# taz.de -- Friedensbewegung: Ostermärsche gestartet
> Tausende gehen für Frieden und Abrüstung auf die Straße. Gewarnt wird
> auch vor dem Bau deutscher Atombomben: Möglich macht den die
> Urananreicherungsanlage in Gronau.
(IMG) Bild: In Gronau forderten rund 120 Menschen „Kriege stoppen – Frieden und Abrüstung jetzt“
Gronau/Bochum taz | Mit der Forderung „Kriege verweigern – Frieden
schaffen“ haben die [1][Ostermärsche] begonnen, zu denen die
Friedensbewegung allein am Samstag an rund 70 Orten insgesamt mehrere
10.000 Menschen erwartet hat. Kundgebungen gab es etwa in Berlin, Duisburg,
München, Stuttgart. Allein in der Bundeshauptstadt kamen rund 1.600
Demonstrant:innen zur Auftaktkundgebung im Mauerpark in Prenzlauer
Berg. In Bremen, Mannheim und Kassel waren es jeweils etwa 800, Wiesbaden
und Fulda jeweils rund 500.
Schon am Freitag hatte es Ostermärsche etwa rund um Deutschlands einzige
Urananreicherungsanlage im münsterländischen Gronau, vom Neumarkt in
Chemnitz und zum Bundeswehr-Fliegerhorst Jagel bei Schleswig gegeben. Erste
Aktionen fanden bereits am Gründonnerstag etwa in Regensburg, Erfurt und
Jena statt.
In Gronau forderten rund 120 Menschen ab Freitagmittag unter dem Motto
„Kriege stoppen – Frieden und Abrüstung jetzt“ ein Ende des Tötens nicht
nur in der Ukraine und im Nahen Osten. „Die aktuelle Politik bedeutet
unendliches menschliches Elend durch Tote und Verletzte, Flüchtlinge in
vielen Ländern – und ökologische Katastrophen etwa durch Bombardierung von
Anlagen der Ölindustrie“, mahnte Ostermarsch-Organisator Udo Buchholz.
Gleichzeitig warnte er vor der „militärischen Brisanz“ der dortigen
Urananreicherungsanlage (UAA): Schließlich die [2][sichere Deutschland „den
Status einer stillen Atommacht“], kritisieren
Friedensdemonstrant:innen und Atomkraftgegner:innen seit Jahren.
Denn die Gronauer UAA, die 30 bis 40 große Atomkraftwerke (AKW) beliefern
und damit knapp 10 Prozent des weltweiten Bedarfs an Atombrennstoff decken
kann, nutzt die gleiche Zentrifugen-Technik wie die iranischen
Urananreicherungsanlagen in Natans und Fordo, [3][die das US-Militär im
März 2026 und zuvor im Juni 2025 bombardiert hat]. Begründung der
US-Regierung: Dort solle Material für Atomwaffen hergestellt werden.
Noch wird in Gronau Uran nur bis zu einem Prozentsatz von rund 5 Prozent
angereichert, wie es für konventionelle AKW benötigt wird. Doch die
UAA-Betreiberfirma Urenco arbeitet längst an höheren Anreicherungsgraden,
wie sie etwa für sogenannte „Small Modular Reactors“ (SMR) benötigt werden:
Auf diese Mini-AKW setzen Politiker:innen wie etwa die
EU-Kommissionsvorsitzende Ursula von der Leyen (CDU), die [4][von einer
Renaissance der Atomkraft träumt] und den Atomausstieg für einen
„strategischen Fehler“ hält.
Für den Betrieb der SMR aber ist Uran von einem Anreicherungsgrad von bis
zu 20 Prozent nötig – sogenanntes „High-Assay Low-Enriched Uranium“
(HALEU). Urenco beschreibt sich selbst als „Pionier“ in der
HALEU-Produktion – und wolle wohl auch dazu in den kommenden Jahren
[5][rund eine Milliarde Euro in Gronau investieren], fürchten
Atomkraftgegner:innen. Damit sei der Weg frei für noch höhere
Anreicherungsgrade von 90 Prozent und mehr, wie sie für den Bau von
Atomwaffen benötigt werden, warnte etwa der Diplom-Ingenieur Reinhard
Övermann: „Hier in Gronau wird bereits jetzt und heute der Bau von
Atombomben vorbereitet“, erklärte er am Freitag in einem Redebeitrag vor
der UAA.
Das „unerträgliche Geschrei nach der Atombombe“ müsse aufhören, forderte
auch Heiner Möllers von der Bürgerinitiative „Kein Atommüll in Ahaus“, die
weiter [6][gegen die drohenden 151 Castor-Transporte mit hochradioaktivem
Atommüll mitten durch NRW kämpft]. Im Blick dabei:
CDU-Bundestagsfraktionschef Jens Spahn. Der aus dem münsterländischen
Borken stammende Christdemokrat hatte im vergangenen Sommer eine
[7][„Debatte über einen eigenständigen europäischen nuklearen
Schutzschirm“] gefordert – mit „deutscher Führung“.
Noch weiter vor wagte sich Anfang des Jahres der Bundeswehr-Brigadegeneral
Frank Pieper. „Deutschland braucht eigene Atomwaffen“, schrieb der
„Direktor Strategie“ an der Führungsakademie der Bundeswehr in einem als
[8][„ausschließlich persönliche Meinung“ deklarierten Beitrag bei
Instagram]. Und zumindest über ein europäisches System nuklearer
Abschreckung zusammen mit den Atommächten Frankreich und Großbritannien
[9][denkt offenbar auch CDU-Bundeskanzler Friedrich Merz nach]. „Wir
Menschen sind die einzige Spezies, die den eigenen Lebensraum zerstören
können – und es auch ziemlich erfolgreich tun“, hielt mit Blick auf die
Atomwaffen-Diskussion Gertrud Roth als Vertreterin der Katholischen
Frauengemeinschaft Deutschlands dagegen.
Gewarnt wurde in Gronau auch vor den Gefahren durch die UAA selbst. Die
Anlage sei nicht wie in Iran „tief in einem Berg versteckt“, sondern liege
in einem Industriegelände auf „einem riesigen Präsentierteller“, erklärte
der Ingenieur Övermann, der nur etwa 20 Kilometer entfernt in Steinfurt
lebt. Dies sei nicht nur „eine direkte Einladung für Putins Drohnen“ –
überhaupt sei die nur mit Maschendrahtzäunen umgebene Anlage völlig
unzureichend geschützt.
Denn in Gronau lagern schon heute 51.000 Tonnen abgereicherter Atommüll in
Form von Uranhexafluorid in mehr als 4.000 Fässern unter freiem Himmel.
Sollte deren Inhalt etwa durch Anschläge freigesetzt werden und mit der
Feuchtigkeit der Luft reagieren, entsteht hochgiftige Flusssäure – und von
der seien schon geringste Mengen tödlich, warnt Övermann. Bei
„ungünstigsten Wetterlagen“ könne es „zu schweren gesundheitlichen Schäden
kommen, wenn der dabei auftretende, deutlich sichtbare Flusssäurenebel
nicht gemieden wird“, warnt selbst [10][Urenco in einer nach
Strahlenschutzverordnung vorgeschriebenen Information] der Öffentlichkeit.
Weitere Friedens-Demos soll es auch am Sonntag und Montag geben. Der am
Samstag in Duisburg gestartete Ostermarsch Rhein-Ruhr führt auf seinem Weg
nach Dortmund über Essen, Gelsenkirchen, Herne und Bochum. Am Montag sind
Abschlusskundgebungen etwa in Frankfurt am Main, Hamburg, und Nürnberg
geplant – und am Fliegerhorst Büchel in Rheinland-Pfalz: Dort lagern
Atomwaffen der USA, auf die [11][die Luftwaffe im Zuge der „nuklearen
Teilhabe“ Deutschlands] zugreifen kann.
4 Apr 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.friedenskooperative.de/ostermarsch-2026
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(DIR) [7] https://www.spiegel.de/politik/deutschland/atomwaffen-europas-optionen-gegen-russlands-nukleare-drohungen-a-e3bbfb8b-8b84-4889-ab7e-dda64ec33530
(DIR) [8] https://www.linkedin.com/feed/update/urn:li:activity:7413478275202625536/?originTrackingId=VLaYoGBGkuDz5VKDbn3Wpg%3D%3D
(DIR) [9] /Atomindustrie-unter-russischem-Einfluss/!6160616
(DIR) [10] https://www.urenco.com/cdn/uploads/supporting-files/UD_Information_booklet_260623.pdf
(DIR) [11] https://www.bundestag.de/resource/blob/513080/c9a903735d5ea334181c2f946d2cf8a2/wd-2-013-17-pdf-data.pdf
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(DIR) Andreas Wyputta
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