# taz.de -- Preismanipulation in der Energiekrise: Kenias Polizei geht gegen Beamte vor
       
       > Die kenianische Regierung fürchtete, dass der Treibstoff ausgeht und
       > kaufte teuer neuen. Aber die besorgniserregenden Zahlen könnten
       > manipuliert sein.
       
 (IMG) Bild: Teurer Sprit: Ein Tankwart betankt am 10. März 2026 an einer Tankstelle in Nairobi ein Motorrad
       
       Kenias Kriminalpolizei hat über das Osterwochenende eine Reihe von
       Verhaftungen durchgeführt. Unter den Festgenommenen sind auch hochrangige
       Offizielle aus dem Energieministerium. Der Grund: Die jüngsten Angaben über
       die staatlichen Treibstoffreserven wurden manipuliert – und als Folge
       wurden unnötigerweise völlig überteuerte Treibstoffreserven eingekauft,
       welche nun an den Tankstellen zu überhöhten Preisen angeboten werden, so
       die Ermittler gegenüber lokalen Medien.
       
       Sie ließen verlauten, dass ein Kartell an Treibstoffimporteuren die
       derzeitige Krise auf dem Weltmarkt, ausgelöst durch den Iran-Krieg, gezielt
       ausnutze, um Profite zu generieren. Kenias Präsident William Ruto warnte in
       einer Erklärung: „Diese Kartelle im Energiesektor dürfen nicht frei
       agieren. Sie können sich ihrer Verantwortung nicht entziehen.“
       
       Kenias Regierung ist durch eine Verordnung angehalten, stets mindestens 70
       Prozent des monatlichen landesweiten Treibstoffbedarfs als Vorräte zu
       speichern, um Engpässe und damit wirtschaftliche Einbußen zu vermeiden. Als
       sich die Kenianer Ende März auf das lange Osterwochenende vorbereiteten,
       Besuche bei Verwandten in den Dörfern planten und an den Zapfsäulen
       Hochbetrieb herrschte, stieg der Treibstoffbedarf um rund 20 Prozent im
       Vergleich zum Normalbedarf an. Da schlug die Regierung Alarm: Die Reserven
       würden nur noch bis zum 2. April reichen, hieß es aus dem
       Energieministerium.
       
       Zügig wurde daraufhin auf dem Weltmarkt nach Optionen gesucht, [1][mehr
       Treibstoff einzukaufen]. Die Firma Gulf Energy, die vom Staat regulär
       beauftragt ist, die Reserven aufzustocken, gab an, sie könne nicht
       rechtzeitig liefern.
       
       ## Tanker stecken vor der Straße von Hormus fest
       
       Der Frachter, der neue Reserven beschaffen sollte, sei zwar unterwegs,
       [2][könne aber die Schifffahrtspassage von Hormus nicht durchqueren] – er
       stecke fest, [3][meldet die kenianische Tageszeitung The Standard] unter
       Berufung auf interne Informationen.
       
       Ein Schreiben des Nationalen Sicherheitsrates von Anfang März habe
       daraufhin das Energieministerium damit beauftragt, nach alternativen
       Bezugsquellen zu suchen.
       
       Seit 2023 erwirbt Kenia seinen Treibstoff aus Ländern wie Saudi-Arabien und
       den Vereinigten Arabischen Emiraten auf Grundlage von direkten
       Regierungsabsprachen hinsichtlich des Einkaufspreises, ein Deal, der Kenias
       Währung stabil halten sollte. Diese Lieferungen gelangen aber [4][aufgrund
       der anhaltenden Blockade der Straße von Hormus] durch den Iran nicht nach
       Kenia.
       
       Als im März die Suche nach alternativen Treibstoffquellen losging,
       genehmigte der Nationale Sicherheitsrat, der von Präsident Ruto geleitet
       wird, auch Einkaufspreise, die deutlich über dem vereinbarten Einkaufspreis
       liegen und auch in Dollar anstatt wie üblicherweise in Kenianischen
       Schillingen bezahlt werden können.
       
       ## Leaks: Sorge um Treibstoffknappheit war vorgetäuscht
       
       Zahlreiche Ölfirmen bewarben sich um den Auftrag. Ende März vergab das
       Energieministerium ihn letztlich an die Firma One Petroleum Limited, die
       eine Lieferung im Zeitraum zwischen dem 25. und dem 27. März zusagte.
       
       Allerdings war das Ministerium, so geht es laut der Tageszeitung The
       Standard auf den internen Unterlagen hervor, darüber informiert, dass die
       Treibstoffqualität, die One Petroleum beschaffen konnte, nicht den
       kenianischen Standards entsprach. Es solle jedoch in Anbetracht der Krise
       „eine Ausnahme gemacht werden“, so ein Schreiben des Ministeriums.
       
       Interne Untersuchungen sowie geleakte interne E-Mails zwischen den
       zuständigen Behörden, die Kenias Medien zugespielt wurden, lassen jedoch
       darauf schließen, dass die Angaben manipuliert worden seien, denen zufolge
       das Land nach den Osterferien der Treibstoff ausgehe.
       
       „Dies geschah offenbar, um die steigenden Weltmarktpreise und die
       öffentliche Besorgnis auszunutzen und so den falschen Eindruck eines
       bevorstehenden Angebotsengpasses zu erwecken“, heißt es in der Erklärung
       des Präsidenten. Es seien nun Ermittlungen auch gegen Energieminister Opiyo
       Wandayi eingeleitet worden, der die Aufsicht über diese Versorgungskrise
       hat.
       
       7 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Folgen-des-Irankrieges-in-Suedafrika/!6167371
 (DIR) [2] /Strasse-von-Hormus/!6167117
 (DIR) [3] https://www.standardmedia.co.ke/national/article/2001544708/how-unmoved-wandayi-forced-kenya-into-a-costly-deal-with-gulf-energy%C2%A0
 (DIR) [4] /Ministertreffen-am-Gruendonnerstag/!6167894
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Simone Schlindwein
       
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