# taz.de -- Riesenotter unter Schutz gestellt: Möge er voranschwimmen!
> Die Uno-Artenschutzkonferenz COP15 hat den Riesenotter unter Schutz
> gestellt. Das über alle Grenzen migrierende Tier sollte uns politisch ein
> Vorbild sein.
(IMG) Bild: Ein Grenzgänger im Superpelz: Riesenotter im brasilianischen Pantanal-Feuchtgebiet
„Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass.“: Ein Wunsch, der eindeutig
nicht der Bedürfnislage des Riesenotters entspricht. Denn bei dem größten
Verwandten unseres einheimischen Fischotters, rund zwei Meter lang, über 30
Kilogramm schwer, läuft es eher andersherum. Nass werden die höchst
geselligen, in Gruppen von bis zu zehn im Wasser von Flüssen, Seen und
Überschwemmungsgebieten herumotternden Tiere sowieso dauernd. Doch
eindrucksvolle 70.000 Haare pro Quadratzentimeter und eine im Pelz
eingeschlossene Luftschicht verhindern trotzdem, dass der Otter bis auf die
Haut nass wird.
Der Superpelz erlaubt ihm, neben dem Ruderschwanz und Schwimmhäuten an den
Füßen, das Dauerbaden. Leider haben seine Vorzüge auch dazu geführt, dass
die Art in der Vergangenheit intensiv bejagt wurde und daher heute in
weiten Teilen seines ehemals über das gesamte tropische Südamerika östlich
der Anden von Venezuela bis Argentinien reichenden Verbreitungsgebiets
ausgerottet ist.
Heute hat der Riesenotter allerdings noch riesigere Probleme. Abwässer von
Minen vergiften seine Flüsse, in denen er als Top-Prädator Fische jagt,
weshalb er in seiner Heimat auch „Flusswolf“ genannt wird. Und wie sein
Namensvetter bei uns hat auch der Riesenotter ein Problem mit Regierungen,
die nicht viel am Hut haben mit Artenschutz: Aller vorherigen
Schutzversprechen Brasiliens zum Trotz ist die [1][Entwaldung in der
Amazonasregion] unter der rechtspopulistischen Bolsonaro-Regierung, die bis
2023 an der Macht war, auf neue Rekordwerte hochgeschnellt und hat die
Restlebensräume der Marderartigen noch weiter fragmentiert.
Der Klimawandel und die in seinem Gefolge häufigeren Dürren tun ein
Übriges. Gerade in diesem Zusammenhang erweisen sich vor allem die
zahlreichen Staudammprojekte in der Region als gefährliches Hindernis.
Riesenotter bewegen sich eigentlich mit dem Pegelstand der Flüsse weit ins
Landesinnere hinein und machen Wasserwege zu Wanderrouten – sofern diese
nicht mit Sperren wie Wasserkraftwerken verbarrikadiert werden. Da ist dann
kein Durchkommen mehr selbst für diese an Land wie Wasser äußerst
gewandten, kräftigen Tiere.
## International unter Schutz gestellt
Deshalb wurden die Otter nun bei der [2][UNO-Konferenz COP15 in Brasilien],
die am Wochenende zur Erhaltung der wandernden wildlebenden Tierarten
getagt hat, in das internationale Vertragswerk aufgenommen. Das heißt
konkret: Die Unterzeichnerstaaten sind zum Otterschutz auf eigenem Terrain
verpflichtet – aber auch dazu, international zusammenzuarbeiten, um ihre
Wanderrouten über alle Grenzen hinweg zu sichern.
Das ist auch dringend nötig, wenn die zersplitterten Ottervorkommen wieder
zu einer gesunden, im Austausch stehenden Gesamtpopulation zusammenwachsen
sollen. In Argentinien etwa gab es bereits seit Jahrzehnten keine
Riesenotter mehr. Im vergangenen Jahr aber wurden, unter der Federführung
des Schweriner Zoos, in menschlicher Obhut gezüchtete Tiere erstmals wieder
erfolgreich dort ausgewildert – ein historischer Erfolg für den
Artenschutz. Jetzt müssen sie sich nur noch ordentlich vermehren und wieder
Anschluss finden an ihre Artgenossen etwa im brasilianischen Pantanal. Die
neue internationale Unterschutzstellung unter der Ägide der UNO wird
hoffentlich dabei helfen.
Der Otter ist deshalb auch ein schönes Beispiel wider den aktuellen
politischen Trend: Vorwärts geht es eben letztlich nur mit internationaler
Zusammenarbeit – und Migration über alle Grenzen hinweg. Möge der
Riesenotter voranschwimmen!
30 Mar 2026
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(DIR) Heiko Werning
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