# taz.de -- Ostermarsch in Berlin: Auf der Suche nach Bewegungsfrieden
       
       > Am Samstag ruft die Friko Berlin zum Protest gegen Aufrüstung und
       > Wehrpflicht. Man hofft, durch die Empörung über den Irankrieg aus der
       > Schmuddelecke herauszukommen.
       
 (IMG) Bild: Heraus zum Frieden – hier beim Berliner Ostermarsch 2025
       
       „Nicht in unserem Namen“ – unter diesem Motto ruft ein Bündnis unter
       Führung der Friedenskoordination (Friko) Berlin zum diesjährigen
       Ostermarsch auf. Laut Aufruf richtet sich der Protest gegen die
       Aufrüstungspolitik, die Wiedereinführung der Wehrpflicht und [1][die
       geplante Stationierung von US-Mittelstreckenraketen], gegen
       Waffenlieferungen an die Ukraine und Israel sowie gegen die allgemeine
       Erosion des Völkerrechts. Starten soll der Protest am Samstag um 13 Uhr am
       Mauerpark an der Oderberger Straße.
       
       „Wir wollen, dass an die Stelle des Rechts des Stärkeren wieder das
       Völkerrecht tritt“, sagt Jutta Kausch-Henken vom Demobündnis zur taz. Es
       sei höchste Zeit, dass sich ein breiter Protest gegen die deutsche
       Unterstützung der Kriege im Iran und in Gaza formiere. „Die Regierung hat
       einen Amtseid geschworen, jegliche Gefahren von der Bevölkerung abzuwenden
       und alle Vorbereitungen auf einen Angriffskrieg abzulehnen. Dieser
       Verfassungsbruch muss aufhören“, so Kausch-Henken.
       
       Mit einer breiten Bündnisaufstellung sucht die Friko dabei Anschluss an
       große Antikriegsmobilisierungen der vergangenen Jahre, etwa an die
       palästinasolidarischen Proteste und die Schüler:innenbewegung gegen
       die Wehrpflicht. So soll auf der Demonstration unter anderem Basem Said von
       der Gruppe Eye for Palestine sprechen, die im vergangenen Jahr [2][die
       große Solidaritätsdemonstration für Gaza mitorganisierte]. Auch
       Schüler:innen vom Jugendbündnis „Nein zur Wehrpflicht“ sind als
       Redner:innen angekündigt. Zudem treten bekannte Vertreter:innen der
       Friedensbewegung auf, darunter die Linken-Politikerin Ulrike Eifler.
       
       In den vergangenen Jahren waren die Ostermärsche insgesamt – die Berliner
       Friko jedoch besonders – gesellschaftlich ins Abseits geraten. [3][In
       Berlin haben sich Teile der Friedensbewegung von der Friko distanziert],
       weil diese auf ihren Protesten den russischen Imperialismus partout nicht
       als solchen benannt hatte. Dazu kamen Vorwürfe von Antifagruppen, [4][die
       Organisator:innen würden einen offenen „Schulterschluss“ mit rechten
       Gruppen suchen.]
       
       ## Mobilisierung durch Irankrieg
       
       „Diese Diskussion wollen wir nicht mehr führen“, sagt Kausch-Henken dazu.
       „Uns wurde in den vergangenen Jahren eine Rechtsoffenheit unterstellt, die
       wir nie hatten.“ Für die Friko sei klar, dass Faschist:innen auf der
       Demonstration nichts zu suchen hätten. „Wenn es entsprechende Vorfälle
       gibt, fordern wir die betreffenden Personen auf zu gehen. Wenn das nicht
       gelingt, rufen wir die Polizei“, so Kausch-Henken. Eine grundsätzliche
       Debatte über Rechtsoffenheit, nur weil „irgendwo ein AfD-Mitglied mit
       Anstecknadel steht“, halte sie für nicht zielführend.
       
       In Sachen Ukrainekrieg richtet sich der Aufruf derweil auch in diesem Jahr
       vor allem gegen das „Feindbild Russland“. Als „Lüge“ bezeichnet der Aufruf,
       dass Russland einen Angriff auf Deutschland vorhabe – die militärische
       Übermacht der Nato erlaube das gar nicht. Auch gegen Waffenlieferungen an
       die Ukraine stellt sich das Bündnis – und fordert stattdessen einen ernst
       gemeinten Friedensplan. Wer den Krieg in der Ukraine begonnen hat, schreibt
       die Friko nicht.
       
       Hoffnung macht man sich in der Bewegung, dass die Mobilisierung in diesem
       Jahr auch deshalb größer wird, weil sich in Deutschland der Irankrieg mit
       den westlichen Aggressor:innen USA und Israel leichter als etwa der
       Ukrainekrieg skandalisieren lassen könnte. „Eine Schande“ sei es, dass es
       die Bundesregierung nicht fertigbringe, diesen Krieg als völkerrechtswidrig
       zu benennen, sagt Kausch-Henken. Auch dass der Iran „keine Demokratie“ sei,
       ändere nichts an der Abscheulichkeit des Krieges: „Wir können nicht unsere
       Vorstellung von Demokratie in den Iran reinbomben.“
       
       Viele Leute würden sich denken: „Trump hat doch einen Knall.“ Dass dessen
       Kriege in Deutschland über die US-Militärbasis Ramstein geführt werden,
       löse deshalb zu Recht große Ängste aus. Sie hoffe, dass dies zu einem
       Zulauf für die Friedensbewegung führt. „Wir fordern, dass Deutschland wie
       Spanien klar eine Absage an jede Mitwirkung an diesem Krieg ausspricht“,
       sagt Kausch-Henken.
       
       1 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Stationierung-von-Mittelstreckenraketen/!6026934/
 (DIR) [2] /Gaza-Demonstration-in-Berlin/!6115575
 (DIR) [3] /Ostermarsch-2025/!6079296
 (DIR) [4] https://antifa-nordost.org/13615/kein-frieden-mit-rechten-gegen-querfront-bestrebungen-innerhalb-der-berliner-friko-und-den-schulterschluss-mit-rechten-in-teilen-der-friedensbewegung/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Timm Kühn
       
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