# taz.de -- Nabu kooperiert mit Bundeswehr-Thinktank: Mehr Wildnis wagen, mehr Sicherheit gewinnen
       
       > Moore als natürliche Barrieren, Elektropanzer, Kasernen mit Solaranlagen:
       > Nabu und ein Bundeswehr-Thinktank denken Umwelt und Sicherheit zusammen.
       
 (IMG) Bild: „Moore sind dreifach wertvoll. Sie schützen Klima, Artenvielfalt und im Ernstfall auch unsere Sicherheit“
       
       „Wir erleben eine doppelte Zeitenwende: sicherheitspolitisch und
       ökologisch“, erklärt Malte Siegert die ungewöhnliche Kooperation, die
       Umweltschutz und Verteidigung künftig zusammendenken will. Der Hamburger
       Nabu-Chef hat zusammen mit den Nabu-Kollegen in Schleswig-Holstein und dem
       Hamburger Bundeswehr-Thinktank German Institute for Defence and Strategic
       Studies (GIDS) ein Ideenpapier unter dem Titel [1][„Mehr Wildnis wagen –
       mehr Sicherheit gewinnen“] veröffentlicht. Weil: Naturschutz sei „kein
       Luxus, sondern Grundlage unserer gemeinsamen Sicherheit“.
       
       Ein engerer Austausch zwischen Nabu und Bundeswehr soll künftig Ansätze
       einer integrierten Sicherheitsstrategie liefern. „Wer heute Sicherheit
       denkt, muss Natur mitdenken“, betont Siegert. Alles andere greife zu kurz.
       Die Idee Klimaschutz, Nachhaltigkeit und Verteidigung zusammenzubringen,
       ist nicht neu. [2][Bereits im November 2023 hatte das
       Verteidigungsministerium eine solche Strategie vorgestellt.]
       
       Nabu und GIDS haben sie nun etwas weiter formuliert. Umweltschutz erhöhe
       die Verteidigungsfähigkeit von Staaten und Nationen, sagen die Experten.
       Das klappt etwa beim Schutz von Wäldern. Denn diese können als natürliche
       Verteidigungsstellungen fungieren – besonders wenn sie alt sind.
       
       Dabei gelte: je größer der Stammumfang der Bäume, desto größer die hemmende
       Wirkung. Für moderne Fahrzeuge seien Wälder zwar kaum noch ein Hindernis,
       Truppenbewegungen könnten sie aber durchaus verlangsamen. Waldkampf ist für
       Militärs annähernd so komplex wie ein Kampf in der Stadt.
       
       ## Moore als natürliche Verteidigungsstrukturen
       
       Im Fokus von Nabu und GIDS steht auch die Renaturierung von Feuchtgebieten.
       [3][Besonders Moore könnten im Kriegsfall – wie im Mittelalter ein
       Burggraben – wichtig werden]. Sie würden militärische Bewegungen
       verlangsamen und gleichzeitig die Resilienz von Landschaften erhöhen.
       Potenziellen Angriffen werde so das Überraschungsmoment genommen.
       
       „Moore sind dreifach wertvoll. Sie schützen Klima, Artenvielfalt und im
       Ernstfall auch unsere Sicherheit in Deutschland und Europa“, sagt Alexander
       Schwarzlose, Landesvorsitzender des Nabu Schleswig-Holstein. Im
       Ukraine-Krieg werden Moore bereits als natürliche Barrieren genutzt,
       Finnland, Polen und die baltischen Staaten renaturieren die Feuchtgebiete
       bereits gezielt als natürliche Verteidigungsstrukturen. Das nützt
       gleichzeitig auch dem Klimaschutz.
       
       Weiterer Punkt: Die Bundeswehr muss ihre fossilen Abhängigkeiten
       reduzieren, um widerstandsfähiger zu werden. „Eine Armee, die am Tropf
       fossiler Lieferketten hängt, ist verwundbar“, sagt Stefan Bayer,
       Forschungsleiter beim GIDS. Die Abkehr von fossilen Treibstoffen verbessere
       aber nicht nur die Einsatzfähigkeit der Armee.
       
       ## Erneuerbare sind auch beim Militär angekommen
       
       Volkswirtschaften könnten ihre Energiesouveränität steigern – das mache sie
       unabhängiger von Importen und verringere die Treibhausgasemissionen. „Mehr
       erneuerbare Energie bedeutet mehr Unabhängigkeit, mehr Durchhaltefähigkeit
       und mehr Sicherheit“, sagt Bayer. So nehme auch die geopolitische
       Erpressbarkeit der Bundesrepublik ab.
       
       Wasserstoffbetriebene Motoren, Elektromotoren, Hybridantriebe oder E-Fuels
       könnten in Zukunft zum Beispiel in Panzern an die Stelle von Diesel treten.
       Das schütze nicht nur das Klima, sondern hätte auch strategische Vorteile.
       Fahrzeuge mit Elektro- oder Hybridantrieb zum Beispiel seien schwerer zu
       orten – auch für Drohnen, sagen die Autoren. Wasserstoff sei für
       Militärfahrzeuge derzeit noch keine Alternative zu fossilen Brennstoffen.
       Er könne jedoch anderweitig eingesetzt werden, etwa zum Betreiben von
       Feldlagern.
       
       Mehr Naturnähe wünschen sich die Autoren auch für Kasernen. Diese sollten
       zu multifunktionalen Standorten mit eigener Energieproduktion und Raum für
       Natur werden. Beispielsweise könnten auf den Dächern Solaranlagen
       angebracht werden. „Jede Kilowattstunde vom Kasernendach macht
       unabhängiger, jede Grünfläche trägt zum Artenschutz bei“, sagt
       GIDS-Wissenschaftler Bayer.
       
       Die anstehenden Milliarden-Investitionen in militärische Infrastruktur
       dürften zudem „nicht automatisch mehr Flächenverbrauch bedeuten“, betont
       Nabu-Chef Siegert. Deshalb benötige es einen „Dialog mit der Bundeswehr, um
       naturverträgliche Planungen und Alternativen zu entwickeln“.
       
       2 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://gids-hamburg.de/verteidigungsfaehigkeit-und-umweltschutz-zusammendenken/
 (DIR) [2] https://www.bmvg.de/resource/blob/5712718/ef73034715dcfaa80447ddb19cbf896b/nachhaltigkeits-und-klimaschutzstrategie-data.pdf
 (DIR) [3] https://www.dw.com/de/verteidigung-polen-finnland-trockene-moore-wieder-vern%C3%A4ssen-russland-eu-au%C3%9Fengrenze-moor-nato-v2/a-74308428
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Philipp Embach
       
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