# taz.de -- UN-Konferenz zu migrierenden Tierarten: Mehr Schutz für 40 weitere Spezies
       
       > Riesenotter, Hammerhai, Schneeeule: Immer mehr wandernde Arten sind
       > bedroht. Eine UN-Konferenz erweitert die Rote Liste und setzt so ein
       > Signal.
       
 (IMG) Bild: Um seinen Schutz wurde lange gerungen: Hammerhai vor den Bahamas
       
       Sie vernetzen Lebensräume, transportieren Nahrungsmittel, befruchten
       Pflanzen – rund 1.189 Wildtiere, darunter Wale, Zugvögel und Haie, zählen
       zu den wandernden Spezies. Jede vierte dieser Tierarten ist bedroht. 40
       Arten sollen nun strenger geschützt werden. Das haben die Mitgliedsstaaten
       der 15. Vertragsstaatenkonferenz COP15 des [1][Übereinkommens zur Erhaltung
       wandernder wildlebender Tierarten] beschlossen, die am Sonntag im
       brasilianischen Campo Grande zu Ende ging. Zu den neu oder stärker
       geschützten Arten zählen unter anderem Hammerhai, die Streifenhyäne, die
       Schneeeule und der im Pantanal ansässige Ariranha, der größte Fischotter
       der Welt.
       
       Am Rande des Pantanal, dem größten tropischen Binnenland-Feuchtgebiet der
       Erde, hatten Politiker und Experten, Vertreter von internationalen
       Organisationen und der Zivilgesellschaft aus Dutzenden von Ländern eine
       Woche lang über den aktuellen Bestand der Arten, über den Einfluss der
       Klimakrise, über ökologische Vernetzungen und die Auswirkungen menschlicher
       Aktivitäten diskutiert.
       
       Ein [2][Anfang März veröffentlichter UN-Report] zeigt: Bei fast der Hälfte
       der wandernden Arten sind die Bestände zurückgegangen, jede vierte Art ist
       vom Aussterben bedroht. In den vergangenen zwei Jahren sind 5 Prozent mehr
       Spezies verloren gegangen als im Vergleichszeitraum. Die [3][Population von
       wandernden Süßwasserfischen ist sogar um 81 Prozent gesunken], wie die taz
       berichtete. Einzig bei Meeresschildkröten hat sich die Lage gebessert –
       möglicherweise ein Erfolg von Schutzmaßnahmen.
       
       Verursacher der Schäden ist in jedem Fall der Mensch. Entweder, weil er zu
       viele Exemplare einer Art für eigene Zwecke fängt, oder weil er deren
       Lebensraum durch seine Zäune, Eisenbahnstrecken oder andere Aktionen
       zerstört.
       
       ## Neue Schutzgebiete im Pantanal
       
       Das rund 200.000 Quadratkilometer [4][große Pantanal selbst hat zwischen
       2020 und 2024 wiederholt unter verheerenden Bränden] gelitten, bei denen
       Tiere verbrannt und deren Lebensräume schwer geschädigt wurden. Da es durch
       Flüsse gespeist wird, deren Wasserstand durch fehlende Regenfälle
       beeinträchtigt wird, leidet es besonders unter der Klimakrise. Präsident
       Lula unterzeichnete während der Konferenz Dekrete zur Schaffung von zwei
       neuen Schutzgebieten innerhalb des Sumpflands mit einer Gesamtfläche von
       104.000 Hektar.
       
       Ein Großteil des Pantanal ist allerdings in Privatbesitz. Das
       brasilianische Umweltministerium wirbt für die vermehrte Gründung von
       privaten Schutzgebieten, um die staatlichen Schutzzonen miteinander zu
       verbinden. Die Zivilbevölkerung solle durch Zahlungen für
       Umweltdienstleistungen und für den Erhalt von Biodiversität insgesamt
       stärker in den Schutz eingebunden werden. Zur Umsetzung und Finanzierung
       gab es allerdings keine Angaben.
       
       ## Trendumkehr bis 2030
       
       Bis 2030 soll dem [5][Globalen Biodiversitätsrahmen] zufolge der Verlust
       der biologischen Vielfalt gestoppt und der Trend umgekehrt werden. Colmán Ó
       Críodáin, beim WWF für Wildtierpolitik zuständig, warnt: „Der Weg hin zu
       diesen globalen Zielen wird noch in diesem Jahr bewertet, und aktuelle
       Indizien weisen darauf hin, dass die Länder nicht auf dem richtigen Weg
       sind. Der WWF fordert alle Länder auf, ihre Aktionen zu beschleunigen und
       auf den Fortschritten in Capo Grande aufzubauen.“ Als Beispiele für
       letztere nennt Mariana Napolitano vom WWF Brasilien „die ökologische
       Vernetzung im Zentrum der Entscheidungen, eine größere internationale
       Zusammenarbeit und der Protagonismus der Agenda für Meerestiere“.
       
       Neben den Beschlüssen zur Aufnahme neuer Arten auf die Liste der bedrohten
       Spezies gab es auch Übereinkünfte zu sogenannten Nebenfängen und zu
       Meeresschildkröten. Eine Forschungsausschreibung soll neue Erkenntnisse
       über die Wandernden bringen. Zum ersten Mal waren außerdem Vertreter von 28
       indigenen Volksgruppen anwesend. Ihr traditionelles Wissen wurde erstmals
       offiziell als grundlegend für den Schutz wandernder Arten und für den
       Erhalt der Biodiversität anerkannt.
       
       „Wir müssen mit gutem Beispiel vorangehen“, betonte Umweltministerin Marina
       Silva und nannte als Beispiel den mehr als eine Million Hektar großen
       Nationalpark Albardão im Süden des Landes, der bereits Anfang März
       geschaffen wurde. Dort hält sich unter anderem der vom Aussterben bedrohte
       Kleine Tümmler auf, der kleinste Delphin der Welt. Weitere Nationalparks
       sowie ökologische Korridore in Kooperation mit Nachbarländern seien im
       Gespräch.
       
       30 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.auswaertiges-amt.de/resource/blob/248460/bb8c785c801bdee3483829ac67abb2c0/vertragstextoriginal-data.pdf
 (DIR) [2] https://www.cms.int/sites/default/files/publication/swms_interim-report_2026_e_0.pdf
 (DIR) [3] /Schutz-wandernder-Suesswasserfische/!6165371
 (DIR) [4] /Forscherin-ueber-Waldbraende-in-Brasilien/!6038767
 (DIR) [5] https://www.bmz.de/de/service/lexikon/globaler-rahmen-fuer-biodiversitaet-217130
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Christine Wollowski
       
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