# taz.de -- Künstliche Inteligenz: Die Schattenseiten der Technik
       
       > KI ist überall: Sogar in Dating, Kunst und Musik. Big Tech treibt ihre
       > Entwicklung voran. Doch auf Mensch und Umwelt wirkt sie sich oft negativ
       > aus.
       
 (IMG) Bild: Wer soll sich da noch zurechtfinden?
       
       Eigentlich sollte Künstliche Intelligenz den Alltag erleichtern. So das
       Versprechen von Big Tech. KI übernimmt theoretisch die Aufgaben, mit denen
       wir Menschen uns nicht gerne beschäftigen wollen – oder können. KI soll
       effizienter sein, mehr leisten als wir.
       
       Doch effizient ist die Technologie nicht nur in den Bereichen, die wir
       gerne abtreten. Sie übernimmt auch Aufgaben, die uns eigentlich Spaß
       machen. So explodieren etwa KI-generierte Kunst und Musik. Dabei werden
       diese Werke von einer Maschine erzeugt und entbehren jeden künstlerischen
       Wert.
       
       In fast alle Lebensbereiche ist KI bereits eingedrungen. Wir stellen Fragen
       an KI-Chatbots, die möglicherweise Falschinformationen halluzinieren. Ein
       Großteil der Medien, die wir konsumieren, ist KI-generiert. Jedes Foto oder
       Video, auf das wir stoßen, müssen wir bezüglich seiner Echtheit
       hinterfragen. Hinzu kommen unnötige Tools, die gewöhnliche Haushaltsgeräte
       bereithalten. Braucht ein Kühlschrank wirklich eine KI-Funktion?
       
       Mittlerweile haben viele Menschen gar keine Lust mehr auf Künstliche
       Intelligenz im Alltag, die uns langsam, aber sicher alle Autonomie raubt.
       Big-Tech-Firmen wie Google und Amazon treiben diese Entwicklung auf Kosten
       der Menschen eigennützig voran. Um Algorithmen und KI-Modelle zu
       trainieren, sind große Rechenzentren nötig, die Unmengen an Strom und
       Ressourcen verbrauchen.
       
       Diese Rechner müssen ständig gekühlt werden und benötigen dafür mehrere
       tausend Liter Wasser – pro Tag. Wenn sich Technologiekonzerne in Städten
       ansiedeln, verlieren die Menschen dort außerdem dringend benötigten
       Wohnraum. Die Bewegung gegen Big Tech, und damit auch KI, nimmt auch aus
       diesen Gründen Fahrt auf. In Berlin widersetzt sich die antikapitalistische
       Bewegungskonferenz [1][„Cables of Resistance“], die am 12. April
       stattfindet, den großen Technologiekonzernen.
       
       ## Kehrseite der digitalen Revolution
       
       Zahllose Serien, Bücher und Filme prophezeien schon seit Jahren die
       Kehrseite der digitalen Evolution und KI insbesondere. Es handelt sich
       gleichwohl um Fiktion, die dennoch verdächtig realitätsnah wirkt. Wir
       denken an „Ex Machina“, „Matrix“ oder „Black Mirror“. Filme und Serien, die
       uns eine Version der Zukunft präsentieren, in der Maschinen in der Lage
       sind, Menschen zu unterwerfen.
       
       Im Grunde kontrollieren uns Big Tech und KI bereits jetzt, wenn auch in
       geringerem Ausmaß. Sie bestimmen, was wir wahrnehmen, konsumieren und mit
       wem wir interagieren. Politisch polarisierender Content wird besonders
       häufig ausgespielt. Auch wie viel Zeit wir online verbringen, kontrollieren
       sie – das massive Suchtpotenzial algorithmischer Plattformen sorgt für hohe
       Bildschirmzeiten.
       
       Die Allgegenwärtigkeit von KI zieht Fragen nach sich. Was macht den
       Menschen aus, was kann nicht ersetzt werden? Denn sogar unser Verständnis
       von Liebe und Dating wird von KI verändert. Apps, die dazu imstande sind,
       eine:n Traumpartner:in zu entwerfen und vermeintlich tiefgründige
       Gespräche mit uns führen können, drohen, menschliche Beziehungen zu
       ersetzen.
       
       Hier verflechtet sich KI auch mit Incel-Culture. Junge, einsame Männer, die
       sich bei der Partnerinnensuche schwertun, greifen vermehrt auf Künstliche
       Intelligenz zurück, die menschliche Nähe imitiert und auch optisch die
       perfekten Frauenkörper inszeniert. Dabei setzt die KI unerreichbare
       Standards für Frauen. Denn so unterwürfig, so zugewandt und bedürfnislos
       kann und will kein echter Mensch sein.
       
       Ein grundlegendes Problem ist die Kommerzialisierung von KI. Wie man sie
       einsetzt, macht am Ende den Unterschied. Natürlich können KI-Modelle auch
       sinnvoll genutzt werden, zum Beispiel in der medizinischen Diagnostik oder
       für die Vorhersage von Naturkatastrophen.
       
       Diese Lichtblicke rechtfertigen jedoch nicht die explosionsartige
       Errichtung riesiger Rechenzentren für kommerzielle Zwecke, mit der wir uns
       derzeit konfrontiert sehen. Wenn Wachstum unaufhaltsam ist, so muss es
       zumindest stärker reguliert werden. Mittlerweile ist klar, dass
       Big-Tech-Firmen nicht daran interessiert sind, das Leben der Menschen zu
       erleichtern. Hingegen wird ihrer Profitgier hinter dem Vorwand des
       technologischen Fortschritts keine Grenze gesetzt.
       
       11 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://cableresist.de/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Martha Lippert
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Schwerpunkt Künstliche Intelligenz
 (DIR) Alltagsleben
 (DIR) Smart City
 (DIR) Social-Auswahl
 (DIR) Schwerpunkt Künstliche Intelligenz
 (DIR) Schwerpunkt Künstliche Intelligenz
 (DIR) Big Tech
 (DIR) Elon Musk
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Boom von Künstlicher Intelligenz: Erster US-Bundesstaat lehnt Bau neuer Datenzentren ab
       
       Bis Ende 2027 sollen keine Rechenzentren in dem Bundesstaat Maine gebaut
       werden. Ein Expertenrat soll ihre Folgen für Gesundheit und Umwelt
       untersuchen.
       
 (DIR) KI im Schulalltag: Das große Ausprobieren
       
       ChatGPT und Co haben den Schulalltag verändert. Auch Lehrkräfte greifen
       immer öfter zur KI-Unterstützung. Was fehlt, sind einheitliche Regeln.
       
 (DIR) Konferenz gegen Tech-Konzerne: „Muss es wirklich künstliche Intelligenz sein?“
       
       Julia Kloiber ist Mitgründerin des feministischen Tech-Kollektivs Superrr
       Lab. Hier spricht sie über Macht, Mythen und Missverständnisse rund um KI.
       
 (DIR) Widerstand gegen Tech-Konzerne: Big Tech den Stecker ziehen
       
       Wie lässt sich die Macht von Google, Amazon und Co. bremsen? Die
       Bewegungskonferenz „Cables of Resistance“ erkundet Möglichkeiten des
       Widerstands.