# taz.de -- Gesetzentwurf für neues Wahlrecht: Meloni geht in die nächste Offensive
       
       > Die Justizreform scheiterte und war ein Rückschlag für Italiens
       > Regierungschefin. Jetzt versucht sie es mit einer Reform des Wahlrechts.
       
 (IMG) Bild: Giorgia Meloni auf Angriffskurs, die Haare breit gefächert, die Einstellungen gewohnt rechts
       
       Am Dienstag brachte Italiens Rechtskoalition unter Ministerpräsidentin
       Giorgia Meloni den Gesetzentwurf für ein neues Wahlrecht ins Parlament ein.
       Nur eine Woche nach der herben Schlappe beim Referendum [1][über die
       Justizreform] versucht die Rechtsregierung so, wieder in die Offensive zu
       kommen.
       
       Regulär stehen die nächsten nationalen Wahlen spätestens im Oktober 2027 an
       – und das neue Wahlrecht soll die Voraussetzungen dafür schaffen, dass die
       Rechte auch danach mit einer komfortablen Mehrheit weiterregieren kann. In
       Zukunft soll ein reines Proporzwahlrecht mit einer Sperrklausel von 3
       Prozent gelten. Doch was der Rechten vorschwebt, ist ein vergifteter
       Proporz.
       
       Denn die siegreiche Partei oder auch Parteienallianz soll bei den
       Parlamentssitzen einen kräftigen Mehrheitsbonus erhalten, wenn sie 40
       Prozent der Wählerstimmen überschreitet. Dieser Bonus soll im
       Abgeordnetenhaus 70 der insgesamt 400 Sitze betragen, im Senat 35 der 200
       Sitze, die automatisch an das siegreiche Bündnis gingen, während dann die
       anderen Sitze nach Proporz verteilt würden.
       
       Praktisch hieße dies, dass sich die Sieger auch mit 40 Prozent der Stimmen
       über rund 57 Prozent der Parlamentssitze freuen dürften. Wenn die Rechte –
       wie seit Jahren in allen Umfragen – in den Wahlen auch nur einen leichten
       Vorsprung hätte, wäre ihr weiterhin eine komfortable Parlamentsmehrheit
       sicher.
       
       ## Opposition rauft sich langsam zusammen
       
       Auch in der gegenwärtigen Legislaturperiode halten die Parteien der
       Meloni-Koalition knapp 60 Prozent der Sitze sowohl im Abgeordnetenhaus als
       auch im Senat. Doch diesen großen Vorsprung verdanken sie allein der
       Tatsache, dass sich die Oppositionsparteien bei den Wahlen von 2022 tief
       gespalten präsentiert hatten, während die Rechte geeint angetreten war.
       
       Bisher nämlich werden die Sitze nach einem gemischten System vergeben: 63
       Prozent über Proporz, 37 Prozent in Personenwahlkreisen. Und während vor
       vier Jahren die Rechte in den Wahlkreisen nur eine*n Anwärter*in ins
       Rennen schickte, boten die zerstrittenen Mitte-links-Parteien überall drei
       Kandidat*innen auf, mit der Folge, dass so gut wie alle Direktmandate
       an den Meloni-Block gingen.
       
       Doch mittlerweile hat sich die Opposition einigermaßen zusammengerauft, und
       [2][gerade das Justizreferendum wurde zum definitiven Alarmsignal für
       Meloni.] Das Nein zu ihrer Reform siegte mit gut 53 Prozent. Vor allem aber
       zeigte sich, dass in Süditalien das Nein auf 60-70 Prozent hochschnellte.
       Daran knüpft sich in Melonis Reihen die Furcht, südlich von Rom gegen eine
       geeinte Opposition kaum noch einen Wahlkreis zu holen. Das aber hieße, dass
       auch bei einem Kopf-an-Kopf-Rennen das Mitte-links-Lager dank der
       Direktmandate am Ende im Parlament einen – wenn auch knappen – Vorsprung
       haben könnte.
       
       Dem soll jetzt die Wahlrechtsreform vorbeugen. Allerdings lebt die Hoffnung
       auf einen neuen rechten Erfolg von der Erwartung, dass die Rechte auch in
       den Wahlen so wie bisher in den Umfragen weiterhin vorne liegt. Doch das
       ist alles andere als sicher.
       
       ## Meloni unter Druck
       
       Nicht nur kam [3][die Referendumspleite für Meloni] völlig unerwartet. Sie
       nimmt ihr auch zugleich den Ruf der immer erfolgreichen Politikerin,
       während sie zugleich mit der Justizreform das bisher einzige von der
       Rechten realisierte nennenswerte Reformprojekt an die Wand fuhr. Hinzu
       kommt das immer ungemütlichere ökonomische Umfeld mit explodierenden
       Energiepreisen, ansteigender Inflation und einbrechendem
       Wirtschaftswachstum. Dass Meloni Donald Trumps beste Freundin in Europa
       ist, wird ebenfalls zunehmend zum Ballast in einem Land, in dem 70 bis 80
       Prozent der Bürger*innen den US-Präsidenten ablehnen.
       
       Deshalb wird die Wahlrechtsreform, sollte sie denn durchgesetzt werden, für
       die Rechte zum riskanten Glücksspiel. Am Ende könnte sie bei den nächsten
       Wahlen 2027 den Mitte-links-Parteien eine satte Parlamentsmehrheit
       bescheren.
       
       1 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Justizreform-in-Italien-scheitert/!6165347
 (DIR) [2] /Traum-der-italienischen-Rechten/!6163179
 (DIR) [3] /Justizumbau-in-Italien/!6153872
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Michael Braun
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Justizreform in Italien
 (DIR) Italien
 (DIR) Giorgia Meloni
 (DIR) Parlament
 (DIR) Social-Auswahl
 (DIR) Giorgia Meloni
 (DIR) Giorgia Meloni
 (DIR) Justizreform in Italien
 (DIR) Italien
 (DIR) Justizreform
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Verhältnis zwischen USA und Italien: Das Ende zweier Freundschaften
       
       Meloni hat den Papst gegen US-Präsident Trump verteidigt, der ihr nun die
       Freundschaft gekündigt hat. Auch mit Israel sortiert sie die Dinge neu.
       
 (DIR) Wahlrechtsreform in Italien: Melonis Trump’sche Züge
       
       Das Referendum zur Justizreform ist gescheitert. Nun versucht Italiens
       Regierungschefin Giorgia Meloni den nächsten Schritt Richtung Machterhalt.
       
 (DIR) Justizreform von Giorgia Meloni: Italien sagt Nein
       
       Regierungschefin Giorgia Meloni scheitert mit ihrer Justizreform am eigenen
       Volk: Eine Mehrheit der Italiener:innen stimmt im Referendum mit Nein.
       
 (DIR) Traum der italienischen Rechten: Worum geht es bei Italiens Justizreform?
       
       Am Sonntag und Montag stimmen die Italiener über Melonis Justizreform
       ab. Ob Ja oder Nein wird weitreichende Folgen für Italiens Zukunft haben.
       
 (DIR) Justizumbau in Italien: Wird Italien das neue Ungarn?
       
       Viele in der EU haben sich daran gewöhnt, dass in Italien eine
       Postfaschistin regiert. Nun will Meloni die Justiz schwächen. Wie
       dramatisch ist das?