# taz.de -- Buckelwal in der Ostsee: Der übergriffige Mensch
> Penetrant wird dem Wal hinterhergestiegen. Wenn es um Empathie für
> leidende Tiere geht, wäre ein Besuch in einem Schlachthof
> empfehlenswerter.
(IMG) Bild: Empathie für leidende Tiere endet im Schlachthof: Dort fragt niemand „Wie geht es Friederike, der Kuh?“
Wie geht es Timmy?, fragen die TV-Morgenmagazine seit Tagen und schalten
live an die Ostseeküste. Er atme, zeige aber ansonsten wenig Reaktionen,
sagt im Ton einer Notärztin der Humanmedizin die Greenpeace-Expertin.
Schwerins SPD-Umweltminister Till Backhaus verkündet großzügig, dass man
den Buckelwal – dem irgendeiner einen Namen gab, damit es mit der
Emotionalisierung auch ganz bestimmt klappt – jetzt in Ruhe lasse, damit
„er Kraft tankt“.
Am „Wal-Drama“ lässt sich das übergriffige Wesen des Menschen gegenüber
Tieren eindrucksvoll studieren: Der Mensch weiß angeblich am besten, was
für ein (Säuge)-Tier gut ist, das keinem gehört, sondern in der Natur lebt.
Ein kranker Wal liegt auf einer Sandbank, dann kommen selbsternannte
menschliche Retter mit Helfersyndrom [1][mit einem Bagger an], um ihm den
Weg in die Freiheit zu ebnen. Eine Nacht später liegt der Wal wieder auf
einer Sandbank. Kann es sein, dass sich der kranke Wal zum Sterben
zurückzieht – und mit einem offensichtlich nicht mehr funktionierenden
Navigationssystem ohnehin keine Überlebenschance hat? Oder, abstrakter
formuliert, ist es nicht einfach der Kreislauf der Natur? Gestorben wird in
der Tierwelt ständig, ohne dass der Mensch Notiz davon nimmt.
Apropos Sterben: Wenn der Mensch seine Empathie für Tiere trainieren
möchte, sei ihm der Besuch deutscher Schlachthöfe empfohlen, wo täglich
knapp 2 Millionen Hühner, Puten und anderes Federvieh, 120.000 Schweine und
8.000 Rinder getötet werden. Der Anblick weit aufgerissener, angsterfüllter
Kuhaugen beim Hineintreiben in die Schlachthalle oder die Schmerzensschreie
der Schweine beim „Entblutungsstich“, [2][wenn das mit der Betäubung mal
wieder nicht geklappt hat], dürften auch dem vernageltsten Menschen
klarmachen, dass Tiere fühlende Lebewesen sind. Auch Live-Schalten aus
einem Schlachthof fürs Morgenmagazin hätten einen heilsamen pädagogischen
Effekt, dann aber bitte mit der Moderatorenfrage: Wie geht es Friederike,
der Kuh?
Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version hieß es irrtümlich,
Schweine würden mit einem Bolzenschuss getötet, dies ist aber eine – bei
Schweinen grundsätzlich verbotene – Betäubungsart. Wir haben die
entsprechende Stelle korrigiert.
30 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.ardmediathek.de/video/hallo-niedersachsen/buckelwal-mit-spezialbagger-von-sandbank-gerettet/ndr/Y3JpZDovL25kci5kZS9iMjY4NDAxMC05OGU5LTQwZjctYTJjOC02YTk4ZTExYzkyMWU
(DIR) [2] /Strafanzeige-gegen-Schlachthof/!5545252
## AUTOREN
(DIR) Gunnar Hinck
## TAGS
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) Ostsee
(DIR) Wale
(DIR) Schwerpunkt Artenschutz
(DIR) Social-Auswahl
(DIR) Schwerpunkt Artenschutz
(DIR) Ostsee
(DIR) Ostsee
(DIR) Ostsee
(DIR) Wale
(DIR) Wale
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Vom Aussterben bedrohte Arten: Kaiserpinguine kämpfen mit der Klimakrise
Die Weltnaturschutzunion stuft die Pinguine als stark gefährdet ein. Nicht
nur für erwachsene Tiere ist das Schmelzen des Meereises eine tödliche
Gefahr.
(DIR) Demo für gestrandeten Wal: „Eure Ignoranz tötet“
Demonstranten haben am Hafen von Poel eine Menschenkette gebildet und
werfen den Verantwortlichen „Versagen“ vor. Experten gehen davon aus, dass
er dort stirbt.
(DIR) Sichtung in der Ostsee: Buckelwal schwimmend vor Wismar gesichtet
Der Buckelwal schwimmt in der Ostsee vor Wismar. Eine entsprechende
Sichtung wurde bestätigt. Entscheidend ist nun, in welche Richtung er
zieht.
(DIR) Gestrandeter Buckelwal: Wal soll zum Wegschwimmen animiert werden
Ein Expertenteam wird versuchen, den Buckelwal mit dem Klatschen von
Paddeln auf Wasser zum Wegschwimmen zu animieren. Weiterhin liegt er in der
Bucht.
(DIR) Menschen, Tiere, Sensationen: „Ich glaube ja, der Wal ist ziemlich doof“
Der Buckelwal in der Ostsee macht die Medien ganz wuschig. Einen Namen hat
er auch schon. Eine Nachrichtenagentur stellt ihn in eine Reihe mit Knut.
(DIR) Wal „Timmy“ in der Ostsee: Odyssee auf Flossen
Die Aufregung um das strandende Tier ist groß, der Aufwand zur Rettung
auch. Ist die Hilfe sinnvoll? Oder lohnt sich die Sache am Ende nur für
uns?