
       Ausstellungen präsentiert, [4][sondern auch Bücher], Lectures oder
       Konzerte.
       
       6 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.yuriumemoto.com/
 (DIR) [2] https://soundcloud.com/isengard01/yuri-umemoto-wednesday
 (DIR) [3] /Berliner-Kunstraum-CCA-im-Portrait/!6095431
 (DIR) [4] /Flanieren-zwischen-Worten-und-Raeumen/!6077709/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Stephanie Grimm
       
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