# taz.de -- Trailer zu Harry-Potter-Serie auf HBO: Warum sehen Filme nicht mehr aus wie früher?
       
       > Unsere Kolumnistin langweilen die blassen und leblosen neuen Film- und
       > Serienproduktionen. Sie sehnt sich nach den satten Farben alter
       > Klassiker.
       
 (IMG) Bild: Es geht doch auch anders: Gene Kelly farbenfroh in „Singin’ in the Rain“
       
       Neulich habe ich „Top Gun“ (1986) gesehen und war schockiert. Davon, dass
       Tom Cruise einer Frau, die er gerade erst in der Bar getroffen hat, aufs
       Damenklo folgt und sie fragt, ob sie Sex auf dem Waschbecken haben möchte.
       Davon, wie homoerotisch die Geschichte andererseits ist. Davon, wie oft der
       Regisseur die Lieder [1][„Danger Zone“] und [2][„Take my Breath Away“]
       unterbringt.
       
       Vor allem aber war ich davon schockiert, wie farblich lebendig der Film
       ist, besonders die Szenen, in denen man den Funker im Kontrollturm sieht.
       [3][Wie ein Kunstwerk sah das aus]: rund um ihn blinkende Lichter, tiefe
       Schatten auf seinem Gesicht, reflektierende Schweißperlen. Als hätte ich
       davor einen Entzug erfahren, war ich auf einmal ästhetisch berauscht … von
       „Top Gun“ ausgerechnet.
       
       Viele Filme und Serien heute sehen dagegen blass aus. Das neueste Beispiel:
       Der „Harry Potter“-Reboot, der als Serie auf HBO laufen wird. Der sollte
       ohnehin schon boykottierwürdig sein. Schließlich wissen auch die
       besessensten Potter-Millennials, dass die Schöpferin J. K Rowling immer
       weiter in die [4][Tiefen der Transfeindlichkeit] taucht und ihr Vermögen,
       das durch die HBO-Serie noch größer wird, für [5][scheußliche Zwecke]
       nutzt. Als hätte es noch einen Grund gebraucht, sieht der gerade
       veröffentlichte Trailer dazu noch aus wie von einem grauen Filter
       überzogen, ausgewaschen und deswegen furchtbar leblos.
       
       ## Der US-Militärpropagandafilm sieht besser aus
       
       Die Serie ist nicht allein mit diesem Look. Gerade bei großen Produktionen
       der vergangenen Jahre fällt immer wieder auf, wie farblos sie sind. Zuletzt
       etwa [6][„Wicked“, der aussah, als hätte man den Film in der Sonne
       ausbleichen lassen], besonders im Vergleich zum Originalmaterial „Der
       Zauberer von Oz“. Actionfilme und so gut wie alle Netflix-Produktionen sind
       betroffen.
       
       Auch der Trailer zu „Der Teufel trägt Prada 2“ gab einen Shitstorm:
       Wenigstens Filme, in denen es um Mode geht, sollten in Farbe und Kontrast
       nicht völlig flach sein. Dass also selbst der größte
       US-Militärpropagandafilm „Top Gun“ besser aussieht als das meiste, was
       heute in den großen Kinos läuft, machte mich traurig.
       
       Und an die wirklich schönen Filme hab ich da noch nicht mal gedacht. Nicht
       an die Tapeten in Jacques Demys „Die Regenschirme von Cherbourg“, die
       aussehen, als seien sie Bonbonverpackungen. Auch nicht an das tiefe Rot der
       Kostüme in Akira Kurosawas „Ran“. Oder [7][die traumartige Bildbühne in
       „Singin’ in the Rain“], auf der Gene Kelly und Cyd Charisse tanzen.
       
       ## Auch die Welt wird trüber
       
       Was ist passiert? Die obigen Beispiele sind offensichtlich auf Film
       aufgenommen und nicht digital. Digital ist aber nicht per se schlecht.
       Schlecht ist, wenn alles möglichst überbelichtet aufgenommen wird, um in
       der Postproduktion flexibel zu bleiben, und die Farbkorrektur dann blass
       ausfällt.
       
       Offenbar will man kein Risiko eingehen: keine zu starken Kontraste, keine
       unvorteilhaften Details in den makellosen Gesichtern der Stars, keine
       mutigen Farbentscheidungen. Eine düstere Deutung dessen wäre, dass die Welt
       in ihrer Ausweglosigkeit ihre Farbe verliert und Filme das nur
       reflektieren. Dabei muss digital nicht schlecht aussehen. Fans
       veröffentlichten für die Trailer von [8][„Harry Potter“] und [9][„Der
       Teufel trägt Prada 2“] Versionen mit verbesserter Farbkorrektur.
       
       Allzu lang war ich nicht traurig darüber, was viele moderne Filme versäumen
       und „Top Gun“ schafft. Denn ehrlicherweise sind Gegenbeispiele, manche
       davon digital, schnell gefunden. Céline Sciammas „Portrait of a Lady on
       Fire“, der gesamte Wes-Anderson-Katalog, oder [10][„Drive My Car“] von
       Ryūsuke Hamaguchi. Es gibt genug modernes Material, das dazu noch wunderbar
       aussieht. Wirklich niemand muss also die Harry-Potter-Serie gucken.
       
       1 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.google.com/search?client=firefox-b-e&channel=entpr&q=danger+zone+top+gun+#fpstate=ive&vld=cid:05b424c5,vid:siwpn14IE7E,st:0
 (DIR) [2] https://www.google.com/search?client=firefox-b-e&channel=entpr&q=top+gun+take+my+breath+away#fpstate=ive&vld=cid:02a91093,vid:Bx51eegLTY8,st:0
 (DIR) [3] https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEgB2mxgPFPJSkOCbcvHfH8ycVbPFSYmMmAAtvES7cqsLRaBL0LhJRk5vI_oI4CSB6aq7v1z6lnMaKX_AfTXxOQ-M5bWjia2TWEZY9bmwNeoJBJtk-QJUSHiWQc9nyHoJ_gm4PSXrmmDN4Mc/s1600/Sweaty+Dude+1.png
 (DIR) [4] https://www.theverge.com/report/901818/hbo-harry-potter-jk-rowling-transphobia
 (DIR) [5] https://www.them.us/story/jk-rowling-fund-anti-trans-lawsuits
 (DIR) [6] https://variety.com/2024/film/news/wicked-color-grading-desaturated-director-jon-m-chu-1236222065/
 (DIR) [7] https://www.youtube.com/watch?v=p2ytvJxTjTU
 (DIR) [8] https://www.instagram.com/reel/DWY4dkzEW_C/
 (DIR) [9] https://www.instagram.com/reel/DUmtVUADX_J/
 (DIR) [10] /Murakami-Verfilmung-Drive-My-Car/!5821067
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Valérie Catil
       
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