# taz.de -- Widerstand gegen Tech-Konzerne: Big Tech den Stecker ziehen
       
       > Wie lässt sich die Macht von Google, Amazon und Co. bremsen? Die
       > Bewegungskonferenz „Cables of Resistance“ erkundet Möglichkeiten des
       > Widerstands.
       
 (IMG) Bild: Gegen Big Tech hilft Grassroots-Vernetzung
       
       Wo deine Wohnung war, ist ein Airbnb. Deinen Job macht jetzt ein
       Algorithmus. Dein Ex verbreitet Deepfake-Pornografie von dir im Internet.
       Am Bahnhof wirst du mal wieder kontrolliert, weil die KI-gestützte
       Überwachung deine Hautfarbe verdächtig findet.
       
       Die schöne neue Welt der Tech-Konzerne hat viele Schattenseiten. Doch
       müssen wir das widerstandslos hinnehmen? Dieser Frage widmet sich die
       [1][Cables of Resistance-Konferenz], die vom 10. bis zum 12. April in
       Berlin stattfindet. Die „erste Bewegungskonferenz gegen Big Tech“ will
       Klima- und Mietenaktivist:innen, Gewerkschafter:innen, Feminist:innen
       und Antifaschist:innen im Kampf gegen die wachsende Macht der
       Technologiekonzerne zusammentrommeln. „Wir wollen Widerstände bündeln und
       miteinander in Kontakt bringen“, sagt Jan Winter, Mitorganisator der
       Konferenz, der taz.
       
       In den letzten Jahren hat sich Digitalisierung vom Nischen- zum
       Querschnittsthema in den antikapitalistischen Bewegungen entwickelt.
       Entsprechend vielfältig ist das Programm. Gleich mehrere Panels drehen sich
       um den enormen Ressourcen- und Energieverbrauch von Rechenzentren, die
       überall auf der Welt entstehen, um KI-Modelle zu betreiben – [2][auch in
       Berlin und Brandenburg.] So plant Berlin, die Kapazitäten seines
       Stromnetzes in den nächsten 10 Jahren zu verdoppeln, um dem Bedarf der
       Rechenzentren nachzukommen.
       
       Selbst wenn Rechenzentren mit Ökostrom betrieben werden, fehle dieser an
       anderer Stelle, kritisiert Rike Freitag, ebenfalls Teil des Orga-Teams. In
       Irland würden Rechenzentren heute schon mit Gas betrieben. „Seitdem es den
       Hype um KI gibt, entsteht eine neue klimaschädliche Industrie“, sagt
       Freitag. „Politisch ist es schwer, dagegen zu diskutieren, weil KI als
       allmächtig und unvermeidbar gilt.“
       
       ## „Ungebremster Tech-Urbanismus“
       
       Ein anderer Fokus der Konferenz ist die Verbindung von Technologie und
       Faschismus. „Nicht erst seit dem Hitlergruß von Elon Musk ist den Menschen
       klar geworden, welche Gefahr hinter den Tech-Konzernen steckt“, sagt
       Mitorganisator Winter. Tech-Milliardäre wie Musk oder Peter Thiel strebten
       unverblümt danach, die Demokratie zu überwinden.
       
       Winter selbst kommt aus der stadtpolitischen Bewegung. Jahrelang hat er in
       der Initiative „Berlin versus Amazon“ gegen [3][die Ansiedlung des
       Tech-Riesen] in Berlin-Friedrichshain gekämpft. Leider vergeblich, seit
       vergangenem Jahr residiert das Unternehmen im sogenannten „Amazon-Tower“ an
       der Warschauer Brücke.
       
       Die Befürchtung: Mit den Firmenzentralen kommen Spekulation und
       Gentrifizierung in die Stadt, die zu steigenden Mieten, Verdrängung und
       Obdachlosigkeit führen. Die Stadt wird geteilt in solche, die sie sich
       leisten können, und solche, die es trotz Arbeit nicht mehr können. Sie wird
       umgestaltet durch Big Tech und für Big Tech, auf Kosten der Bewohner:innen.
       Winter bezeichnet das als „[4][ungebremsten Tech-Urbanismus]“.
       
       Aus Sicht der Organisator:innen dient vieles, was uns als Fortschritt
       verkauft wird, hauptsächlich dazu, das alte kapitalistische Spiel aus
       Ausbeutung und Akkumulation noch weiter voranzutreiben. So ersetzen
       KI-Algorithmen keine Arbeit, sondern lagern sie nur aus – zum Beispiel an
       schlecht bezahlte Klickarbeiter:innen im Globalen Süden, die die
       Algorithmen per Hand trainieren.
       
       ## Graswurzel-Kongress
       
       „Die Tech-Konzerne sagen immer, alles ist neu, dabei ist es genau dieselbe
       kapitalistische Lüge in einem neuen Sci-Fi-Gewand“, fasst Rike Freitag
       zusammen.
       
       Neben einer fundamentalen Kritik am Tech-Kapitalismus ist die Konferenz
       auch um Alternativen bemüht. Ein Vortrag geht zum Beispiel der Frage nach,
       wie sich Plattformen wie Immoscout vergesellschaften und
       gemeinwohlorientiert betreiben lassen. In einem anderen Vortrag soll
       diskutiert werden, wie sich die Produktion von Hardware ressourcen- und
       umweltschonend organisieren lässt.
       
       Dass die Konferenz in Berlin stattfindet, ist kein Zufall. Tech-Unternehmen
       haben es seit jeher schwer, in der Stadt Fuß zu fassen. 2018 verhinderten
       Aktivist:innen erfolgreich einen „Google Campus“ in Kreuzberg. Die
       Ansiedlung von Tesla in Grünheide begleiteten Aktivist:innen mit
       Massenaktionen, Waldbesetzungen und Sabotage. Bei der deutschen
       Tiktok-Niederlassung schafften es Gewerkschafter:innen zum ersten Mal,
       einen Streik in einem Tech-Unternehmen zu organisieren. „Berlin ist das
       Herz des europäischen Anti-Tech-Protests“, sagt Rike Freitag.
       
       Auch die Idee für die Konferenz entstand aus dieser Gemengelage
       antikapitalistischer Graswurzelbewegungen. Eine Partei oder größere
       Organisation steht nicht dahinter. „Wie viele linke Projekte haben wir in
       einer WG-Küche angefangen. Aber wir wurden sehr schnell sehr viele Leute“,
       sagt Winter. Man sei überwältigt gewesen von den Rückmeldungen. Die Tickets
       für die Konferenz sind mittlerweile ausverkauft. „Ich glaube, das wird viel
       bewegen“, sagt Winter.
       
       8 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
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