# taz.de -- Demo für gestrandeten Wal: „Eure Ignoranz tötet“
> Demonstranten haben am Hafen von Poel eine Menschenkette gebildet und
> werfen den Verantwortlichen „Versagen“ vor. Experten gehen davon aus,
> dass er dort stirbt.
(IMG) Bild: Hat sich wieder festgeschwommen: der gestrandete Buckelwal – hier vor der Küste der Insel Poel am 1. April
dpa/taz | Im Hafen von Kirchdorf auf der Insel Poel demonstrieren
Tierschützer für mehr Einsatz bei der Rettung des Wals, [1][wie die „Ostsee
Zeitung“ berichtet.] Die Demo ist für 11 bis 16 Uhr angemeldet. Rund 50
Menschen haben eine Menschenkette gebildet. Einige halten Plakate hoch. Auf
diesen steht unter anderem:„Eure Ignoranz tötet“ und „Unterlassene
Hilfeleistung ist kein Versehen. Es ist eine Entscheidung“.
Am Mittwoch wurde unter dem Titel „Die letzte Chance den Buckelwal Hope zu
retten! – Wir brauchen Robert Marc Lehmann & sein Team jetzt beim Wal!“ zur
Demo aufgerufen. Initiator soll die Gruppe „Save the Ocean“ sein, die sich
eigenen Angaben zufolge „für alles einsetzt, was die Ozeane betrifft“. Auf
ihrer Facebook-Seite [2][rief sie zu der Demo auf der Ostseeinsel auf.]
„Wir sind heute hier in Wismar, weil ein Buckelwal unsere Hilfe braucht.
„Hope“ kämpft ums Überleben – doch statt Rettung droht Stillstand. Zeit
spielt gegen ihn. Jeder Moment zählt.“, schreibt die Gruppe auf Facebook.
Nicht alle unterstützen jedoch die Aktion. Unter anderem kritisierte der
Poeler Feuerwehrchef Bodo Köpnick das Vorgehen. Der „Ostsee Zeitung“ sagte
er: „Der Wal ist ein Wildtier, die wollen ihre Ruhe.“
## Zehntausende unterschreiben Petition für Meeresbiologen
Der öffentliche Druck auf die Verantworlichen der Walrettung wächst. Mehr
als 41.000 Menschen unterschrieben [3][eine Petition] mit dem Ziel, den
Meeresbiologen [4][Robert Marc Lehmann] wieder in die Walrettung
einzubeziehen. Der YouTuber und Forschungstaucher war teilweise durch
Eigeninitiative an der Rettung des Wals beteiligt, bis er von
Verantworlichen ausgeschlossen wurde. Grund war laut Lehmann, dass ihm
[5][Selbstdarstellung vorgeworfen] wurde. Seit der Strandung des Wals am
23. März informierte er in Kurzvideos auf Instagram über die Walrettung und
kritisierte das bisherige Vorgehen.
Die Petition fordert, Lehmann und seinem Team eine Einsatzgenehmigung zu
erteilen und sie auszurüsten.
## Rettungsversuche am Mittwoch eingestellt
Der vor Wismar in der Ostsee festliegende Buckelwal hat sich auch in der
Nacht nicht von der Stelle bewegt. Der Meeressäuger lag am Morgen an
unveränderter Position in der Kirchseebucht. „Er ist noch da“, sagte ein
Sprecher der Wasserschutzpolizei am Morgen. Die Hoffnungen, dass er sich
doch aus eigenem Antrieb befreit und den Weg ins tiefere Wasser findet,
haben sich nicht erfüllt.
Ob das Tier noch lebt, konnte der Sprecher zunächst nicht sagen. „Die
Bootsbesatzung heute Nacht war nicht nah genug dran, um zu sehen, ob er
noch atmet oder nicht.“ Auf den Livebildern aus der Bucht waren gegen 6.30
Uhr aber noch regelmäßig kleine Wasserfontänen zu erkennen. Es ist das
vierte Mal, dass sich der Wal in den vergangenen Wochen [6][an der
Ostseeküste festschwamm.]
Die Rettungsversuche waren am Mittwoch eingestellt worden. Der
wissenschaftliche Direktor des Deutschen Meeresmuseums, Burkard Baschek,
hatte gesagt: „Wir gehen fest davon aus, dass das Tier dort verstirbt.“
Auch Mecklenburg-Vorpommers Umweltminister Till Backhaus (SPD) betonte, das
Tier solle an seinem jetzigen Liegeplatz in Ruhe gelassen werden. „Wir
haben alles unternommen, um ihm seine Chance zu geben. Das ist eine
einzigartige Tragödie. Die hat er sich aber so ausgesucht.“
Das Tier ist deutlich geschwächt. Rund um den Wal wurde eine Sperrzone von
500 Metern eingerichtet, die laut Backhaus streng kontrolliert wird. Auch
Drohnenflüge seien untersagt. Etwaige Verstöße würden als
Ordnungswidrigkeit geahndet.
Anders als in den Tagen zuvor werden auch keine Versuche mehr unternommen,
den Wal zum Losschwimmen zu bewegen. „Wir müssten ihn so [7][massiv
animieren,] was aussichtslos wäre, weil er die Kraft nicht mehr hat. Und
die Erfolgschancen sind so gering, dass wir das als reine Tierquälerei
empfinden würden“, so Baschek.
## Wal irrt seit einem Monat umher
Bereits seit Anfang März war der Meeressäuger nach Angaben der Behörden
immer wieder an der Ostseeküste aufgetaucht, zunächst im Hafen von Wismar.
In der Nacht zum 23. März strandete er auf einer Sandbank vor Timmendorfer
Strand in Schleswig-Holstein. Letztlich gelang es dem Tier, das flache
Wasser zu verlassen, nachdem Helfer eine Rinne ausgehoben hatten. Danach
nahm er aber nicht Kurs aufs offene Meer und Richtung Norden, sondern
schwamm wieder Richtung Wismar.
## Toter Wal käme nach Stralsund
Sollte das eintreten, was Wissenschaftler, Umweltschützer und Politik nun
erwarten und befürchten, würde der Kadaver des Wals nach Stralsund zum
Deutschen Meeresmuseum gebracht werden, das als Forschungseinrichtung auch
eine Spezialabteilung für Meeressäuger unterhält. Dabei würde es laut
Backhaus aber ausdrücklich nicht darum gehen, ein Skelett für das Museum zu
bekommen, sondern allein darum, den Wal nach seinem Tod zu untersuchen und
die Todesursache zu bestimmen.
2 Apr 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.ostsee-zeitung.de/lokales/nordwestmecklenburg/wismar/liveticker-zu-ostsee-wal-buckelwal-liegt-vor-der-insel-poel-im-sterben-demo-geplant-7D6CVA64KRAR7BNXN2AI7PFHU4.html
(DIR) [2] https://www.facebook.com/SaveTheOceanCrew?ref=embed_post
(DIR) [3] https://www.openpetition.de/petition/online/wir-fordern-robert-marc-lehmann-zurueck-zur-wal-mission
(DIR) [4] https://www.instagram.com/robertmarclehmann/?hl=de
(DIR) [5] https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/panorama/wal-rettung-in-der-ostsee-biologe-lehmann-fuhlt-sich-herausgedrangt--behorden-widersprechen-15412177.html
(DIR) [6] /Sichtung-vor-Wismar/!6167312
(DIR) [7] /Gestrandeter-Buckelwal/!6167001
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